WOBURN HOUSE: Monstrous Manoeuvers In The Mushroom Maze

WOBURN HOUSE: Monstrous Manoeuvers In The Mushroom Maze

Na endlich. WOBURN HOUSE haben ihr Album Monstrous Manoeuvers In The Mushroom Maze veröffentlicht. Vielleicht war die lange Wartezeit aber auch nicht nur schlecht, immerhin klingt die neue Ausrichtung der Band auch nach jahrelangem Feilen, was aber de facto nicht so ist. Wütend sind die Musiker zwar immer noch, meistens gelingt es ihnen, das jedoch zu verstecken. Aber jetzt von Anfang an. WOBURN HOUSE fahren mehr noch als auf ihrem Debüt Message To Ourselves Outside The Dreaming Machine einen Breitbildsound auf, der nur schwer zugänglich ist. Denn die Ausflüge der Band in Richtung Eingängigkeit werden immer kürzer, aber gleichzeitig werden diejenigen belohnt, die genau hinhören.

Teils sind die langen Stücke schön von OPETH inspiriert, gerade dann, wenn die Akustikgitarre ertönt und es etwas leiser wird. Auf der anderen Seite finden sich genügend Einflüsse von ISIS und Konsorten, dann wieder ein paar Retroelemente von ENSLAVED. Diese Musik ist einerseits ausufernd und komplex, andererseits schön intim und persönlich, sicherlich aber nichts für jede Gelegenheit, da sie wirklich viel Aufmerksamkeit fordert. Der Funke glimmt bereits nach dem ersten Hören, entfacht wird er nach und nach, immer wieder ein bisschen. Allerdings kostet es schon ein wenig Überwindung, Monstrous Manoeuvers In The Mushroom Maze anzuwerfen, eben weil es so viel Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Auch, weil die Songs so unbequem sind, wie der Aufstieg auf den Berggipfel, den man wegen der Aussicht aber dennoch immer wieder wagt.

Die fünf fast ausschließlich überlangen Stücke auf WOBURN HOUSEs zweitem Album haben viele ruhige, aber verspielte Stellen mit ungewöhnlicher Harmonik, aber auch heftige Ausbrüche, die sich allerdings in Grenzen halten. Omega und der gut dreißigminütige Zweiteiler Transmitter und Transformer sind jedoch die Stücke, die am besten funktionieren, mit Zurückhaltung doch genügend Leidenschaft. Auch das eingestreute, wütende Sample aus dem Film Network ist ein herber Kontrast zum sanften Beginn von Oil. Die Riffs sind sehr heavy und oftmals dissonant, die Leadgitarren bieten alles, aber keine simple Melodieführung. Dagegen ist der etwas schüchterne, selten auftretende Gesang viel schwebender gehalten. Drums und Bass liefern ein sehr trockenes, aber massives Gerüst für die Musik

Beim Hören von Monstrous Manoeuvers In The Mushroom Maze überkommt einen das Verlangen, WOBURN HOUSE sogleich noch mehrere Musiker zuzuweisen. Zwar funktioniert die Band als Trio recht gut, aber mit einem zweiten Gitarristen und einem Synthesizer-Spezialisten, ließe sich noch mehr erreichen. Auch die Produktion ist zwar schon erdig und bodenständig, dennoch fehlt etwas die Ausgewogenheit im Sound. Ganz im Gegenteil zum wunderbaren Artwork von KAYO DOT-Bandmitglied Toby Driver, denn das ist absolut makellos. Aber als Ganzes betrachtet, haben WOBURN HOUSE ein überraschend ruhiges, sehr ausgewogenes und ambitioniertes zweites Album im Gepäck, das hörbar den Weg für die Zukunft ebnet. Und die wird vielleicht nicht einfach werden, aber durchaus eindrucksvoll. Offene Geister sollten aber heute schon ein Ohr riskieren.

Veröffentlichungstermin: Herbst 2009

Spielzeit: 58:55 Min.

Line-Up:
Christian Kolf – Guitar, Vocals
Fabian Fabian – Bass
Florian Toyka – Drums, Vocals

Label: Paradigms Recordings
MySpace: http://www.myspace.com/woburnhouse

Tracklist:
1. Omega
2. Oil
3. Globus
4. Transmitter
5. Transformer

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle