ATLANTEAN KODEX: The Course Of Empire

atlantean-kodex-curse-of-empire-cover

Wie geht man als Band damit um, das man ein Album erschaffen hat, dass von vielen als Meilenstein, als eines der wichtigsten Alben der letzten zwanzig Jahre gesehen wird? Im Falle von ATLANTEAN KODEX macht man erstmal eine längere Pause. Sechs Jahre ist es inzwischen her, dass die Band mit “The White Goddess” den Epic Metal auf den Kopf gestellt und sich selbst an die Spitze des Genres gesetzt hat. Nun ist “Th Course Of Empire” also da, um bei dem Versuch zu scheitern, die völlig überzogenen Erwartungen zu erfüllen, welche man an das dritte Album der Bayern hat. Oder auch nicht… Irgendwie hatte ich nicht zu einer Sekunde die Befürchtung, dass ATLANTEAN KODEX mit ihrem dritten Album scheitern, oder auch nur ein bisschen enttäuschen würden.

ATLANTEAN KODEX scheitern mit “The Course Of Empire” nicht an sich selbst, sie übertreffen ihr Meisterwerk “The White Goddess”

Und tatsächlich hält “The Course of Empire” nicht nur das schwindelerregende hohe Niveau von “The White Goddess”. Nein, ATLANTEAN KODEX haben es tatsächlich geschafft, auf dieses Meisterwerk noch einen drauf zu setzen. Stilistisch hat die Band sich natürlich keinen Millimeter bewegt. Die Bezeichnung Regressive Metal wählte man ja schließlich nicht umsonst:  Epic Metal, der sowohl von frühen MANOWAR als auch BATHORY zu ihrer Wikinger-Phase beeinflusst ist, diese und andere Einflüsse jedoch zu einem unverkennbar eigenen Sound verschmilzt. So wie ATLANTEAN KODEX klingt keine andere Band, dieses Erhabene, Sakrale, mal Kämpferische, mal In-sich-gekehrte. All das zeichnete ATLANTEAN KODEX schon immer aus, doch auf “The Course Of Empire” hat die Band ihren Sound wohl endgültig perfektioniert. Jegliche Schwächen, die man auf den bisherigen Veröffentlichungen vielleicht noch ausmachen konnte, so man dann wollte, wurden ausgemerzt.

Sänger Markus Becker setzt sich ein Denkmal

Die größte Entwicklung hat hier ohne Frage Frontmann Markus Becker hinter sich gebracht. War der Mann auf dem Demo sowie dem Debüt stellenweise noch arg wackelig unterwegs, so ist seine Gesangsleistung auf “The Course Of Empire” völlig souverän und ohne jeglichen Makel. Der Refrain von “Chariots” ist einfach nur richtig groß, genau wie der gesamte Gesang beim kurzen Stück “The Innermost Light”, bei welchem sich der Rest der Band bewusst zurückhält und ihrem Sänger Platz gibt. Dazu kommen noch die Chöre, die größtenteils ebenfalls von Becker stammen.

Aber auch der Rest der Band ist spielerisch gefühlt noch mal eine Ecke sattelfester geworden, wobei ATLANTEAN KODEX ja noch nie eine Band war, die sich durch instrumentale Kabinettstücken auszeichnete. Trotzdem klingen gerade die Soli noch mal besser als bisher. Das Fundament legen weiterhin die simplen, krachenden Riffs, welche häufig an BATHORY zur Wikinger-Zeit erinnern und die massiven Drums of Doom von Mario Weiß. Doch was “The Course Of Empire” wirklich so groß macht, sind die schlicht und ergreifend perfekten Kompositionen. Keine einzige Sekunde auf diesem Album ist unnötig, keine Länge hat sich eingeschlichen. Highlights auszumachen fällt schwer, wie schon beim Vorgänger wird jeder einzelne Song der große Favorit von jemandem sein, denn alle sieben “richtigen” Songs sind für sich auf ihre jeweils eigene Art überragend.

