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DARKTHRONE: Too much black, not enough metal

DARKTHRONE: Too much black, not enough metal

 

Keine Frage, Fenriz ist eine Legende. Dies ist nicht nur auf seine musikalischen Aktivitäten zurückzuführen, sondern auch auf zahlreiche Mythen und Legenden, die sich um den DARKTHRONE-Schlagzeuger und Texter ranken. So gäbe es auch ohne das neue Werk Dark Thrones and Black Flags, das sich – wie zu erwarten war – in den Qualitätsreigen norwegischen Black Metals einreiht, genügend Stoff für ein Interview mit dem sympathischen Extrem-Wandervogel. Dieser scheint sich indes nicht dauernd im Wald aufzuhalten, sondern stellt lieber noch rasch den Rekord auf in Sachen schnellste Beantwortung eines E-mail Interviews mit mehr als zehn Fragen. Überraschungen scheinen bei Fenriz einfach immer inbegriffen zu sein…

Erstmal danke für Dark Thrones and Black Flags, starkes Album! Der Titel ist dieses Mal ja reichlich kryptisch ausgefallen und ich hätte gerne eine Erklärung zu den black flags. Haben diese eine symbolische Verbindung zur Anarchie? Falls ja, was hältst du von Anarchie?

Der Titel lässt sich am besten als PURE ATTITUDE erklären.

Ich denke ich bin ein Musikexperte, kein Politikexperte. Bezüglich Szenepolitik war ich zuerst normal, als die Genres sich vermischten (vor allem von 1984-1987). Als die Szenen sich veränderten, wurde ich automatisch zum Dissidenten gegen meinen eigenen Willen. Und es ist seither nur immer schlimmer geworden. Vor allem seit 1989 geht es bergab wegen dem modernen Metalsound mit diesen getriggerten Scheißdrums und all dem. Also ist der Kampf aktueller denn je. Und diesen thematisiere ich jetzt in meinen Songs.

Lies zum Beispiel Fanzines wie MORBID TALES aus Kanada und du wirst sehen, wieviele Leute es aus MEINER Metalwelt gibt.

 DarkthroneInterview2008FenrizvonPeaceville
 36 Wanderungen in einer Saison: Fenriz

Zu deiner Welt gehört ja auch das Wandern, was durch den Titel Hiking Metal Punks mehr als offensichtlich wird. Hörst du dir eigentlich Musik an beim Wandern oder genießt du die Stille der norwegischen Natur?

Nein, ich mag es, Bier dabeizuhaben und meinen Mp3-Player. Ich höre mir verschiedenste Dinge an, aber sehr oft Hammerheart und Twilight of the Gods von BATHORY, natürlich.

In dieser Saison (April bis September) habe ich einen neuen Wanderrekord aufgestellt, 36 Trips. Außerdem kann man hier praktisch überall zelten, man braucht keine Erlaubnis. Ich lebe also meinen Traum hier in den 1560 Quadratkilometern Wald rund um Oslo.

Hiking Metal Punks wird oft als Viking Metal Punks gelesen, weil Vikings ein Wort ist, das dank der blühenden Pagan Metalszene überall auftaucht. Mit deinem Projekt ISENGARD hast du ja auch mal in diesem Genre mitgemischt. Was sind deine Gedanken zu Wikingern? Und was denkst du über den momentanen Pagan / Viking Metal-Boom?

Ich habe nicht in einem Genre mitgemischt. Als ISENGARD begann, gab es KEINEN Folk Metal, und der sogenannte Pagan Metal war ebenfalls weit entfernte Zukunftsmusik.

Ich habe Hiking Metal Punks nie falsch geschrieben gesehen. Aber ich bin auch nicht in den kläglichen Gefilden der Internetforen unterwegs, haha.

Der einzige Sinn darin, dass Quorthon Viking Metal machte anno 1989 – 1991 und später wieder, war der, dass es NIEMAND gemacht hat und es AUSSERORDENTLICH originell war. Ich habe außer seinen Werken nur ein Viking Metal-Album gehört, das wertvoll ist: Headcult von MORRIGAN.

Da ich ISENGARD sehr schätze: Wird es jemals eine Rückkehr dieses großartigen Projekts geben? Oder ist es für immer tot?

Sag niemals nie.

Um grad in der Vergangenheit zu bleiben. Du hast ja im Rahmen von Transilvanian Hunger mit Kristian Varg Vikernes (BURZUM) zusammengearbeitet, der dafür Lyrics geschrieben hat. Wie kam diese Zusammenarbeit überhaupt zustande damals?

