THE MELVINS LITE: Freak Puke

THE MELVINS LITE: Freak Puke

Voller Geschmack bei 25% weniger Fett? Ein Viertel weniger Zucker, dafür volles Aroma? Schöne Scheiße, sind die MELVINS auch auf diesen Humbug reingefallen. THE MELVINS LITE heißt das, was King Buzzo und Dale Crover hier verbrochen haben, dieses Mal ohne das BIG BUSINESS-Duo Coady und Jared, dafür mit dem FANTOMAS-erfahrenen Trevor Dunn im Schlepptau. Freak Puke klingt dabei etwas übertrieben, denn von dieser vergleichsweise soften Angelegenheit wird sicherlich den wenigsten schlecht werden. THE MELVINS LITE gehen überraschend jazzy an die Arbeit, wirken vielleicht manchmal ein wenig planlos, aber letzten Endes doch wie üblich liebenswürdig-genial. Die 25% weniger von irgendwas werden gut durch den etwas gebremsten Wahnsinn, den Freak Puke bereit hält, unterstrichen. Trevor Dunn hängt sich keinen normalen Bass um, er spielt Kontrabass. Dazu verdrehte Buzz Osborne-Riffs, schon fast sanfte Grooves von Dale Crover, der nur selten rumtoben darf – vielleicht wegen dem uralten Drumkit, das noch ein wenig leben möchte – und schöne Gesangschöre, und fertig ist das Wunderwerk einer Band, die sich immer noch treu bleibt und immer wieder neu definiert.

So bleibt man jung, so bleibt es spannend. Und doch, so wirklich überraschend ist Freak Puke nicht geworden. Die Songs sind eingängig, melodiös, teils recht schnörkellos, sogar überraschungsarm. Nach Mr. Rip-Off, das recht frei gespielt und entspannt beginnt, rocken THE MELVINS LITE mit 25% weniger Power durch die Songs Baby Won´t You Weird Me Out, Warm Farm Waltz,, A Growing Disgust und dem BEATLES-Cover Let Me Roll It. Etwas heavier werden nur Leon Versus The Revolution und der Titelsong, wohingegen Holy Barbarians unheilvoll gejammt klingt und das abschließende Tommy Goes Berserk nach einem sehr sanften Beginn in dem Chaos und der Anarchie versinkt, die zu den MELVINS schlicht gehört. Somit ist Freak Puke sehr kurzweilig, eingängig und bei aller Sturheit auch irgendwie zahm. Vielleicht liegt das an Trevor Dunn, der Buzz und Dale etwas bremst, vielleicht haben die beiden auch selbst nach der EP The Bulls & The Bees und den letzten, recht deftigen Alben eher Lust auf eine Runde Entspannung.

Wie dem auch sei, THE MELVINS, egal ob LITE oder nicht, verstehen ihr Handwerk. Gerade das Kontrabassspiel von Trevor Dunn ist sehr schön und lässt die ganze Musik gleich viel mehr nach retro klingen, als es jegliche Verstärker, Aufnahmetechniken oder ähnlicher Firlefanz aus den Sechzigern das könnten. Die Power und Kreativität von Dale Crover und Buzz Osborne versteckt sich ein wenig im Detail, weshalb Freak Puke letztlich auch recht zugänglich ist, ohne dass jedoch die Ecken und Kanten fehlen. Die neueste Waffe aus der MELVINS-Schmiede ist somit für die geeignet, denen diese Ikonen sonst ein wenig zu anstrengend sind. Mit Klassikeralben wie Ozma, Houdini und Stoner Witch oder neueren Highlights wie (A) Senile Animal und The Bride Screamed Murder steht das recht retro klingende Freak Puke allerdings nicht auf einer Stufe, aber das sollte für Fans kein Grund sein, dieses Album zu ignorieren. Dafür ist es wieder viel zu sehr… na MELVINS-typisch eben!

Veröffentlichungstermin: 15. Juni 2012

Spielzeit: 42:18 Min.

Line-Up:
Buzz Osborne – Guitars, Vocals
Trevor Dunn – Standup Bass, Vocals
Dale Crover – Drums, Vocals

Produziert von Toshi Kasaii und THE MELVINS LITE
Label: Ipecac Recordings

Homepage: http://www.themelvins.net

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/melvinsarmy

Tracklist:
1. Mr. Rip-Off
2. Inner Ear Rupture
3. Baby Won´t You Weird Me Out
4. Worm Farm Waltz
5. A Growing Disgust
6. Leon Versus The Evolution
7. Holy Barbarians
8. Freak Puke
9. Let Me Roll It
10. Tommy Goes Berserk

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle