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SATAN: Earth Infernal

SATAN setzen mit “Earth Infernal” ihrer bisherigen Diskographie die Krone auf. Nach den drei Vorgängern war ja mit einem weiteren, starken Album zu rechnen, “Earth Infernal” übertrifft allerdings all meine Erwartungen.

Vier Jahre ist es jetzt schon her, dass SATAN ihren letzten Kracher “Cruel Magic” veröffentlicht haben. Vier Jahre in denen eine Menge passiert ist. Die Klimakrise scheint endlich ein wenig mehr im öffentlichen Bewusstsein angekommen sein, also zumindest außerhalb des Gehirns von Armin “Plötzlich ist da dieses Klima-Thema” Laschet. Großbritannien, das Heimatland von SATAN, hat sich entgegen jeglicher Vernunft aus der EU verabschiedet und jetzt sind ganz viele Leute ganz überrascht von den Folgen. Dann ist da noch eine globale Pandemie, die uns nun schon seit über zwei Jahren in Atem hält, und als wäre das noch nicht genug, hat ein völlig irrer Russe zum Angriff auf sein Nachbarland geblasen und während ich diese Zeilen tippe, sterben gar nicht mal so weit entfernt Männer, Frauen und Kinder…

Da kann man sich schon mal fragen, ob Heavy Metal gerade überhaupt wichtig ist. Aber ja, natürlich ist er das. Erst recht, wenn mit SATAN die Underground-Helden der NWOBHM mal wieder mit einem Album am Start sind. Durch die Corona-Pandemie aber auch weitere Faktoren, von schwer kranken Produzenten über technische Probleme hat es dieses Mal etwas länger gedauert, bis die Briten ihr neues Werk fertigstellen konnten.

SATAN setzen auch bei “Earth Infernal” auf bewährte Partner, was Produktion und Cover angeht

Dabei setzte die Band um Russ Tippins, der nebenbei 2019 mit TANITH noch das wunderbare Album “In Another Time” veröffentlichte, auf die bewährten Wegbegleiter. Das Cover stammt wie seine drei Vorgänger erneut aus der Feder von Eliran Kantor, der den finsteren Richter, welcher bisher jedes SATAN-Album zierte, dieses Mal bedrohlich im Hintergrund lauern lässt, während die Welt um ihn herum im Chaos versinkt. Was für ein perfektes Abbild unserer Zeit! Auch, was die Aufnahme angeht, bleiben SATAN bei den gewohnten First Avenue Studios, wo die Band zusammen mit Engineer Dave Curle nun zum vierten Mal den perfekten Sound für eine klassische Heavy Metal-Platte zusammengezimmert hat. Alleine dieser rohe, krachige Drumsound, der tatsächlich nach einem richtigen, live eingespielten Schlagzeug klingt, ist zum Niederknien. Genau so muss das klingen.

Britannia rules the Riffs! – Russ Tippins und Steve Ramsey bleiben SATANs Ass im Ärmel

Dass musikalisch auch alles beim alten bleibt, versteht sich von selbst. Mit “Ascendancy” hauen SATAN zum Start direkt einen richtig schönen Speed-Klopper raus. Hier feuert auch das Gitarrenduo Tippins/Ramsey direkt aus allen Rohren. Und damit hören die beiden auch über die komplette Albumdistanz nicht mehr auf. Was die beiden hier an krachenden Riffs und schneidenden Leads raushauen, ist ganz großes Kunst und zeigt eine Spielfreude, die man von einem Haufen Herren kurz vor der Rente kaum erwarten würde. Definitiv eines der am meisten unterbewerteten Gitarrenduos der Metalszene.