Varg war in unserer Szene, wozu auch MAYHEM, IMMORTAL, ENSLAVED, EMPEROR, STIGMA DIABOLICUM und so weiter gehörten. Als er verhaftet wurde, ließ ich ihn Lyrics schreiben, um mit der Außenwelt zu kommunizieren, WENN ES DAS WAR, WAS ER WOLLTE. Also hat er Lyrics geschrieben.

 DARKTHRONEdarkthronesandblackflagscover
 Mr Necro mag NOCTURNAL

Kommen wir zurück zur Gegenwart. Das Cover von Dark Thrones and Black Flags hat wieder diese coole, nekrokvltige Figur drauf, welche auch auf dem F.O.A.D.-Cover war. Entscheidet ihr euch eigentlich spontan für ein Artwork nachdem die Musik geschrieben worden ist?

Das ist bei jedem Album anders. Auf jeden Fall ist es so, dass ich von 1996 bis 2005 nichts mit den Covern zu tun hatte. Um ehrlich zu sein: In dieser Zeit war ich einfach VISUELL NICHT INTERESSIERT.

Bei F.O.A.D. wollte ich sehen, was Dennis Dread zeichnen kann, nachdem Ted (Nocturno Culto) ihn mir empfohlen hatte. Wir gaben ihm einfach einen kleinen Hinweis. Ich bin KEIN kontrollierender Künstler. Dasselbe haben wir auch für Dark Thrones and Black Flags gemacht. Es ist sehr aufregend zu sehen, was dann als fixfertiges Resultat zu uns kommt. Wir sind diesbezüglich keine Kontrollfreaks und wir sind auch keine Kontrollfreaks beim Aufnehmen unserer Musik, haha!

Und wie viele DARKTHRONE-Alben werden ein ähnliches Cover haben?

Ich würde gerne ähnliche Cover für eine lange Zeit haben, aber man kann solche Dinge nie planen. Que sera sera, whatever will be, will be…

Das Wichtigste allerdings ist, dass Mr. Necros Jacke immer ein Patch einer Band hat, die wir supporten. Das letzte Mal war es DEATHHAMMER, dieses Mal ist es NOCTURNAL.

Auf dem Cover hat es ja auch eine heiße Frau drauf. Was ist deine Meinung zu Frauen in der Black Metal-Szene?

Dazu habe ich keine Meinung.

Allerdings kommen Frauen ja in Witch Ghetto vor. In diesem Song hat es eine spezielle Zeile: Black metal is unreal. Inwiefern ist es irreal? Und was ist real?

Das musst du selber rausfinden. Es ist eine typische Zeile, über die die Leute selber nachdenken sollen. Alle meine Lyrics sind so. Ich diskutiere sie nie. Und ich würde auch nie Tom G. Warrior über CELTIC FROST– oder HELLHAMMER-Lyrics befragen wollen.

 DARKTHRONEfenrizundnocturnoculto2008peaceville
Keine Diskussion – und es funktioniert.

Was bei dir auf jeden Fall anders ist, ist die Bereitschaft, sowohl Norwegisch, als auch Englisch für deine Texte zu benutzen. Ich glaube, du hast mal gesagt, Arabisch wäre die perfekte Sprache für Black Metal-Lyrics. Was beeinflusst dich bei der Sprachwahl für die Texte? Und inwiefern diskutierst du deine Wahl mit Nocturno Culto?

Keine Diskussion. Wir diskutieren fast nie etwas in DARKTHRONE. Seit 1991 schreiben wir unsere eigenen Songs und so. Und das ist absolut wahr.

Ich improvisiere. Ich schreibe meine Lyrics frei, holistisch – wie auch immer. Aber ich mag es, über unsere heutige Metalwelt zu singen, Szenepolitik. Auch inspiriert von MIKE JUDGE. JUDGE!!

Es hat zwar keine deutschen Lyrids auf dem Album, aber dafür den Song Hanging out in Haiger. Was ist am deutschen Städtchen Haiger speziell? Und was magst du am meisten an Deutschland?

Am meisten mag ich an Deutschland all die Urlaube, die ich in Travemünde zwischen 1982 und 1987 hatte. Es war DIE BESTE KINDHEIT!

In Haiger habe ich meine Freunde von OLD besucht und es war spitze! Großartig! Abgesehen vom Rumreisen wünschte ich, sie wären meine Nachbaren im realen Leben (Real Life, übrigens ein gutes Album von MAGAZINE).

In letzter Zeit warst du ja auch ziemlich präsent im deutschen Magazin ROCK HARD. Denkst du über eine zweite Karriere als Musikjournalist nach?

Yeah, wenn meine Band Scheiße wäre, vielleicht. Dann würde ich das machen, was DANKO JONES tut – einfach auf meine Art und Weise. Aber ich ziehe es vor, die extrem ehrlichen Musikblogs auf unserer offiziellen DARKTHRONE-Myspace-Site zu machen, danke.