Der schlicht unfassbar epische Opener, das Hymnische “Lion Of Chaldea”, das dramatische “Chariots”, das introvertierte, doomige “A Secret Byzantium” oder das wunderschöne “Innermost Light”. Und dann sind da noch die beiden letzten Stücke. Für mich persönlich das Beste, was ATLANTEAN KODEX neben der Jahrhunderthymne “Twelve Stars And An Azure Gown” je geschrieben haben. “He Who Walks Behind The Years” ist eine ganz, ganz große, mitreißende Hymne bei der einfach alles stimmt. Die Gesangslinien von Becker sind mitreißend wie nie zuvor und die Gitarrenleads stehen dem in nichts nach, wunderschön und gefühlvoll. Ein Song der mich dazu bringt einfach nur aufspringen, die Faust hochreißen und laut schreien zu wollen. Hit nennt man sowas glaube ich…

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle – ATLANTEAN KODEX bewegen sich auf einem Level mit den großen Klassikern!

Diesem Gefühlshoch folgt mit dem Titelsong ein emotionaler Dämpfer. Deutlicher als mit diesem Song haben sich ATLANTEAN KODEX wohl noch nie zu aktuellem politischen und gesellschaftlichen Geschehen geäußert.

“As gold turns into brown, the autumn of an era
Our clarion Harps fall silent – Twelve Stars are stained in blood
The graves of Mare Nostrum, Mother Europe trembling
And nameless ghosts of guilt haunt sanctuaries forlorn”

Poetischer kann man Europas Schande nicht in Worte fassen. Und ich kann diese Worte nicht hören, nicht lesen, ohne dass mir Tränen in die Augen schießen. Diese Musik dieser Band berührt mich dermaßen tief, reißt mich so sehr mit, baut mich auf, zieht mich runter. Während ich diese Worte schreibe und gleichzeitig “The Course Of Empire” höre ringe ich mit der Fassung. Dieses Album ist so unfassbar groß, diese Band so absolut einzigartig.

Wie schreibt es die Band selber im Booklet: “Anti-modern, anti-urban, anti-fascist epic metal”. Danke für dieses Meisterwerk, ATLANTEAN KODEX! Album des Jahre? Ja, was denn sonst? Albums des Jahrzehnts? Mir fällt kein Album ein, welches “The Course Of Empire” diesen Titel streitig machen könnte, nicht mal sein eigener Vorgänger. Fragt mich in zehn Jahren noch mal aber heute sehe ich dieses Album auf einem Level mit Alben wie “Into Glory Ride” oder “Hammerheart”. Ein moderner Klassiker.

Veröffentlichungsdatum: 13.09.2019

Spielzeit: 62:33

Line Up:
Markus Becker – vocals & choirs
Manuel Trummer – rhythm guitars
Coralie Baier – lead guitars
Florian Kreuzer – bass & choirs
Mario Weiß – drums

Label: Van Records

Bandhomepage: http://www.atlanteankodex.de
Facebook: https://www.facebook.com/Atlantean-Kodex-187524197964771/

ATLANTEAN KODEX „The Curse Of Empire“

1. The Alpha And The Occident (Rising From Atlantean Tombs) – 2:01
2. People Of The Moon (Dawn Of Creation) – 9:01 (Audio bei YouTube)
3. Lion Of Chaldea (The Heroes’ Journey) – 6:45
4. Chariots (Descending From Zagros) – 8:29
5. The Innermost Light (Sensus Fidei) – 3:34
6. A Secret Byzantium (Numbered As Sand And The Stars) – 8:55
7. He Who Walks Behind The Years (Place Of Sounding Drums) – 8:53
8. Spell Of The Western Sea (Among Wolves And Thieves) – 1:27
9. The Course Of Empire (All Thrones in Earth And Heaven) – 10:46
10. Die Welt von gestern (Abendland) – 2:43

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.