MELVINS WITH NAPALM DEATH: Savage Imperial Death March

Zwei Legenden vereint: Die MELVINS und NAPALM DEATH machen sich gemeinsam auf zum „Savage Imperial Death March“. Die Kollaboration bleibt aber hinter den Möglichkeiten zurück.

Es gibt Kollaborationen, die sind so naheliegend, dass, wenn sie nach 40 Jahren endlich passieren, die passende Reaktion ist: „Na da schau her.“ Die MELVINS und NAPALM DEATH zusammen? Ist das nicht wie Weihnachten und Ostern auf einmal für alle Weirdos dieser Welt, die es heavy mögen? Müsste dieser Planet nicht sofort zu einem besseren Ort werden, wenn zwei Männer mit Frisuren wie King Buzzo und Shane Embury gleichzeitig auf einem Album zu hören sind? „Savage Imperial Death March“ heißt diese Zusammenarbeit, das Potenzial ist riesig, die Erwartungen auch. Die acht Songs liefern aber leider nicht ganz das, was möglich gewesen wäre.

Die MELVINS führen den „Savage Imperial Death March“ an, NAPALM DEATH agieren eher als Sidekick auf dieser Kollaboration.

Es ist kein Wunder, dass die MELVINS die Erstgenannten auf dieser Kollaboration sind. Sprich: Diese acht Songs klingen größtenteils mehr nach ihnen als nach NAPALM DEATH oder einer Schnittmenge aus beiden Bands. Dabei startet „Savage Imperial Death March“ recht beherzt mit dem wunderschön betitelten „Tossing Coins Into The Fountain Of Fuck“. Ein brachialer Groove von Dale Crover trifft auf ein Riff, das schneller gespielt grooviger Deathgrind sein könnte, und auf Barney Greenways einmaliges Gebrüll. Ein cooler Opener, der aber wie ein Auftakt wirkt, nicht wie der heftigste Song der Kollaboration – neben „Stealing Horses“ –, der er nun mal ist.

„Savage Imperial Death March“ wurde in abgespeckter Form bereits vor einem Jahr über AMPHETAMINE REPTILE veröffentlicht, wird jetzt mit zwei weiteren Songs vervollständigt. Einer davon, „Awful Handwriting“ besticht durch einen zwingenden abgehakten Groove, seltsame Gitarreneffekte, Casio-Sounds und einen Basslauf, der auch ein verzerrter Moog sein könnte. King Buzzo stottert, im Hintergrund ist Barney Greenway ein Ein-Mann-Höllenchor. Ein kurzer, gewitzter Track und definitiv einer der coolsten auf diesem Album. An Coolness mangelt es weder den MELVINS noch NAPALM DEATH, sei es bei dem treibenden „Some Kind Of Antichrist“, dessen experimenteller Improvteil am Ende jedoch zu lange ist, oder bei „Nine Days Of Rain“, das an NAPALM DEATH denken lässt, wenn sie ihre Post Punk-Einflüsse ausspielen – nur durch eine MELVINS-Brille eben.

Bizarrer Humor, Experimente, fette Riffs und ein bisschen Wut: Auf „Savage Imperial Death March“ kommen einzelne Facetten von den MELVINS und NAPALM DEATH zum Tragen.

„Rip The God“ ist dann der erste Song, der einen Shane Embury-Signature-Basssound bietet, als Unterbau für ein typisches MELVINS-Riff, das sich immerhin mehr und mehr in Richtung Lärm steigert, während es mit einem maschinellen Rhythmus ins Hirn gehämmert wird. „Comparison Is The Thief Of Joy“ – welch Wahrheit spricht dieser Titel – fügt sich als noisiges, Synthrock-Stück mit gesampeltem Soprangesang überraschend gut ins Gesamtbild ein, bietet als Bonustrack aber nicht unbedingt Mehrwert – ein Glück, dass die Kollaboration nicht so konfus endet, sondern mit „Death Hour“, das den Faden von „Rip The God“ aufnimmt und dann dekonstruiert, bis hin zu einem Schlussakkord, einer Pointe, die man so nicht hat kommen sehen [wir wollen hier ja nicht spoilern].

Insgesamt ist diese Kollaboration natürlich gelungen, wie sollte es auch anders sein? Aber „Savage Imperial Death March“ spielt nicht all das Potenzial aus, was darin schlummert. NAPALM DEATH kommen etwas zu kurz, aber sehen wir es den MELVINS nach, schließlich ist Dale Crover nicht für seine Blast Beats bekannt und Danny Herrera … nun, wo war der eigentlich? Diese Kollaboration macht Spaß, zeigt NAPALM DEATH von ihrer humorvollen und die MELVINS von ihrer härteren Seite. Doch so sehr sich die Protagonisten auch bemühen, sie finden nur punktuell wirklich zusammen. Schlimmer noch: Über weite Strecken verkommen NAPALM DEATH zu Sidekicks. „Savage Imperial Death March“ macht also Spaß, es bleibt aber der Nachgeschmack, dass hier viel mehr möglich gewesen wäre.

Wertung: 5 von 8 Lockenmähnen

VÖ: 10. April 2026

Spielzeit: 39:33

Line-Up:
Buzz Osborne – Guitars, Vocals
Dale Crover – Drums
Mark „Barney“ Greenway – Vocals
Shane Embury – Bass
John Cooke – Guitar

Label: Ipecac Recordings

MELVINS WITH NAPALM DEATH „Savage Imperial Death March“ Tracklist:

1. Tossing Coins Into The Fountain Of Fuck (Official Audio bei Youtube) 
2. Some Kind Of Antichrist
3. Awful Handwriting
4. Nine Days Of Rain
5. Rip The God (Official Audio bei Youtube) 
6. Stealing Horses
7. Comparison Is The Thief Of Joy
8. Death Hour

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