Ich habe für sooooo viele Magazine geschrieben, aber es ermüdet mich, wenn sie wollen, dass ich regelmäßig Kolumnen schreibe. Ich habe nur eine limitierte Zeit in meinem Leben!

 DARKTHRONEfenriz2008vonpeaceville
 Glas recyceln mit DIO – Fenriz

Trotzdem gibts du ja fleißig Musikempfehlungen, vor allem wenn es um ältere Bands geht. Was ist deine Tagesempfehlung?

Heute? Es muss was sein, was ich heute angehört habe. Ich war gerade in einem Laden, um das Glas zu recyceln. Flaschen recyceln, in meinem Mund etwas Kautabak und dazu hörte ich mir The last in line mit DIO an. Das höre ich mir sehr viele Male pro Jahr an. Außerdem haben mir die Jungs von NEKROMANTHEON eine spezielle POSSESSED-CD gegeben. Es ist nicht das Übliche von POSSESSED, sondern eine Aufnahme aus dem Jahr 1971. Das ist meine Empfehlung. Vielleicht war der Titel Exploration, aber ich weiß es jetzt grad nicht mehr.

Du hast die Band ja vorher schon erwähnt: Was sind deine Gedanken zum Ende von CELTIC FROST? Hat die Reunion überhaupt Sinn gemacht?

Ich habe keine Gedanken dazu. Ich kenne weder sie noch ihre Situation. Alles was ich weiß ist, dass mich CELTIC FROST inspirieren, seit ich angefangen habe, Musik zu machen anno 1986-1987. Sie vermischten Punk und Metal-Riffs auf eine ganz einzigartige Art und Weise. Später verstand ich auch HELLHAMMER und verehre diesen Sound seit 1989.

Trotz deiner Verehrung für HELLHAMMER: Welches ist dein Lieblingsalbum von CELTIC FROST?

Meine Lieblingsalben von CELTIC FROST sind Morbid Tales, Emperor`s Return und TO MEGA THERION. Letzteres ist wohl das beste Metalpunk-Album, das es gibt. Ich mag auch Into the Pandemonium. Es scheint, als ob Tom G. Warrior auch den Kosmos-Ausblick mag, so wie ich es während meiner gesamten Kindheit tat. Es ist merkwürdig, wenn man sich NICHT für das Universum interessiert, sofern man über der Hungergrenze ist.

Viele interessieren sich statt für das Universum mehr dafür, was in der virtuellen Welt geschieht. Was ist deine Meinung zu neuen Communities wie Facebook oder Myspace?

Ich habe keine Zeit für Facebook. Ich habe gehört, dass jemand eine Tributepage für mich gemacht hat dort, aber ich habe noch nie nachgeschaut. Das Gleiche gilt für Myspace. Es gibt viele Schwindler dort. Darum ist unsere offizielle DARKTHRONE-Page die EINZIGE Webpage, die echt ist und die ich unterhalte (mit der Hilfe von Christine C und Elin N). Ich beantworte die meisten direkten Fragen, auf Comments reagiere ich hingegen nicht, dafür habe ich keine Zeit. Die offizielle Myspace DARKTHRONE-Page ist der Ort, wo man wahre Informationen über uns findet und noch viel mehr. Außerdem kann man die großartigen Bands auschecken, die in der Top Friends-Liste sind und die in meinen Blogs erwähnt werden.

Außerdem hat Myspace den Vorteil, dass man sich nicht mit Scheißmusik beschäftigen muss. Wenn dich etwas langweilt, klickst du einfach weg und wählst einen anderen Weg. Zudem kann man auf Myspace ein besserer Freak sein, sogar wenn man sich für Musik aus den 80ern und 70ern interessiert (so wie ich), oder die 60er oder sonst was gut findet, was man gewählt hat.

 DARKTHRONEinaltenZeitenvonPeaceville
Ich vermisse am meisten, dass es damals KEINE Internetforen gab für rotznasige Heulsusen. – Nostalgie à la Fenriz

In deinen frühen Zeiten war das Internet ja noch kein Massenmedium. Was vermisst du am meisten aus den alten Zeiten?

Ich vermisse am meisten, dass es damals KEINE Internetforen gab für rotznasige Heulsusen. Wenn jemand eine starke Meinung hatte, dann musste er wirklich etwas machen, tatsächlich eine Band starten, um etwas zu sagen. Das führte zu einer STARKEN Generation von 80er-Freaks. Ich habe ABSOLUT NICHTS gemeinsam mit Leuten, die nach 1989 zum Metal kamen.

Ist das Internet eine positive oder eine negative Kraft für den Black Metal?

Man muss das Leben bewältigen.

