PORTRAIT: Crossroads

PORTRAIT perfektionieren ihren Sound und liefern mit "Crossroads" ihr bisher bestes Album ab. 
Crossroads haben PORTRAIT ihr drittes Album genannt – Kreuzungen. Auf denen, so sagt es die Folklore, kann man den Teufel treffen. Der Blues-Musiker Robert Johnson soll an einer Kreuzung seine Seele an den Teufel verkauft haben, um ein besserer Gitarrist zu werden – er wurde bekannt als der König des Delta Blues. Also wer weiß, was PORTRAIT des Nachts so an schwedischen Weggabelungen getrieben haben… 😉 Andererseits ist eine Kreuzung auch ganz profan ein Ort, an dem sich entscheidet, wie es weiter geht. Was uns zur Legende vom dritten Album, der make it or break it-Scheibe bringt. Und PORTRAIT haben sich ganz offensichtlich für den richtigen Weg entschieden, denn ganz wie ihre Landsmänner und Brüder im Geiste von IN SOLITUDE liefern die Schweden mit Crossroads ihr bislang stärkstes Album ab. Im Gegensatz zu IN SOLITUDE war bei PORTRAIT allerdings keine Generalüberholung des eigenen Sounds nötig, sondern einfach nur das Perfektionieren der bekannten Formel. Immer noch klingen PORTRAIThauptsächlich so, als hätten MERCYFUL FATE sich mit IRON MAIDEN gepaart. 
Sänger Per Lengstedt – es ist immer noch der selbe Sänger wie auf dem letzten Album, lediglich sein Nachname hat sich geändert – ist weiterhin der Punkt, an dem sich die Geister scheiden werden. Sein hoher, theatralischer, an KING DIAMOND erinnernder Gesang ist nicht jedermans Sache, gibt PORTRAIT andererseits aber einen hohen Wiedererkennungswert. Und gefühlt würde ich sagen, dass der Mann seine Performance noch mal ein Stück weit verbessert hat und variabler sowie weniger anstrengend als bisher singt. Neben dem hohen Gesang gibt es auch mal raue Shouts oder Sprechgesang. Mir gefällt das sehr gut. Auch Anders Persen gestaltet sein Schlagzeugspiel raffinierter als auf dem Vorgänger Crimen Laesae Majestatis Divinae, wo er mir noch eine Spur zu simpel agierte. Das größte Lob muss aber ganz klar an das Gitarristen-Duo Christian Lindell und Neuzugang David Oloffson gehen. Seien es die vertrackten Widerhaken-Riffs oder die Gitarrenharmonien und Soli – das Spiel der beiden ist einer der ganz großen Pluspunkte von Crossroads. Dieser  lange Solo-Teil in Our Roads Must Never Cross ab 2:40 – Zucker! Vielleicht hatte da ja tatsächlich der Teufel seine Finger im Spiel. 
Und letztendlich sind auch die Kompositionen der Schweden noch mal packender als auf dem Vorgänger. Seien es der fast sieben Minuten lange Opener At The Ghost Gate, das super eingängige, treibende und dennoch spannende  We Were Not Alone, das rasante In Time oder der neun Minuten lange, sehr deutlich an KING DIAMOND angelehnte Rausschmeisser Lily – es fällt schwer, hier Ansätze für Kritik zu finden. Die Songs gehen trotz aller instrumentalen Hakenschläge und gesanglichen Extravaganzen immer sofort ins Ohr und sprechen die Ur-Instinkte jedes Headbangers an. Lediglich mit Black Easter tue ich mich etwas schwer. Was das Cover und die Produktion angeht, da bleiben PORTRAIT bei Bewährtem. Das Artwork sieht zumindest so aus, als würde es vom selben Künstler wie das von Crimen Laesae Majestatis Divinae stammen, und die Produktion hat man erneut zusammen mit  Tore Stjerna gefahren – das Ergebnis spricht für sich. PORTRAIT haben auf ihrem dritten Album tatsächlich fast alles richtig gemacht und liefern mit Crossroads ein weiteres Highlight in Sachen traditioneller Metal in diesem Jahr ab. 

Veröffentlichungstermin: 25.04.2014

Spielzeit: 42:52 Min.

Line-Up:

Per Lengstedt – vocals
Christian Lindell – guitars
David Olofsson – guitars
Mikael Castervall – bass
Anders Persson – drums

Produziert von Tore Stjerna & PORTRAIT @ Necromorbus Studio
Label: Metalblade

Homepage: http://www.portraitmetal.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/portraitsweden

Tracklist:

01. Liberation
02. At The Ghost Gate
03. We Were Not Alone
04. In Time
05. Black Easter
06. Ageless Rites
07. Our Roads Must Never Cross
08. Lily