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ACE FREHLEY: Spaceman

„Spaceman“ ist ein nettes gleichwohl ein wenig müdes und vor allem ein sehr gut abgehangenes Rockalbum, dem leider die Lockerheit der alten Kiss-Scheiben abgeht. Trotzdem: Ein solides Alterswerk, das Fans erfreuen wird.

Wir erinnern uns: Im September 1978 veröffentlichten die vier Original-Mitglieder der US-Rockband KISS zeitgleich ein Soloalben, jedes trug die ikonische Maske ihres Kiss-Charakters auf dem Frontcover. Als gelungenste dieser vier Platten gilt bis heute die von Gitarrist Ace Frehley, der sich wenig später leise von Kiss verabschiedete und 1982 offiziell ausschied. Mit „Spaceman“ hat der tief gefallene gleichwohl hoch verehrte (und immerhin seit zwölf Jahren glücklich trockene) ACE FREHLEY nun eine neue Platte vorgelegt, die direkt an sein Kiss-Soloalbum anknüpft – und ihn vor allem gesanglich in überraschend guter Form zeigt.

“Spaceman” ist brutal auf retro gebürstet

Die neun Nummern sind brutal auf retro gebürstet. Da ist Licht, aber auch viel Schatten. Nehmen wir zum Beispiel Song Nummer 2, „Rockin With The Boys“, der vom Groove her ein wenig an den Frehley-Hit „Rock Soldiers“ auf der ersten „Frehley’s Comet“ von 1987 erinnert (wo es seinerzeit auch schon hieß „Ace is back and I told you so“ – diese Karriere ist und bleibt ein einziger nicht enden wollender Nostalgietrip). Die Nummer legt lässig los, rotiert aber irgendwann nur noch in der Dauerschleife. Es wirkt immer ein wenig aufdringlich und vor allem formelhaft, wenn der Stadion-Mitsingteil schon präventiv in der Studioversion eingebaut ist, doch auch nach hinten raus kommt hier tatsächlich nichts mehr: Der Refrain wird drölfzig mal wiederholt wird, dann wird schnöde ausgeblendet – das fieseste aller Songenden.

Auch der Rest der Scheibe ist Nostalgie pur: „Off My Back“, „Pursuit Of Rock And Roll“, das autobiographische „Bronx Boy“ – alles erhörte (Fan-)Gebete. Ein Cover von Eddie Moneys „I Wanna Go Back“ und das die Platte abschließende Instrumental „‚Quantum Flux“, dessen Ideen wie die von manch anderer Nummer ebenfalls in die 70er zurückreichen sollen, machen den Sack zu.  

Fun facts: Kiss-Chefzunge Gene Simmons spielt Bass auf dem Album-Opener „Without You I’m Nothing“ und hat „Your Wish Is My Command“ mitkomponiert. Zudem gibt es auf der Platte ein Wiederhören mit Aces langjährigem Schlagzeuger Anton Fig, der auch schon inkognito bei diversen Kiss-Platten mitgewirkt haben soll. Das Booklet der CD lässt sich als Poster ausklappen.

ACE FREHLEY liefert ein gut abgehangenes Rockalbum

„Spaceman“ ist ein nettes gleichwohl ein wenig müdes und vor allem ein sehr gut abgehangenes Rockalbum, dem leider die Lockerheit der alten Kiss-Scheiben abgeht. Was seine ex-Band angeht, trauern nicht wenige Fans der Originalbesetzung nach, und im Gespräch mit anderen Kiss-Aficionados keimt immer wieder die Diskussion auf, wie das wohl gelaufen wäre, wenn die vier zusammengeblieben wären oder wenn Ace und Peter die Band übernommen und weitergeführt hätten. Auch nach dem Genuss von „Spaceman“ kann ich nur sagen: Gene Simmons und Paul Stanley haben alles richtig gemacht.

Trotzdem: Ein solides Alterswerk, das Fans erfreuen wird.

VÖ: 19. Oktober 2018
Label: eOne Music/SPV

ACE FREHLEY „Spaceman“ Tracklist

1. Without You I’m Nothing 4:07
2. Rockin‘ With The Boys 4:15 (Video bei YouTube)
3. Your Wish Is My Command 3:38
4. Bronx Boy 2:51 (Audio bei YouTube)
5. Pursuit Of Rock N‘ Roll 4:32
6. I Wanna Go Back 4:01
7. Mission To Mars 3:39
8. Off My Back 3:37
9. Quantum Flux 6:30