SACRED STEEL Releaseparty mit Dark at Dawn, Destillery und Solemnity, 26.05.00, Stuttgart Röhre

SACRED STEEL Releaseparty mit Dark at Dawn, Destillery und Solemnity, 26.05.00, Stuttgart Röhre

Ja, endlich mal wieder eine SACRED STEEL-Releaseparty! Auch wenn das letzte Ereignis dieser Art schon eine ganze Weile her ist, sind die Erinnerungen an diesen Abend noch recht frisch, zumal die Releaseparty zu Wargods of Metal im Ludwigsburger Scala für mich nach wie vor zu einer der coolsten Live-Erlebnissen zählt. Und schon beim Betreten der Röhre in Stuttgart an diesem Freitag Abend konnte man spüren, dass nicht dieselbe Euphorie herrschte, wie vor ca. 2 Jahren. Es befanden sich etwa 250 Leute in der Röhre und als die erste Band des Abends, SOLEMNITY, die Bühne betrat, herrschte eine recht verhaltene Stimmung vor der Bühne.

SOLEMNITY selbst waren sicher kein schlechter Opener für diesen Abend, wirklich überzeugen konnten sie aber die wenigsten im Publikum. Die Band bot Metal ohne jegliche Trendanbiederung, dem es aber zumindest live an der nötigen Reife fehlte. Hinzu kam, dass sich SOLEMNITY mit ihrem Auftritt durch die gesamte Geschichte der Metal-Horror-Show (der Begriff kommt von der Band selbst) klaute. Das Bühnenbild war dem von GODDESS OF DESIRE nicht unähnlich, das Feuer-Schwert schwang auch schon David DeFeis und den Henker mit der Axt mimt LIZZY BORDEN um Klassen besser! Der Sänger der Band wirkte mit seinem ständigen Zungengewackel und seinem Rock-Star-Gepose einfach nicht echt, zumal ihm eine für solche Shows lebensnotwenige Ausstrahlung komplett fehlte. Der Höhepunkt an Lächerlichkeit war jedoch das mitgebrachte Schnitzel, dass mit einer Axt bearbeitet wurde, bis es dann endlich runterfiel. Zum Glück legte sich schnell ein Nebel der gezündeten Pyros über das Schauspiel. Die Musik selbst zu beurteilen fällt mir ziemlich schwer, da wirklich gar nichts hängen blieb, bis auf eine kleine Ausnahme: dem Refrain von Walpurgis Night. Zu dumm, dass ausgerechnet dieser Part der Bridge von HELLOWEEN´s Eagle fly free entliehen wurde…

Im Vergleich zu dem Rock-Star-Gehabe von SOLEMNITY waren DARK AT DAWN mit ihrer natürlichen und ehrlichen Art dann eine wahre Wohltat. Ich geb ja zu, dass die Band für mich an diesem Abend von Anfang an Bonuspunkte hatte und ich mich vor allem auf den Auftritt der Harzer gefreut hatte, aber angesichts der Publikumsreaktionen scheine ich nicht der einzige gewesen zu sein, der sich für diese Band begeistern konnte (auch wenn sich das Publikum vorne seltsamerweise immer mehr leerte). Die Band bot einen starken Set, bei dem es keinen einzigen Lückenfüller gab. Erstaunlich, wie sicher und erfahren DARK AT DAWN das Material von Baneful Skies in die Menge schmetterte. Man merkt einfach, dass die Musik vom Herzen kommt und jeder in der Band total hinter der Musik steht, egal ob bei ruhigeren Songs wie Silva Mea oder schnelleren Stücken wie On the Darkest Day.

Und selbst ein Stück wie Baneful Skies bringt die Band live genauso mächtig rüber, wie auf Platte. Mit Blink of an Eye und Isle of the Smile gab´s gleich zwei neue Songs, von denen vor allem letzterer durch seine großartige und gewohnt abwechslungsreiche Gitarrenarbeit begeistern konnte. Lediglich die kurzen progressiven Einsprengsel wirken etwas eingeflickt und nehmen dem Song etwas an Fluss. Und wenn wir gerade über gute Gitarrenarbeit sprechen: Don´t pay the Ferryman ist live das absolute Brett! Abgesehen von einer etwas zu lang geratenen Ansage zur Geschichte des Songs Silva Mea war der Auftritt von DARK AT DAWN absolut überzeugend und ich denke, dass man von dieser Band noch einiges erwarten kann. Wir sind jedenfalls sehr gespannt auf deren Opener Gig beim Wacken Open Air!

