Für die Antwort dürft ihr mich in meinem idyllischen Schloss aufsuchen, irgendwo in den Kaparten, wo ich bleibe, wo ich einfach bleibe, KEKHT ARÄKH höre und die Welt die Welt sein lasse. Denn ich habe immer schon genau das am Black Metal geliebt, was ein bisschen drüber war, ein bisschen schräg, unkonventionell und vor allem: sehr, sehr romantisch. Und das ist der Kosmopolit „Crying Orc“, der auf „Morning Star“ u.a. von einsamen Spaziergängen in London, Berlin und Stockholm erzählt, in jeder Sekunde seines neuen und sehr ambitionierten Werks.
Es ist sein drittes Album und bereits sein Meisterwerk, soviel ist klar, denn was hier an Melodie, Atmosphäre und fetten Beats aufgefahren wird, ist ganz einfach nicht mehr zu toppen: Die Lieder, allesamt 3-4 Minuten lang, vereinen zärtliche, sehnsuchtsvolle Akustik-Gitarren, entrückte Flötentöne, perfekt gebaute 90er-Jahre-Black-Metal-Riffs, fieses Gekrächze und angenehm unperfekten, aber stets passenden Klargesang mit einer Ästhetik, die zwar original aus Norwegen der 90er stammen könnte, aber stets subtil gebrochen wird, so dass die Gefühle, die der weinende Ork transportieren will, nicht überschattet werden können von irgendeiner Form von Redundanz.
Ugh!
Wobei die Flasche Cola, die er im brillianten Video zur Hitsingle „Three Winters Away“ schwingt, schon mehr als nur eine subtile Brechung der Ästhetik darstellt. Macht aber nichts: Auch solcherlei Manöver funktionieren im Kosmos KEKHT ARÄKH, dafür ist die Musik einfach zu echt und schön und abwechslungsreich: Mal fühle ich mich zurückversetzt in „Stormblast“-Zeiten („Mörker över Mörker“), mal meine ich, ein 25 Jahre altes Indie-Folk-Stück zu hören („Genom Sorgen“), dann wieder bin ich einfach nur entzückt von der cleveren Idee, Cloud-Rap-Beats mit Rumpel-Schlagzeug und Blastbeats zu mischen.
I said: Ugh!
Das ist aber nur ein Teil des Erfolgsrezepts, viel wichtiger sind die Clean Vocals, vor allem von Crying Orc selbst, aber auch vom Norweger „Spöke“ (von VS–55) und Stargast „Bladee“, einem mir bis dato völlig unbekannten Helden der mir bis dato ebenfalls völlig unbekannten Cloud-Rap-Szene, denn ich bin ja, s.o., ein alter Mann. Jedenfalls: Was Bladee in „Eternal Martyr“ macht, ist wirklich herzzerreißend und das Feature letztlich völlig logisch, schaut man sich mal Videos von dem Typen an – er sieht aus wie Crying Orc selbst, nur halt ohne Schminke, und bewegt sich auch so. Faszinierend, schräg, interessant, und ja, ich merke selber, dass ich total cringe klinge.
„Morning Star“ ist große Kunst mit großem Gefühl
Überhaupt, cringe: Das ist das hier ja eigentlich komplett, aber gerade darin, gerade in dem Mut sein Herz so kompromisslos zu öffnen und eine Ästhetik des totalen Kitsches zu nehmen, es irgendwie zu schaffen, dem Ganzen den Kitsch zu nehmen, indem er ironisiert und übertrieben wird, bis nur noch das Gefühl selber übrig bleibt, das ist große Kunst und funktioniert für mich so gut, dass ich „Morning star“ ganz unironisch jetzt schon auf dem Treppchen sehe am Ende des Jahres.
Spielzeit: 50:12 Min.
Label: Sacred Bones Records
https://kekhtarakh.bandcamp.com/album/morning-star
Veröffentlichungsdatum: 27.03.2026
Tracklist – KEKHT ARÄKH – „Morning Star“
01. Wänderer
02. Castle
03. Lament
04. Genom Sorgen (Ft. VS–55)
05. Angest
06. Mörker Över Mörker
07. Three Winters Away
08. Drömsång
09. Raven King
10. Vigil
11. Eternal Martyr (Ft. Bladee)
12. Trollsång (Ft. Spöke)
13. Land Av Evig Natt L
14. Land Av Evig Natt Ll
15. Gates
16. Morning Star
17. Outro (Ft. Varg2)