SÖLICITÖR: Spectral Devastation

SÖLICITÖR: Spectral Devastation

Ein gewisser Überhang an Umlauten bei einer Band lässt mich ja tendenziell eher in freudiger Erwartung mit dem Schwanz wedeln. Also, wenn ich ein Hund wäre ihr Pherkel! Somit triggern SÖLICITÖR aus Seättle mich schonmal auf positive Art und Weise. Die Band um die beiden Ex-SUBSTRATUM-Mucker Amy Lee Carlson und Matthew Vogan wurde 2018 gegründet und hat 2019 erste Lebenszeichen in Form eines Demos und einer EP von sich gegeben. Beide habe ich zugegebenermaßen verpennt, doch pünktlich zum Debüt sind SÖLICITÖR auf meine Ümläüt-Rädär äüfgetäücht. Kollege Wögerbauer (mit Umlaut!) war da ja etwas frühzeitiger an Bord und ließ in seiner Rezension zur EP bereits Vorfreude auf das Debütalbum anklingen. Christian, ich denke, du wirst nicht enttäuscht worden sein. Ganz im Gegenteil!

SÖLICITÖR wissen wie man Old school Speed Metal anno 2020 zelebriert

Denn auf “Spectral Devastation” zelebrieren SÖLICITÖR klassischen Speed Metal auf allerhöchstem Niveau. Dabei schaffen SÖLICITÖR den Spagat, auf der einen Seite nicht monoton nur in einem Tempo durch ihre Kompositionen zu rasen, auf der anderen Seite aber auch zu keiner Sekunde im Verdacht zu stehen auszuwimpen. Mit “Blood Revelations” und “Betrayer” gibt es jedenfalls zum Start gleich ein fettes Speed Metal Duo um die Ohren. Der Opener zitiert textlich den einen oder anderen Klassiker, der unter Garantie einen Einfluss auf das Schaffen SÖLICITÖRs gehabt haben wird. “The Red Queen” ist da schon ein anderes Biest, die Songlänge von gut sechseinhalb Minuten lässt es schon erahnen. Das Stück glänzt mit diversen Richtungs- und Tempowechseln sowie einigen herausragenden Gitarrenduellen. “Leathür Streets” hämmert die Nägel dann wieder straight und mit Volldampf rein. “Night Vision” schlägt dann eher in die US Power Metal-Kerbe und gehört alleine wegen der wahnsinnigen Gitarrenarbeit zu meinen Highlights des Albums wird aber noch getoppt vom direkt darauf folgenden “Terminal Force”, einer echten Metal-Hymne mit Eiern aus Stahl. Metal never dies! Keine weiteren Fragen! Der Rausschmeißer “Grip Of The Fist” kombiniert klassischen Ufta-Beat mit immer wieder eingestreuten Blastbeats.

Eine perfekte Frontfrau und ein überragendes Gitarrenduo – SÖLICITÖR habe alles, was man braucht

Frontfrau Amy Lee Carlson hat für jeden Song die passende Stimmlage parat, egal ob klassische Metal-Sirene oder tollwütiger Pittbull, die Frau hat alles, was man in diesem Genre braucht, ein echtes Reibeisen-Organ. Matthew Vogan und Patrick Fry malträtieren ihre Äxte mit einer fast schon beängstigenden Wildheit und gleichzeitig Präzision. Da sitzt jedes Riff, da zündet jedes Solo. Dazu kommt ein geschicktes Händchen beim Songwriting. Aus all diesen Zutaten haben SÖLICITÖR ein Album geschaffen, welches zu den bisherigen Jahreshighlights im tradtionellen Metal gerechnet werden muss und sich qualitativ ganz bequem auf Augenhöhe mit “Termination Shock” von TRAVELER stellt.

Veröffentlichungsdatum: 24.04.2020

Spielzeit: 39:54

Line Up:
Amy Lee Carlson – vocals
Matthew Vogan – guitar
Patrick Fry – guitar
Damon Cleary-Erickson – bass
Johann Waymire – drums

Label: Gates Of Hell Records

Facebook: https://www.facebook.com/solicitor.speedmetal
Bandcamp: https://solicitor-speedmetal.bandcamp.com

SÖLICITÖR „Spectral Devastation“ Tracklist

01. Blood Revelations (5:01) (Audio bei Bandcamp)
02. Betrayer (4:24)
03. The Red Queen (6:38)
04. Leathür Streets (4:24)
05. Night Vision (5:43)
06. Terminal Force (4:25)
07. Spectres Of War (4:24)
08. Grip Of The Fist (4:55)

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.