NOEKK: Waltzing In Obscurity

NOEKK: Waltzing In Obscurity

„Arrows forged by the sun / bore through the penitent´s cloak. / Secret pain secreting pus / thrusts forth from its tormented body. / Tired of waiting, I yearn / for the secluded place / of the nocturnal bird´s call.“ So beginnt mit „Waltzing In Obscurity“ das gleichnamige Album von NOEKK, das erste seit vielen Jahren, trotz des ersten musikalischen Lebenszeichens der EP „Carol Stones and Elder Rock“ vor einem Jahr ungestüm, wild, überraschend laut und hart. Sowohl Text als auch Musik setzen gleich ein Ausrufezeichen: Hier hat jemand genug von der Stille, genug auch zunächst von der erhabenen Melancholie, die auf der EP noch bestimmend war. NOEKK spielen Progressive Rock skandinavischer Prägung, und sie spielen ihn so energisch, frisch und ausgeruht wie nie zuvor jemand.

Und doch ist da die Sehnsucht nach dem Ruf des Nachtvogels. NOEKK sind Schwadorf und Helm, bekannt von EMPYRIUM, und so froh ich auch bin, dass NOEKK sich mit diesem Album wieder deutlicher vom anderen Projekt abhebt, so erleichtert bin ich auch, dass „Waltzing In Obscurity“ trotzdem Wehmut atmet. Sie drängt sich sich nicht auf – ich benötigte viele Durchläufe, um mir das Album zu erschließen -, aber sie ist da, immer wieder klug eingestreut in die durchaus recht klassische Rockmusik („The Giant“) und am Ende, mit „The Secret Beaker“ und „The Lily Of Reverence“, wieder genauso prominent wie noch auf „Carol Stones and Elder Rock“.

„Waltzing In Obscurity“ – eine perfekt produzierte Meisterleistung

Doch die Stücke funktionieren auch ohne große Momente; jedes lässt nach und nach Ohrwürmer frei, wie man es aus dem Progressive-Genre kennt: Plötzlich lässt einen diese rhythmische Verschiebung nicht mehr los, auf einmal möchte man jene eigentlich dissonant erscheinende Partie immer wieder hören. Dazu die perfekte Produktion, die nicht nur jedem Instrument (vor allem Schlagzeug und Synthesizer/Orgel sind wieder eine wahre Wonne!) warmen vollen Raum bietet, sondern auch den Gesang erhaben strahlen lässt: Thomas Helms Stimme war immer schon ein Genuss sondergleichen, aber auf „Waltzing in Obscurity“ klingt sie so voll und kräftig wie nie und wird somit auch den angenehm poetischen Texten gerecht, die zu lesen ebenfalls ein Genuss ist. Eine Meisterleistung in jeder Hinsicht!

Wenn es eines gibt, was ich mir von diesem Werk noch gewünscht hätte, dann vielleicht die ein oder andere Hymne der Marke „Archaic Tune“ (von der Vorgänger-EP) – aber wenn NOEKK in der aktuellen Verfassung ein Anzeichen dafür darstellen, dass Schwadorf und Helm auf dem Zenit ihrer kompositorischen Klasse angelangt sind, darf man solche wohl vom nächsten EMPYRIUM-Werk erwarten. „Waltzing In Obscurity“ jedenfalls ist ein Muss für Prog-Rock-Fans und solche, die es noch werden wollen.

Spielzeit: 44:34 Min.
Veröffentlicht am 6.9.2019 auf Prophecy Productions

NOEKK – „Waltzing In Obscurity“ – Tracklist

1. Waltzing In Obscurity
2. Perseus
3. The Mirror
4. The Giant
5. On Summits
6. Mortlach
7. The Windwaker
8. The Secreat Beaker
9. The Lily Of Reverence

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Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.