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NOEKK: Carol Stones and Elder Rock

NOEKK: Carol Stones and Elder Rock

Prophecy Productions war 1997 eine Offenbarung für mich: ein kleines DIY-Label aus der Provinz, das auf kopierten Flyern sein Programm aus märchenhafter, naturromantischer Musik vorstellte – das war genau das, was ich für meinen jugendlichen Eskapismus brauchte. EMPYRIUM, PARAGON OF BEAUTY und AUTUMNBLAZE hießen meine Favoriten, und an deren Frühwerke kommt für mich emotional bis heute kaum was ran. Prophecy veränderte sich dann über die Jahre sehr, und mit ihm die Bands der ersten Stunde. Übrig blieb der Anspruch, besondere Musik zu veröffentlichen, aber das Märchenhafte war nicht mehr so wichtig. Heute ist Prophecy ein Label, das zwar nach wie vor für Qualität, aber weniger für musikalische und atmosphärische Einheit steht. In der Fan-Gruppe “Third Ear” stand neulich die Frage im Raum, was den spezifischen Charakter des Labels ausmacht, und ich wusste keine Antwort darauf – zwischen SPIRITUAL FRONT, BETHLEHEM, GLERAKUR, KHÔRADA und wie sie alle heißen gibt es für mich außer der gleichen Musikinstrumente und der hohen Qualität nahezu keine Gemeinsamkeiten mehr.

“Carol Stones and Elder Rock” ist die Fortsetzung der Rückkehr zu alter Stärke

Da tut es doppelt und dreifach gut, wenn einzelne Prophecy-Musiker der ersten Stunde sich wieder auf ihre Wurzeln besinnen: NOEKK bestehen aus den gleichen Musikern wie EMPYRIUM – Schwadorf und Thomas Helm -, und mit ihrem aktuellen Output “Carol Stones and Elder Rock” lieferten sie 2018 als Vorbote zum dieses Jahr erscheinenden neuen Album eine enorm stimmige EP ab, die musikalisch und atmosphärisch auch beinahe unter dem Namen EMPYRIUM hätte veröffentlicht werden können. Das war auf früheren NOEKK-Werken noch nicht so – dort dominierte der skandinavische Art-Rock-Einfluss. Die neue EP jedoch ist herbstliche Naturmystik pur und bietet mit “Pan” und “Archaic Tune” zwei Stücke, die auch eine prima Ergänzung zur “The Mill”-Single von EMPYRIUM hätten sein können, ohne dass es irgendwem aufgefallen wäre. “The Mill” markierte eine Rückkehr zu alter Stärke, und “Carol Stones and Elder Rock” macht da weiter: Die Musik ist perfekt aufgenommen, hymnisch, unglaublich romantisch und alles in allem ein gefundenes Fressen für alle, die, wie ich, immer noch irgendwie in ihrer Jugend hängengeblieben sind und sich auf langen Spaziergängen durch die Landschaft gerne an sie erinnern. Dass sie mir sogar besser gefällt als “The Mill”, liegt an dem Prog-Einfluss, der natürlich noch deutlich hörbar ist – die Rhythmik ist ein Genuss für sich, Schwadorf hat sein Schlagzeugspiel perfektioniert. Und wenn in “Archaic Tune” zunächst der Synthesizer die 70er einfliegen lässt und dann ein aggressives Schlagzeug unter träumerischen Akustik-Gitarren loslegt, verstehe ich nicht, warum dieses Projekt nicht deutlich mehr Aufmerksamkeit erhält. Über Helms Gesang muss man keine Worte mehr verlieren – besser geht es schlicht und einfach nicht.

Ich bin ehrlich – hätte nicht gedacht, dass die beiden nochmal zu solcher Stärke zurückfinden. Da kann 2019 Großes auf uns zukommen!

Spielzeit: 12:04 Min.

Veröffentlicht am 28.09.2018 auf Prophecy Productions

Tracklist:
1. A Loss
2. Pan
3. A Vision
4. Archaic Tune

Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.