AETERNUS, RED HARVEST, 1349 am 11.11.2003 im Bad Bonn, CH-Düdingen

Nieten, Nebel, Narrenzeit: Eindrücke einer schwarzmetallischen Alternativveranstaltung.

Eigentlich sind ab dem 11.11. ja die Narren los. Doch auch gar nicht „närrische“ Dinge geschehen am 11.11., man muss nur weit genug fahren. In Gebiete, wo der Nebel die Szenerie beherrscht, so sehr, dass sogar Kühe fehlen. Nur blanke Felder und Wälder, eine schmale Strasse. Das Verschwinden des Mittelstreifens deutet darauf hin, dass man der Kultstätte schon sehr nahe ist: verschwommene Lichter, ein kleines Haus: das Bad Bonn ist erreicht. Klein, gemütlich, unscheinbar, und doch in der Vergangenheit bereits Konzertschauplatz von Bands wie CRADLE OF FILTH, DARK FUNERAL, DISSECTION oder ENSLAVED.

Der Auftakt des Abends wird von 1349 bestritten, die mit „Liberation“ wohl das überraschendste Schwarzmetall-Album des Jahres 2003 abgeliefert haben. Stilgerechtes Feuerspuken eröffnet ihr Set, der Raum ist erfüllt von Flugpisten-Geruch (und wird es auch noch für ein Weilchen bleiben). Obschon der Gitarrensound nicht so beissend ausgefallen ist wie auf dem Album, machen 1349 mit den ersten Tönen bereits klar, dass die „Liberation“-Ausgeburt nur von ihnen stammen kann. Frost (u.a. SATYRICON) besticht mit exquisitem Schlagzeugspiel, die Riffwechsel sind innovativ-avantgardistisch, nie um eine Disharmonie verlegen und abgrundtief fies (man denke beispielsweise an DARKTHRONE). Neben ihren eigenen Songs „Manifest“, „I breathe spears“ oder „Riders of the Apocalypse“ gaben 1349 auch das SLAYER-Cover „Haunting the Chapel“ zum Besten.

Ausserdem wurde mit „Singer of Strange Songs“ sogleich die Ankündigung eines neuen Albums untermalt—ab Dezember 2003 wird dies auch im Studio realisiert. Als Zugabe boten 1349 noch MAYHEMs „Buried by Time and Dust“.

Nach der 1349-Raserei hatten RED HARVEST einen mehr als schweren Stand. Obschon sie bereits vor drei Jahren mit MAYHEM und AETERNUS in der Schweiz gespielt hatten, schien das Interesse des Publikums noch immer zu sehr von 1349 zerstreut. Die kalte industrielle Atmosphäre von RED HARVEST war dagegen ein krasser Wechsel, nicht nur auf die Geschwindigkeit bezogen.

Trackliste RED HARVEST:

Omnipotent

Sick Transit

Cybernaut

Fall of Fate

GodTech

Cold Dark Matte

Jun-O-Rama

A.E.P.

Beyond the End

Die Zugabe „Absolute Dunkelheit“ porträtierte die Elektro-/Industrial-angereicherte Metal-Mischung von RED HARVEST schliesslich auf besonders beklemmende Art und Weise.

Als AETERNUS die Bühne betraten, wurde es schliesslich eng im Zuschauerraum. Ihre eigenwillige „Dark Metal“-Definition wurde mittels ausgedehnter Songs (u.a. „Ascension of Terror“) astrein präsentiert, allerdings wurde bei der Auswahl mehrheitlich neueres Material berücksichtigt. Als Nachfolger Morrigans amtete V’Gandr (HELHEIM) am Bass und steuerte auch einige Backing-Vocals bei, wobei er vollends überzeugte. Die Performance unterschied sich trotz diesem „Neuzugang“ kaum von vergangenen AETERNUS-Auftritten, das Niveau der Düsterheit wurde beibehalten und auf Schnickschnack wird weiterhin verzichtet (was sich nicht nur durch Ares‘ schlichtes Bühnenoutfit bestätigte).

Insgesamt also ein durchaus abwechslungsreiches und vielschichtiges Konzertpaket. Da vergisst man auch gerne, dass man noch zwei Stunden Heimweg durch die Nebelsuppe vor sich hat, und froh ist über jedes Auto, das man nicht antrifft.