UMBRA ET IMAGO: Mea Culpa

UMBRA ET IMAGO: Mea Culpa

(Ein Gast-Review von Peter Sillaro)Neues Album – alter Streit: Ist Mozart, der Frontmann und Mastermind von Umbra et Imago, nun ein musikalisches Genie oder ein abzockender Scharlatan? Sicherlich werden sich auch bei der Beurteilung dieser Scheibe die Fronten aus Mozart-Fans und Mozart-Hassern wieder einmal unversöhnlich gegenüberstehen, und es ist kaum zu erwarten, daß sich an diesem Zustand in absehbarer Zeit etwas ändern dürfte. Die Wahrheit liegt freilich – wie so oft – irgendwo zwischen den Extremen.

Zunächst einmal fällt auf, daß die sauber produzierte Scheibe – mehr noch als alle ihre Vorgänger – extrem eingängig und stellenweise geradezu stromlinienförmig ausgefallen ist. Eine Tendenz hin zum Rock-Pop-Mainstream ist unverkennbar. Dies erleichtert dem Hörer einerseits den Zugang zu dem Werk, hat aber andererseits den Nachteil, daß es an einigen Stellen schon ziemlich flach, und damit eben leider einigermaßen langweilig daherkommt.

Dabei ist dem Album eine gewisse stilistische Vielseitigkeit, für die zu einem erheblichen Teil die gut ausgewählten Gastmusiker verantwortlich sind, nicht abzusprechen. Besonders die sanfte, melancholische Stimme von Wolfsheims Sänger Peter Heppner in „Lieber Gott“, aber auch die kernigen Vocals von Crematorys Frontmann Felix sind eine echte Bereicherung. Allerdings sind die Arrangements und Songstrukturen insgesamt recht konventionell, weswegen ich die Scheibe normalerweise unter der Rubrik „(guter) Durchschnitt“ verbuchen würde.

Daß ich das nicht tue, hängt mit einigen Mängeln zusammen, die mir den Spaß an dem Silberling gründlich vermiest haben: Punkt Nummer eins sind die Lyrics. Einige von ihnen können ja durchaus überzeugen, z. B. der Text des „Teutonenlieds“, einer ganz amüsanten, wenn auch nicht übermäßig originellen Satire auf geistig unterbelichtete Fascho-Schläger, aber mit schleimig-anbiedernden Klischeesammlungen und übelst abgedroschenen Phrasen („This is the sound of the underground“) können Mozart & Co bei mir nun wirklich keine Punkte sammeln. Punkt Nummer zwei ist der unsägliche Kinderchor in „Vater“ und „Jahr und Tag“, der die auch sonst nicht gerade berauschenden Stücke vollends zu Schmalzbomben macht. Punkt Nummer drei sind die Bezüge zu und Anleihen aus den 80er Jahren. Grundsätzlich ist an solchen Bezügen und Anleihen natürlich nichts auszusetzen, aber die Selbstherrlichkeit, mit der sich Mozart in der im übrigen ausgesprochen einfallslosen Coverversion von „Rock me Amadeus“ in eine Reihe mit Wolfgang Amadeus Mozart und der Pop-Ikone Falco (von der man im übrigen halten mag, was man will) stellt, ist ziemlich penetrant und letztlich schlichtweg peinlich, und wenn Umbra et Imago sich dann in ihrem Song „Schmerz“ auch noch ziemlich schamlos bei dem grandiosen Electro-Klassiker „Der Mussolini“ von DAF bedienen, dann ist für mich endgültig Schluß mit lustig.

Somit ist für mich klar: Selbst wenn Umbra et Imago durchaus das Zeug dazu haben, ansprechende Stücke rauszubringen, ist diese Scheibe nicht das Gelbe vom Ei. Für die Zukunft bleibt zu hoffen, daß Mozart & Co die oben genannten Fehler vermeiden und wieder zur Experimentierfreude zurückfinden, die einige ihrer früheren Alben (z. B. „Gedanken eines Vampirs“) ausgezeichnet hat.

Tracklist:

Intro

Lieber Gott …

Schmerz

Mea Culpa

Goth Music

Prinz Vogelfrei

Teutonenlied

Jahr und Tag

Aufrecht

Weinst du?

1780

Rock me Amadeus

Vater

Line-Up:

Mozart – Gesang

Lutz Demmler – Baß, Gitarre, Programming

Fredy S. – Gitarre

Matze B. – Keyboards

Migge Schwarz – Schlagzeug

Gäste:

Peter Heppner (Wolfsheim)

Felix (Crematory)

Karoline (Giants Causeway)

Lotte Först (Diabolo)

Kinder- und Jugendchor Liederkranz Malsch

Tanzwut

Jochen Ritter

Gerti Walz

Spielzeit: 57:49

Label: Oblivion/SPV

VÖ: 17. 04. 2000

Markus
Markus ("boxhamster") hat das Magazin 1999 gegründet und kümmert sich um die Technik und die Weiterentwicklung von vampster, schreibt ab und zu Reviews und fotografiert bei Festivals und Konzerten.