SATAN for future! Die Texte auf “Earth Infernal” machen vor wichtigen aktuellen Themen nicht halt

Sänger Brian Ross lässt sich ebenfalls nicht anmerken, dass er stramm auf die siebzig zugeht, der eine oder andere hohe Schrei steckt noch in diesem gut gealterten Kerl. Und vor allem singt der Mann noch richtig gute Refrains, die aus mehr bestehen als einfach nur dem Songtitel. Und auch textlich zeigen sich SATAN wenig altersmilde und legen die Finger ganz feste in die Wunden dieser Generation. Vor allem die Klimakrise, die sich nicht nur im Cover-Artwork niedergeschlagen hat, ist der Band ein Anliegen. Aber auch das seit einer Weile immer präsenter werdende Thema Verschwörungstheorien und Wissenschaftsfeindlichkeit wird von der Band kritisch angegangen. Schön, dass sich dieses Rudel Boomer nicht mit Texten über die gute, alte Zeit abgibt sondern relevant bleibt! Nicht unter den Tisch fallen lassen möchte ich das sauber groovende Rhythmus-Gespann Graeme English und Sean Taylor. Die beiden machen auf “Earth Infernal” auch mal wieder einen Bomben-Job, auch wenn naturgemäß der Frontmann und vor allem das Gitarrenduo deutlich im Vordergrund stehen. Aber vor allem das, wie schon erwähnt, soundtechnisch erstklassig in Szene gesetzte Drumming von Sean Taylor verpasst den Songs den notwendigen bumms.

Zehn Songs, zehn Volltreffer – SATAN lassen auch auf “Earth Infernal” nichts anbrennen

Apropos Songs! Zehn sind es an der Zahl und jeder einzelne davon ist ein Volltreffer. “Ascendancy”, “From Second Sight” und “The Blood Ran Deep” bieten hervorragendes Futter für die Speed-Freaks, glänzen dabei aber allesamt auch mit starken Melodien und griffigen Refrains. Beim Instrumental “Mercury´s Shadow” lassen SATAN die Gitarren an Stelle von Brian Ross singen. Stücke wie “Twelve Infernal Lords” oder “A Sorrow Unspent” sparen ebenfalls nicht mit Druck auf dem Gaspedal, sind aber vielschichtiger aufgebaut. Da passiert in fünf Minuten so viel, speziell im Gitarrenbereich und Brian Ross garniert das Ganze mit großartigen Gesangslinien. Aber das ganz große Highlight des Album ist für mich “Luciferic”, dieses souverän und entspannt groovende Juwel, bei dem jeder einzelne der beteiligten Musiker brilliert. Tippins und Ramsey zaubern Melodien zum Niederknien aus ihren Äxten und der melodische Refrain, welcher von tollen Gesangsharmonien begleitet wird, setzt dem Ganzen die Krone auf. So schreibt man überragende Songs, die sich ins Gedächtnis brennen!

Was traditionellen Metal älterer Herren von der Insel angeht, haben SAXON mit “Carpe Diem” kürzlich ja bereits mehr als beeindruckend abgeliefert. Aber so begeistert ich vom aktuellen Werk von Biff und Co auch bin, “Earth Infernal” wischt mit “Carpe Diem” den Boden auf. SATAN liefern hiermit bereits das vierte Album seit ihrer Reunion ab und lassen keinerlei Müdigkeit erkennen. Im Gegenteil, “Earth Infernal” ist vielleicht sogar das stärkste Album der Band überhaupt bislang. Und ja, das meine ich ausdrücklich inklusive des legendären Debüts “Court In The Act”. Alles an diesem Album schreit “Traditionelles Metal-Album des Jahres”. Kaufen! Anhören! Huldigen!

Veröffentlichungsdatum: 01.04.2022

Spielzeit: 47:37

Line Up:
Brian Ross – vocals
Russ Tippins – guitars
Steve Ramsey – guitars
Graeme English – bass
Sean Taylor – drums

Produziert von: SATAN & Dave Curle @ First Avenue Studio, Newcastle

Label: Metal Blade Records

Bandhomepage: http://www.satanmusic.com
Facebook: https://www.facebook.com/officialsatanpage
Bandcamp: https://satanuk.bandcamp.com

SATAN “Earth Infernal” Tracklist

01. Ascendancy
02. Burning Portrait (Video bei YouTube)
03. Twelve Infernal Lords
04. Mercury’s Shadow
05. A Sorrow Unspent
06. Luciferic
07. From Second Sight
08. Poison Elegy
09. The Blood Ran Deep
10. Earth We Bequeath