ACE FREHLEY: Space Invader

Ein wirklich gutes Album des einzig wahren KISS-Gitarristen.

Es gab ja mal Zeiten, da konnte man über den Größenwahn und den unglaublichen Geschäftssinn von KISS-Großmaul GENE SIMMONS schmunzeln. Was da die letzten Jahre und auch aktuell abging, wer soll dieses – wie er sich selber ja passend nennt – Asshole und sein Botoxsternchen noch ernst nehmen? Da kommt Ur-KISS Spaceman ACE FREHLEY genau zur rechten Zeit, um nach fünf Jahren ein neues Soloalbum abzufeuern. Der Vorgänger Anomaly konnte mich nicht ganz begeistern, da geht man doch eher vorsichtig ran, immerhin war ACE einer meiner absoluten 70er Gitarrengötter. Dass er nun mit seinem sechsten Soloalbum auch wieder weiter Richtung Spaceman rückt, auch mit dem schicken Cover von Ken Kelly, von dem auch die Cover zu den KISS-Klassikern Destroyer und Love Gun stammten – sicher auch ein kleiner leuchtender Stinkefinger des KISS-Mitgründers in Richtung seiner Ex-Kollegen.

Aber auch musikalisch zeigt der Spaceman, dass er voll dabei ist, frei von großen Drogen- und Alk-Abflügen, er belegt mal eben, warum er so viele Gitarristen beeinflusst hat, warum man bei KISS-Musikern immer noch zuerst an ACE FREHLEY denkt und nicht etwa an Mr. Schlabberzunge. Der Titelsong trumpft gleich mal ordentlich auf, das geht rein, da singt man sofort mit, packt die Luftgitarre aus. Sonderbar, wenn es beim Soloteil abgeht muss ich an frühe IRON MAIDEN denken. Wie beim Rest des Albums gibt es eine Ladung spät-70er/früh 80er Hard Rock, typische ACE-Gitarren, die er so knackig schon lange nicht mehr abgefeuert hat. Gimme A Feeling, simpel, catchy, perfekt für die 80er Rockdisco und auch heute z.B. fürs Autoradio oder die Rockerparty. Herrlich das Solo, so cool, so vertraut – na ja, er spielt es ja fast immer genau so, und dafür lieben ihn seine Fans. Ok, plumpe Rocker wie I Wanna Hold You oder Change bringen einen auf den Boden zurück, Toys hätte dafür auch gut auf eins der letzten KISS-Alben gepasst. What Every Girl Wants klingt nach alten KISS-Tagen, hätte auch auf Love Gun stehen können, auf dem ACE ja kaum was zu melden hatte. Immer wieder tauchen auch Elemente auf, die an ganz frühe Alben denken lassen, als Songs wie Cold Gin, Parasite oder Shock Me Rockgeschichte schrieben. Wer bitte erinnert sich ohne groß nachzudenken an die meist platten, sexistischen Songs von Herrn Simmons? Dass ACE FREHLEY auch fremde Songs beherrscht, das hat er auf dem allerersten Soloalbum ja eindrucksvoll mit HELLO´s New York Groove (geschrieben von RUSS BALLARD) bewiesen, und auch hier hat er mit STEVE MILLER´s The Joker ein gutes Händchen und drückt dem Song seinen Stempel auf. Das fast-Instrumental Starchip ist ganz nett, kann aber die intergalaktische Magie von Fractured Mirror vom 78er Soloalbum, an das Starchip etwas angelehnt ist, nicht ansatzweise transportieren. So hat man auf Space Invader einige echte Hits für die Spaceman-Fans, aber auch weniger zündende Nummern, die von einer echten Enttäuschung aber Lichtjahre entfernt bleiben. Der von ACE FREHLEY selbstgeschmiedete Sound passt perfekt zum Album, klingt weder altbacken noch zu modern. Seine Vocals klingen immer noch recht jugendlich trotz seiner 63 Jahre, das typische Gitarrenspiel wird jeden Fan wieder glücklich machen. Als Saitenmensch geht auch beim Bass der Daumen hoch, auch wenn man deutlich hört, dass ACE als Gitarrist Bass spielt und halt nicht als Bassist. Bei zwei Songs übernimmt diesen Part Chris Wyse (OWL, THE CULT, OZZY OSBOURNE), an den Drums sitzt Matt Starr (BEAUTIFUL CREATURES, BANG TANGO, BURNING RAIN). Die Deluxe-Version enthält noch einen Single-Edit des Titelsongs und eine 10 Sekunden (!) längere explicit Version von Gimme A Feelin´.

ACE FREHLEY– und KISS-Fans wissen, was zu tun ist oder haben es längst getan! Ein wirklich gutes Album des einzig wahren KISS-Gitarristen. Egal wie gut seine Nachfolger waren, es kann nur einen geben! Der wird aber hoffentlich nicht so doof sein, sich auf eine Reunion einzulassen, damit die KISS-Fabrik weiter abkassieren kann. Warum auch, genauso wie jetzt wünschen wir uns unseren Spaceman! Bands, die sich über ihre eigenen Fans und Geldbringer lustig machen braucht echt keiner, dazu gibt es zu viele gute junge Bands und gut gebliebenen der alten Riege!

Veröffentlichungstermin: 15.08.14

Spielzeit: 54 Min.

Line-Up:
Ace Frehley – Vocals, Guitars, Bass
Chris Wyse – Bass (8,12)
Matt Starr – Drums

Produziert von Ace Frehley
Label: Steamhammer/SPV

Homepage: http://www.acefrehley.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/officialacefrehley

Tracklist:
1. Space Invader
2. Gimme A Feelin´
3. I Wanna Hold You
4. Change
5. Toys
6. Immortal Pleasures
7. Inside The Vortex
8. What Every Girl Wants
9. Past The Milky Way
10. Reckless
11. The Joker
12. The Starship