STRIGOI: Abandon All Faith

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Aus dem Grab von VALLENFYRE steigt STRIGOI – und der Wiedergänger kann seine Herkunft nicht verleugnen: Auch mit seiner neuen Band erkundet PARADISE LOST-Gitarrist Greg Mackintosh die wirklich finsteren, dreckigen und abgefuckten Ecken und gräbt tief in der Vergangenheit.

Zu Tage fördert er Hässliches und Grässliches, halb verrottet und stinkend. Death Metal, die böse Sorte von AUTOPSY und Konsorten, Doom, die finstere Variante, wie sie MY DYING BRIDE und auch PARADISE LOST vor und auf ihren ersten Alben spielten. Dazu gibt’s auch bei STRIGOI eine kleine Schippe Crustpunk – sorgsam und ziemlich sparsam eingestreut.

Was unterscheidet STRIGOI von VALLENFYRE?

Dem dreckigen, fiesen Geschöpf einen neuen Namen zu geben, geht trotzdem in Ordnung: Die VALLENFYRE-Alben, vor allem „Splinters“ und „Fear Those Who Fear Him“, waren wütender und direkter und ließen deutlich durchscheinen, dass der Greg Mackintosh einer schnellen (alten britischen) Crustpunk-Nummer nie abgeneigt war und ist.

STRIGOI sind schwermütiger, noch rottiger und irgendwie auch noch gemeiner. Wo einst die Wut regierte, lauern jetzt finstere Abgründe voll Resignation und Verzweiflung. Gegründet hat Mackintosh STRIGOI, weil er mit VALLENFYRE offenbar in eine kreative Sackgasse geraten war: „Mit VALLENFYRE sind wir einen Weg gegangen, bei dem es immer grober und crust-lastiger wurde. Irgendwann konnten wir das einfach nicht mehr weiter vorantreiben, also musste ich neue Elemente einfügen.“

„Abandon All Faith“ ist altmodisch, klingt aber nicht so

Das Ergebnis ist ein wunderbar zeitloses Album: „Abandon All Faith“ zitiert zwar unaufhörlich die Vergangenheit, klingt aber andererseits durch das grandiose Songwriting frisch und unverbraucht.

Mackintosh zeigt den zwei Generationen nach ihm einmal mehr, wie man alles richtig macht, wen man auf alten Pfaden rumschleicht. Dazu schnappte sich Mackintosh Bassist Chris Casket, der auch schon zur Live-Besetzung von VALLENFYRE gehörte. Die Drums kommen von VALLENFYRE/PARADISE LOST-Drummer Waltteri Väyrynen, der allerdings nur als Session-Musiker bei den Aufnahmen war. Zur Live-Besetzung gehören Schlagzeuger Guido Zima Montanarini (THE SECRET, ex-IMPLORE) und Gitarrist Sam Kelly-Wallace (ex-VALLENFYRE).

Greg Mackintosh-Signature-Melodien

Wie sich nun das Verhältnis der Grundzutaten Death, Doom, Punk, Crust in welchem Songs auf welchem Album seiner Nebenprojekte verschoben hat, ist eine Frage für Buchhalter und Menschen, die alles auf die Goldwaage legen. Der Song „An Apathetic Grave“ vom Album „Fear Those Who Fear Him“ hatte sicher mehr Doom-Anteile als manches auf dem STRIGOI-Debütalbum. In „Enemies Of God“ und „Nocturnal Vermin“ von STRGOI werden dagegen sehr geile Punk-Riffs verbraten.

Beide Bands haben den Signature-Sound von Mackintosh gemein – seine unverkennbaren Melodien bringt dieser Mann einfach überall unter, sei es bei „The Merciless Tide“ von VALLENFYRE, bei „Carved Into Skin“ von STRIGOI, bei „Fearless Sky“ und „Lost Eternal“ von PARADISE LOST. Gut, manchen Dingen aus dem Mittneunzigern steht der Mantel des Schweigens sehr gut. Aber das hat er spätestens mit einem Song wie dem Titeltrack von „Abandon All Faith“ längst wieder alles ausgebügelt.

Veröffentlichungsdatum: 22. November 2019

Label: Nuclear Blast

Besetzung:
Greg Mackintosh – Gitarre, Gesang
Chris Casket – Bass
Waltteri Väyrynen – Drums (im Studio)
Guido Zima Montanarini – Drums (live)
Sam Kelly-Wallace – Gitarre (live)

STRIGOI „Abandon All Faith“ Tracklist

01. The Rising Horde
02. Phantoms (Video bei YouTube)
03. Nocturnal Vermin (Lyrics-Video bei YouTube)
04. Seven Crowns
05. Throne Of Disgrace
06. Carved Into The Skin (Video bei YouTube)
07. Parasite
08. Iniquitous Rage
09. Plague Nation
10. Enemies Of God
11. Scorn Of The Father
12. Abandon All Faith

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...