Die Umbaupause war angenehm kurz, sodass schon wenig später DESTILLERY auf den Brettern erschienen. Und sie hatten es nicht gerade leicht, das Stimmungslevel von Dark At Dawn zu halten. Die ersten Songs der Show knallten zwar schon ganz gut, doch fehlte anscheinend nicht nur mir die Power im Set, was sich durch die schwindende Zuschauerschar vor der Bühne bemerkbar machte. Da half auch das aktive Acting von Sänger Florian nicht viel, die Band kam an diesem Abend einfach nicht richtig gut rüber. Musikalisch bieten Destillery ja durchaus solides Metalhandwerk – nur was mir bei dieser Band immer wieder aufstösst, sind die nicht überhörbaren Anleihen an Iron Maiden. Nicht nur, dass Sänger Florian stark an den guten alten Bruce erinnert – das wäre ja auch nicht sonderlich schlimm, wenn sich die Band nicht auch noch kräftig an den Songs der britischen Kollegen bedienen würde. Besonders krass zu hören ist das bei einem Song des neuen Albums Behind The Mask (wenn ich mich recht erinnere im Song Decades Of Execution), wo fast der komplette Schlussteil von Maidens To Tame A Land übernommen wird. Alles in allem ging der Gig zwar schon in Ordnung, richtig überzeugen konnten die Jungs an diesem Abend allerdings nicht.

Was SACRED STEEL betrifft, so stellt sich die Frage, ob sich die Band damit einen Gefallen getan hat, gleich 3 Vorbands an diesem Abend antreten zu lassen. Zum einen schien das Publikum schon recht ausgepowert, als die Schwaben die Bühne betraten und zum anderen fiel der Auftritt von SACRED STEEL in eine Zeit, in der sich die Röhre für gewöhnlich wegen der letzten S-Bahn leert. Und diese Umstände spürte man doch deutlich, je mehr sich der Auftritt dem Ende zuneigte. Dennoch, es fanden sich noch genügend Fans vor der Bühne ein, wobei besonders die ersten paar Reihen die Band abzufeiern wussten. Musikalisch legten SACRED STEEL den Schwerpunkt auf Wargods of Metal und dem neuen Album Bloodlust, doch auch Live-Klassiker wie Sword of the Kings oder Metal Reigns Supreme vom Debütalbum fanden ihren Platz im Set. Dass das Album Bloodlust erst ein paar Tage zuvor in den Läden erhältlich war, tat der Stimmung keinen Abbruch. Anscheinend gab es keinen einzigen im Saal, der das Album nicht schon in- und auswendig kannte.



Besonders geil war jedoch, dass SACRED STEEL die Songs live noch um eine ganze Ecke härter rüberbrachten, als auf Platte. Besonders Blood on my Steel walzt in seiner Live-Version alles nieder. Zudem merkt man der Band deutlich an, dass sie sich inzwischen zu einer souveränen und tighten Live-Band entwickelt hat, auch wenn es mal den ein oder anderen Patzer im Zusammenspiel gab. Gerrit Mutz weiß besser denn je, wie er die Menge in den Griff bekommt und wirkt vor allem um einiges natürlicher, als es zu Beginn von SACRED STEEL der Fall war. Besonders cool: die ich-sing-jetzt-einfach-nicht-weiter-sondern-ex-lieber-mein-geschenktes-Bier-Einlage! Auch die Flagge, die Sacred Steel von Fans geschenkt bekamen, erhielt einen würdigen Auftritt während der Show.



Doch schon als der erste Teil der Show vorbei war, merkte man, dass das Publikum nicht mehr zu allzu lauten Zugabe-Rufen fähig war. Da musste auch Jörg Knittel (ich glaub der war´s – in dem Nebel, den die vielen Pyros verursachten, konnte man ja nix mehr erkennen) erstmal nachfragen, ob die Leute denn nun wirklich überhaupt noch etwas hören wollten. Die Antwort fiel dann wieder deutlicher aus und mit Heavy Metal to the End wurde ein einwandfreier Auftritt zu Ende gebracht.

Insgesamt konnte die Release-Party mit der letzten nicht mithalten, die einmalige Stimmung aus Ludwigsburg konnte nicht ein weiteres Mal erzeugt werden. Dennoch ein guter Konzertabend, der leider einen nicht ganz so schönen Abschluss fand. Während der kleinen Party im Foyer der Röhre nach dem Auftritt meinte ein betrunkener Metalhead, der sich nicht mehr ganz so im Griff zu haben schien, sich mit Schlagzeuger Matze anlegen zu müssen und dass er sich mit den Fäusten wohl besser ausdrücken könne, als mit dem Geblöke, dass er von sich gab. Einige Metaller scheinen mit aller Gewalt das Klischee des dumpfen, besoffenen und schlägernden Langhaarigen am Leben erhalten zu wollen…traurig.

Fierce & boxhamster, Fotos: boxhamster

Markus
Markus ("boxhamster") hat das Magazin 1999 gegründet und kümmert sich um die Technik und die Weiterentwicklung von vampster, schreibt ab und zu Reviews und fotografiert bei Festivals und Konzerten.