Jahresrückblick 2020 von Frank Damager

Viel Black Metal, viel Gerumpel – aber auch ein Hard Rock Album findet sich im Jahres-Poll 2020 von Frank Kuhnle.

KONVENT  Puritan Masochism

Bereits im Januar erschienen kann dieses Album auch im Dezember immer noch mit seiner wunderbar zähflüssigen Knarzigkeit überzeugen. Auf jeden Fall im nächsten Jahr live anschauen.

 

RIVER OF SOULSUsurper

Gar nicht knarzig, sondern mit Wucht und Epik haben sich die Doomster aus Holland in diese Liste gekämpft, denn ein guter Song ist ein guter Song. Und mit stürmischem Wind und peitschender See erst recht.

 

HEXVESSELKindred

Was für eine Platte – immer noch magisch. Ausserdem haben die Finnen es als einzige geschafft, dass ich mir ein Streaming Konzert komplett anschaue. Setting und Songs sind aber auch einfach perfekt gewählt.

 

BELTEZ – A Grey Chill and a Whisper

Was für eine Urgewalt von Album. Das hier ist Black Metal, der in seiner Wucht, Opulenz und Tiefe an die glorreichen Zeiten von EMPEROR heranreicht, gleichzeitig aber weder musikalisch rückwärtsgewandt noch altbacken erscheint. Als würde „Anthems to the Welkin at Dusk“ heute als neue Platte auf Vendetta Records erscheinen.

Jeder Song strotzt nur so von musikalischen Details, ohne zu fein-ziseliert zu wirken und ohne die rohe Kraft zu verlieren, alles fügt sich ein in einen Rausch aus Blastbeats, flirrenden Gitarren, Atmosphäre und noch mehr Atmosphäre. Die Band hat es geschafft, einem quasi alle traditionellen Black Metal Stilelemente unterzujubeln, und gleichzeitig nicht nur modern zu wirken, sondern modern und progressiv zu SEIN. Dass das ganze dann auch noch mit einem aufwendigen Text- und Artwork-Konzept inkl. Buch daherkommt, ist fast schon zu viel des Guten.

Respekt für die Liebe, die Mühe und Arbeit, die die Kölner in dieses Werk gesteckt haben –  so sieht Kunst aus!

https://beltez.bandcamp.com/album/a-grey-chill-and-a-whisper

 

SUNKEN – Livslede

Ganz und gar modernen Black Metal präsentieren die Dänen auf diesem recht kurzen Werk und ich kann gar nicht mal genau sagen,was mir an dieser Platte so besonders gefällt. Black Metal mit viel Post-Elementen und sogar Alternative-Anklängen. Klingt eigentlich völlig abtörnend. Die Band macht auch gar nicht viel anders als die ganzen Kollegen mit ähnlicher Beschreibung, schafft aber trotzdem, eine bestimmte Tonalität, eine besondere Art von Melancholie zu vermitteln, die bei mir einfach irgendeinen Punkt trifft, der dazu führt, diese Platte immer wieder aufzulegen. Das Ganze ist eben doch mehr als die bloße Summe der einzelnen Teile.

https://sunkendenmark.bandcamp.com/album/livslede

 

ULCERATEStare into Death and Be Still

Steht im Lexikon direkt neben dem Eintrag für „Sperrigkeit“. Es hat schon lange nicht mehr so viel Spaß gemacht sich eine Platte langsam zu erschließen und mit jedem Durchgang mehr zu entdecken und sich weiter in den verschachtelten Kosmos der Neuseeländer hineinziehen zu lassen. Herausfordernde Rhythmik, disharmonische Gitarren, die die Riffs mehr dekonstruieren als spielen, und die chaotisch-fließenden Songstrukturen voller Dynamik –  ganz großer Death Metal.

 

HAIL SPIRIT NOIR – Eden in Reverse

Eine Prog-Perle, wie sie in den späten 70ern/frühen 80ern nicht besser hätte gemacht werden können. Irgendwo im Hintergrund ist die Black-Metal-Herkunft noch spürbar, aber vorne stehen längst die Keyboard-Türme am Bühnenrand, dazu ausladende Song-Strukturen, zu denen der Name „Arrangement“ besser passen würde, klarer, eindringlicher Gesang und die Suche nach der Perfektion in jeder Note. Das ist natürlich nicht sonderlich brutal oder wild, genau genommen nichtmal progressiv, sondern natürlich eher retro, aber einfach auch verdammt gut gemacht. Wer mit ELOY oder JANE was anfangen kann, sollte hier reinhören.

https://agoniarecords.bandcamp.com/album/eden-in-reverse0

 

ENSLAVEDUtgard

Das 15. (!) Album und noch immer zeigt die Band eine Lebendigkeit und kreative Kraft, die ihresgleichen sucht. Alleine das ist schon wert, in jeder Jahres-Bestenliste aufzutauchen. Der Captain hat das in seinem Review völlig richtig beschrieben. Eine wahrhaft große Band!

