PURE WRATH: Bleak Days Ahead

Tristesse und Leidenschaft vereint: PURE WRATH blicken pessimistisch auf die Zukunft, „Bleak Days Ahead“ hat aber das Zeug die Indonesier aus der Geheimtipp-Ecke zu holen.

PURE WRATH drehen die Blickrichtung: Während sich „The Forlorn Soldier“ und „Hymn To The Woeful Hearts“ um die bisweilen bittere indonesische Geschichte drehten, richtet sich „Bleak Days Ahead“ – der Titel sagt es natürlich – an der Zukunft aus. Der indonesische Solomusiker Januaryo Hardy selbst sagt dazu: „‘Bleak Days Ahead‘ is a lament for those silently drowning in a life that demands everything and gives back almost nothing.“ Damit ist eigentlich schon das wichtigste zum Post Black Metal von PURE WRATH gesagt.

Es ist somit wenig überraschend, dass dieses Album kälter und brutaler klingt, als das, was PURE WRATH zuvor veröffentlichten, und gerade das schreckt im ersten Moment ein wenig ab. „Hymn To The Woeful Hearts“ hatte diese leidenschaftlichen, mitreißenden Momente, diese Melancholie und den Hauch des Vergangenen in sich, die dieses Album so atemberaubend machten. In „Bleak Days Ahead“ muss man dies zunächst suchen. Aber keine Sorge, Januaryo Hardys Handschrift ist noch immer zu gegenwärtig. Die Melancholie ist nur ein wenig vergraben unter der brutalen Oberfläche und es mag daher ein wenig dauern, bis sich „Bleak Days Ahead“ öffnet.

„Bleak Days Ahead“ ist kälter und aggressiver als das Vorgängeralbum, aber PURE WRATH verstecken viele Facetten unter der schroffen Oberfläche.

Dass PURE WRATH eine neue konzeptuelle Ausrichtung wagen, wirkt sich nicht nur in Sachen Aggression auf die Musik aus. Aus „Bleak Days Ahead“ schälen sich einige neue Facetten heraus. Eine Noir-Atmosphäre durch Mellotron und Saxophon schiebt sich behutsam dazu, verdrängt die subtilen folkloristischen Elemente indes nicht ganz. Weil Hardy seine Kompositionen jederzeit fest im Griff hat, funktionieren die teils langen Kompositionen problemlos. Dabei ist das Album recht klar gegliedert: die ersten beiden Stücke, „Bleak Days Ahead Pt. I“, respektive „Pt. II“ sind kalt, aggressiv und impulsiv, während die restlichen drei Songs introvertierter und vielschichtiger sind.

„Haven Of Echoes“ lässt sich einige Minuten lang Zeit, bevor es die Zähne zeigt, und doch überwiegen hier die düstere Atmosphäre und eine bedrohliche Aura. „Spectral Insomnia“ ist der rasantere Teil der zweiten Hälfte, besticht mit schneidenden Riffs und schnellem Blast Beat-Drumming sowie einer völlig entfesselten Stimme. Ab der Mitte leitet dieser Song das Ende von „Bleak Days Ahead“ ein, mit Hammond-Orgeln und getragenem, trauernden Cleangesang und einem furiosen Finale, das in Sachen Emotionalität an den Vorgänger beim Vorgänger andockt.

Immer spürbar auf „Bleak Days Ahead“: Die Emotionalität und Authentizität von PURE WRATH.

Besonders wird vor allem „Opaque Mist“, das mit dem Gastgesang von Andrew Rodin (STONED JESUS) und Trip Hop-Beats beginnt, switcht in Richtung KATATONIA und schickt einen letzten Blast Beat mit ergreifenden Harmonien dem Ende entgegen, als gäbe es dennoch die trotzige Hoffnung auf ein besseres Leben. Gerade dieses Finale macht den Gesamteindruck dieses Albums so komplett, obwohl es völlig anders beginnt, als es begonnen hat. Es ist sicherlich keine Heldenreise, aber es sieht die Dinge im zweiten Akt in einem anderen Licht. Was aber immer spürbar bleibt: die Emotionalität und die Authentizität.

Wer WHITE WARD und ULTHA liebt, sollte spätestens für „Bleak Days Ahead“ bei PURE WRATH einsteigen. Das vierzigminütige Album hat erstaunlich viele Facetten und fließt von Wut hin zur Trauer und will trotz allem nicht die Hoffnung aufgeben, dass bessere Tage kommen – allen Anzeichen zum Trotz. Dass mit Drummer Yurii Ciel und Gastsänger Andrew Rodin zwei ukrainische Musiker an Bord sind, festigt diesen Eindruck auch auf der Metaebene. Januaryo Hardy selbst baut mit diesem Album sein songschreiberisches wie technisches Können aus – auch in Bezug auf Produktion und Tontechnik. „Bleak Days Ahead“ klingt voll und rund, aber auch kratzig und fies, und nicht zuletzt beeindruckt das Artwork nachhaltig. Einzig die Emotionalität und das Konzept des Vorgängers werden hier nicht ganz erreicht. Und doch ist eindeutig: Trostlose Zeiten mögen sich ankündigen, aber zumindest künstlerisch wird die Zukunft für PURE WRATH auch weiterhin rosig sein.

Wertung: 8 von 10 Hochfunktionale Depressionen

VÖ: 24. April 2026

Spielzeit: 41:12

Line-Up:
Januaryo Hardy – Vocals, guitars, bass, piano, synths, soundscapes
Yurii Ciel (CAILLEACH CALLING) – All drums, whispers („Opaque Mist“)
Dany Tee (LOS MALES DEL MUNDO) – Foreword („Haven of Echoes“)
P.F. – Saxophone („Bleak Days Ahead, Pt. I“)
Tandani Mutaqim (WARKVLT) – Throat singing („Bleak Days Ahead, Pt. II“)
Andrew Rodin (STONED JESUS) – Backing vocals

Label: Debemur Mort Productions

PURE WRATH „Bleak Days Ahead“ Tracklist:

1. Bleak Days Ahead, Pt. 1
2. Bleak Days Ahead, Pt. 2
3. Haven Of Echoes (Official Video bei Youtube) 
4. Spectral Insomnia (Official Video bei Youtube)
5. Opaque Mist

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