Du hast ja vorher schon angemerkt, dass du auch von der Musik der 70er Jahre angefressen bist. Soweit ich weiß, gehören auch URIAH HEEP zu deinen Favoriten. Aber welche Band hat den ursprünglich dein Interesse für Metal und die extremeren Formen davon geweckt?

Es war immer da. Seit ich den Song Waiting for the sun von den THE DOORS gehört habe. Ich habe die Platte 1973 bekommen, als ich zwei Jahre alt war.

Danach waren es dann URIAH HEEP, STEPPENWOLF, GRAND FUNK, PINK FLOYD, KISS, AC/DC, BLACK SABBATH, IRON MAIDEN und DIO (ich liebe The last in line und einer meiner absoluten Lieblingsdrummer ist Vinnie Appice). Später dann METALLICA, SLAYER und so weiter.

Es ist ja kein Geheimnis, dass du auch als DJ mit anderen Stilpräferenzen arbeitest. Nun gibt es aber den Mythos, dass du mal mit pinken Leggins ins Osloer ELM STREET einmarschiert bist, um die Black Metal Touristenkiddies zu irritieren. Ist das eine Legende oder ist es wahr?

Ich glaube, die Leggins dürften purpurrot gewesen sein.

Haha. Welche Art von Musik legst du eigentlich auf, wenn du als DJ unterwegs bist?

Ich habe schon alles gespielt von 50er Calypso bis REPULSION. Ich habe einen vielseitigen Geschmack und ich mag mindestens 150 Stilarten beziehungsweise Subgenres. Aber ich lehne die meisten DJ-Anfragen ab, weil ich Menschenmengen mehr und mehr nicht leiden kann. Ich ziehe es vor, nur für enge Freunde aufzulegen.

Außerdem lege ich kein Vinyl mehr auf, weil die Platten so leicht kaputtgehen können. Also arbeite ich mit CDs, man braucht CDs. Computer-DJs hingegen sind das Schlimmste.

 DARKTHRONEInterview2008vonPeaceville
Weit und breit keine Menschenmenge – Leben à la DARKTHRONE

Viele vergleichen einen DJ-Auftritt ja mit einem Gig. Und mit DARKTHRONE spielt ihr ja nicht mehr live. Warum willst du keine Konzerte geben?

Ich könnte zehn Bücher darüber schreiben.

Ich mag es nicht zu warten.
Ich mag es nicht zu reisen.
Ich mag es nicht, zu performen oder ein Instrument zu spielen.
Ich mag keine Menschenmengen.
Ich habe schon zuviele Menschen in meinem Leben. Wenn ich jeden Abend zehn bis hundert neue Leute treffe, wäre das einfach nur fake – für sie und für mich.
Ich habe als Kind nie davon geträumt, auf einer Bühne zu stehen – ich wollte nur ALBEN machen.
Ich hätte keine Zeit mehr, mir neue Musik anzuhören. Ich höre mir JEDEN Tag zwei neue Platten an plus acht Stunden die Musik, die ich schon habe (wie zum Beispiel die zwei neuen Alben vom Tag zuvor, haha). Ich ziehe mir pro Jahr etwa 500 Alben rein, letztes Jahr waren es 750.

Magst du denn Konzerte anderer Bands?

Ich habe vermutlich an die 300 Gigs gesehen, aber als ich ein Kind war, wollte ich das nie. Ich habs wieder probiert, aber ich mag es nicht mehr. Aber ich habe viele großartige Shows gesehen, ich glaube, dass es am besten ist, live eine neue Band für sich zu entdecken. Was ich nicht mag, wie eine SCHAFHERDE eine bekannte Band mit anderen zu teilen.

Geteilt habt ihr allerdings einen Blick hinter die Kulissen von DARKTHRONE, als Nocturno Culto seinen Film The Misanthrope veröffentlichte. War die Arbeit an Dark Thrones and Black Flags irgendwie anders als die Arbeit an F.O.A.D.?

Nein, es war exakt gleich. Wir komponieren die Songs immer in unsere Köpfen und wenn wir beide bereit sind, treffen wir uns und nehmen die Songs auf.

Arbeitest du denn schon am Nachfolger von Dark Thrones and Black Flags? Und bist du in irgendwelchen anderen Projekten aktiv?

Ja, ich arbeite seit Juni an meinem neuen Song Too much black, not enough metal. Und wir haben schon ein Datum im Dezember abgemacht, da werden wir uns treffen und das Studio aufstellen.

Andere Projekte habe ich keine. Ich habe einen normalen Job seit 1988 und ich habe die ganze Zeit DARKTHRONE im Kopf.

Fotos: Label, Sure Shot Worx
Layout: Arlette H.D.