STILLE VOLK: Satyre Cornu

STILLE VOLK: Satyre Cornu

STILLE VOLK kommen aus Frankreich und legen mit „Satyre Cornu“ ihr drittes Album vor. Ihr Debütwerk „Hantaoma“ konnte mich mit seiner authentischen, herzergreifenden und schlichtweg wunderschönen Mittelaltermusik so sehr begeistern, daß ich es in meine Alltime-Faves aufnahm und seitdem regelmäßig höre. So etwas schönes hat meiner Meinung nach keine andere Folk/Mittelalter-Band geschafft. Das Zweitwerk „exuvies“ ist in meinen Augen ebenfalls ein großes Werk, vereinte es doch die Schönheit folkloristischer Melodien mit avantgardistischer Musik irgendwo zwischen Metal und Jazz, und es festigte meine Meinung von der Band als wirklich eigenständige Künstler.

Nun, drei Jahre später, veröffentlichen die Franzosen mit „Satyre Cornu“ also ein neues Werk – und man kann sich denken, mit wieviel Feuereifer ich es erwartete. Umso mehr noch, als daß Prophecy Productions, die das Werk in Deutschland auf den Markt bringen, ankündigten, es gehe wieder zurück zu den akustischen Wurzeln des mittlerweile auf ein Duo geschrumpften Trios.

Nun, dies ist zwar wahr, aber dennoch bin ich enttäuscht von „Satyre Cornu“. Sehr enttäuscht sogar. Denn STILLE VOLK haben es nicht geschafft, „Hantaoma“ fortzuführen. Wo auf diesem Werk noch romantische Weisen und folkloristische Tänze Hand in Hand die Magie alter Zeiten aufleben ließen, bleibt „Satyre Cornu“, das sich thematisch übrigens mit der Verehrung des Gottes Pan beschäftigt, in einem Nichts perkussionistischer Musik ohne viel Melodie hängen. Wo sind die wunderschönen Harmonien eines „Ode aux Lointains Souverains“? Wo die herrliche Lagerfeuerromantik von „Leherenn“?

Gut, hin und wieder blitzt noch so etwas wie Atmosphäre auf – bei „Pan Domna Poc“ oder „Rassa Tan Creis“ etwa. Und selbstverständlich kann man bei „Satyre Cornu“ nicht von einem schlechten Werk sprechen; es tut schließlich nicht weh, es zu hören. Aber irgendwie scheint die Magie aus der Musik entwichen zu sein; an ihre Stelle ist eine rhythmische Melange aus viel Getrommel (das stellenweise Dancefloor-„Charme“ besitzt), irgendwie disharmonischem Getröte und eintönigem Gesang. Langeweile macht sich breit beim Hören dieses Albums – symptomatisch dafür steht die Tatsache, daß die enthaltene Coverversion, die STILLE VOLK aufgenommen haben, der beste Song ist, ein IRON MAIDEN-Klassiker nämlich, der in mittelalterlichem Gewand und mit alt-französischem Text wirklich Spaß macht (besonders, wenn man damit MAIDEN-Fans schockt).

So bleibt also am Schluß nur die Frage, ob STILLE VOLK wohl in Zukunft wieder zu alter Klasse zurückfinden. Bis dahin erfreue ich mich lieber an den ersten beiden Werken der Band und verbleibe mit der Empfehlung, hier vor dem Kauf reinzuhören.

VÖ: August 2001

Spielzeit: 44:53 Min.

Line-Up:
Patrick Laforgue

Patrice Roques

Instrumente: Leier, Arabische Laute, Orgelpositiv, Gitarren, Bouzouki, Dulcian, Chalemie, Violine, Schalmei, Tambourin, Psalter, Mandoline, Flöten, Dudelsack, Klapper, Horn, verschiedene Schlaginstrumente

Label: Prophecy Productions

Tracklist:
1. Le Satyre Cornu
2. Rassa Tan Creis
3. Pan Domna Poc
4. Le Crapauds
5. Le Reveil de Pan
6. Marche Nocturne
7. La Vengeance de Pan
8. Quan L’Herba Fresca
9. Invocation a Pan
10. Adoumestica Una Terro
11. Le Satyre Cornu 2

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Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.