 

YounA – Zornvlouch

Aus dem Leipziger Kreativ-Pool, dem auch die leider aufgelösten ANTLERS entstiegen sind, kommt ein weiteres Highlight im Bereich Black Metal, das allerdings weniger modern daherkommt, als man das jetzt erwarten würde. Eher Projekt als Band ist auf „Zornvlouch“  vor allem die chaotische und rüde Seite des Black Metal zu hören und das Album bietet auf voller Albumlänge unterproduziertes, rauhes und wildes Geknüppel und Geschrei, ist dabei aber kraftstrotzend und wohltuend. Stilistisch ist die Band eher bei den Nachbarn von CNTMPT anzusiedeln sind, die mit „Nichts ausser Asche“ übrigens ebenfalls eine fantastische EP im letzten Jahr abgeliefert haben.

https://6yo6una6.bandcamp.com/album/zornvlouch

ARSTIDIR LIFSINSSaga á tveim tungum II: Eigi fjǫll né firðir

Man kann sich mit dem textlichen Konzept der Band (die religiösen und gesellschaftlichen Umbrüche in der norwegischen Gesellschaft im 10./11. Jahrhundert) nun beschäftigen oder das ganzen Pagan-Gedöns langweilig und abgedroschen finden, obwohl die wirklich ernsthafte Herangehensweise der Band meilenweit über dem Durchschnitt des normalen Pagan-Musikanten-Stadels steht und eine ernsthafte Auseinandersetzung sich durchaus lohnt –  all das ändert nichts daran, dass die Musik gerade auf dieser Platte wirklich fantastischer, musikalisch dichter und anspruchsvoller Black Metal  ist und auch dann genauso gut wäre, wenn sich das Text-Konzept um amerikanische Muscle-Cars der frühen 70er drehen würde.

WYTCH HAZEL – III: Pentecost

Ok, die penetrant christlichen Texte sind teilweise schon schwer erträglich, aber man kann lernen es zu ignorieren, denn sie Musik ist es wert. Richtig guter altmodischer Hardrock, mit viel Dynamik, tollen Gitarren-Melodien, zerbrechlich-melancholischem Gesang und einem Füllhorn von Ohrwürmern, die auch der Teufel nicht einschmeichelnder hätte schreiben können. Das Ganze gepaart mit einer klaren, authentischen und sehr warmen Produktion, abzüglich der Texte,  ergibt dann in Summe immer noch eine tolle Platte. Kollege Andi Dollinger hat die Briten mit Ashbury´s “Endless Skies“  verglichen, was ich absolut unterschreiben kann.

https://wytchhazel.com/album/iii-pentecost

Da muss man jetzt wirklich nicht lange überlegen….

Alle, die nächstes Jahr stattfinden werden! Die Leute werden wieder Lust haben auf Gigs in kleinen Läden, auf Underground-Bands, werden in Scharen auf lokalen Konzerten auflaufen, werden Merch und Demos kaufen, aufmerksam zuhören und alles würdigen oder gar abfeiern…..oder läuft es vielleicht doch wieder auf das alte Spiel hinaus: beim Opener konsequent rausgehen ohne wenigstens ein Lied gehört zu haben, danach mürrisch mit verschränkten Armen in der Gegend rumstehen, Sachen sagen wie “das haben XY schon in den 90ern besser gemacht”, und, klar, alle wollen natürlich “die lokale Szene supporten”, aber Gästeliste muss dann schon sein, weil  6€ Eintritt für 4 Bands “ist ja schon ein bißchen viel”, nur um dann ohne mit der Wimper zu zucken 150€ für Maiden und Priest zu bezahlen.Wir werden sehen…

Homeoffice funktioniert!

Kommt erst im nächsten Jahr, wenn keiner was aus diesem Jahr gelernt hat.

Borussia Mönchengladbach überwintert in der Champions League….ÜBERWINTERT!!…IN DER CHAMPIONS LEAGUE!! Und das sogar noch verdient….Wahnsinn.