IDES OF GEMINI am 30. September 2012 im K4, Nürnberg

Sinnlich und ätherisch – IDES OF GEMINI versprühen im spärlich besuchten K4 die Magie des Klangs.

Eigentlich ist das alles ja Wahnsinn. Wahnsinn, am Sonntagabend die gut 160 Kilometer nach Nürnberg zu fahren, wo man doch am Montag wieder arbeiten soll. Wahnsinn seitens der Veranstalter, eine unbekannte Band wie IDES OF GEMINI an einem Sonntagabend ohne eine – in diesem Fall greift das Wort Support wirklich – weitere Formation zur Unterstützung auf die Menschheit los zu lassen. Gut zwanzig Leute finden sich vor der Bühne des K4, um IDES OF GEMINI eine Chance zu geben, mit einem lokalen Gassenhauer hätten sich vielleicht noch 20 weitere zum Erscheinen motivieren lassen. Aber gut, Constantinople, das Debütalbum des Trios ist voller Mystik, Abstraktion und doch einer sanften Zugänglichkeit – das sollen gar nicht so viele Leute kennen, sie würden es eh nicht verstehen. Live verhält sich das ähnlich wie auf Platte, das Album ist sehr erdig und rau produziert und das schlägt sich auf den Auftritt nieder.

Es ist kurz nach halb zehn, das Herz blüht auf. So wenig Allüren, so viel Dankbarkeit, dass wenigstens ein paar Leute anwesend sind. Trotz dieser Bodenständigkeit zeigen IDES OF GEMINI ihre sinnliche Seite. Das liegt natürlich an Bassistin Sera Timms, die mit ihrer geisterhaften Stimme die Musik anführt, und auch Schlagzeugerin Kelly Johnston, die neben ihrem Spiel auch hier und da ins Mikro haucht. Auch wenn die Musik ein wenig grob und sehr reduziert wirkt, oder gerade deswegen sind IDES OF GEMINI so entweltlicht. Es ist ein einziger Schwebezustand, der mit relativ einfachen Mitteln – schwerfällige Riffs und Grooves, sowie pulsierende Basslinien – erzeugt werden. Die Songs des Debütalbums Constantinople scheinen wie gemacht zu sein, für diesen kleinen, spärlich besuchten Club, man verliert sich in Raum und Klang.

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Geisterhafte Stimme zu sinnlich-simplen Riffs: Sera Timms zieht das spärliche Publikum in ihren Bann.

Ich kann es vollkommen verstehen, wenn jemand IDES OF GEMINI nichts abgewinnen kann, wenn die Grooves zu wenig raffiniert wirken und die Riffs zu karg sind. Aber bei IDES OF GEMINI, und das muss man anerkennen, schlummert Seele in der Musik, etwas Tiefes, Reines, nur schwer Ergründliches. Das kommt bei dem unsagbar schönen Starless Midnight natürlich am Besten heraus, auch Resurrectionists, One To Oneness, Reaping Golden und besonders Constantinople, das nur auf der Split mit VERMAPYRE zu hören ist, begeistern. Ein paar Unsicherheiten gibt es bei dem neuen Stück Spectral Queen, bei dem ausgerechnet noch Probleme mit den Monitoren für ein wenig Unruhe sorgen, der Rest des Sets ist dann wieder ätherisch, sinnlich, irgendwie überirdisch. Eine knappe Stunde spielen IDES OF GEMINI bei recht gutem Sound und sind so unaufdringlich wie man es bei dieser Musik nur irgendwie sein kann. Obwohl noch Luft nach oben ist – wir dürfen nicht vergessen, dass sich IDES OF GEMINI auf ihrer ersten Tour überhaupt befinden – ist das ein Auftritt, der unter die Haut geht, der stellenweise für Gänsehaut am ganzen Körper sorgt. Jetzt heißt es schnell das nächste Album und die nächste Tour nachlegen. Ich habe Blut geleckt, und ich hoffe IDES OF GEMINI auch.

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Wie in ihrer eigenen Welt: IDES OF GEMINI versinken in ihrer Musik. Hier: Kelly Johnston.

Setlist IDES OF GEMINI:
Slain In Spirit
Starless Midnight
Resurrectionists
The Vessel And The Stake
One To Oneness
Constantinople
Martyrium
Reaping Golden
Spectral Queen
Austrian Windows

Old Believer

Fotos: (c) Christoph Ziegltrum. Weitere Bilder findest du in unserer Gallerie: https://vampster.com/fotos/ides-of-gemini-am-30-september-2012-im-k4-nurnberg/