MOGWAI: As The Love Continues

MOGWAI verstehen es selbst nach zehn Alben wie keine zweite Band, verschiedenste Stimmungen und Emotionen in einen wunderbar weichen und warmen Sound zu kleiden. „As The Love Continues“ bietet Musik zum Davonschweben, zum Träumen, zum Fallenlassen. Es ist ein Klischee und doch der Kern dieses Albums.

In seinem Buch „The Seven Basic Plots“ wagte der Autor Christopher Booker eine gewagte These: Bricht man sie herunter, lassen sich alle Geschichten auf einen von sieben Archetypen zurückführen. Sicherlich ein kontroverser Ansatz, der aber auch eines verdeutlicht: Wenn wir schon immer wieder auf den gleichen Handlungsrahmen zurückgreifen müssen, sind die Details – und wie wir unser Repertoire arrangieren – umso wichtiger. Wiederkehrende Themen beobachten wir natürlich auch in der Musik und nicht zuletzt im Post Rock, wo sich selbst etablierte Acts nach zahllosen Alben irgendwann im Kreis zu drehen scheinen. Auftritt MOGWAI.

Auch „As The Love Continues“ folgt eigentlich diesem Schema: Album Nummer zehn ist weitgehend frei von Überraschungen und bewegt sich in exakt den Bahnen, welche die Schotten einst groß gemacht haben. Wird das im Jahr 2021 zum Problem für die Gruppe? Keineswegs, denn MOGWAI bleiben weiterhin Herr ihrer eigenen Erzählung.

Das Kopfkino will bei “As The Love Continues” gar nicht aufhören

Die Band versteht es wie keine zweite, die verschiedenen Stimmungen und Emotionen in einen wunderbar weichen und warmen Sound zu kleiden. „As The Love Continues“ bietet Musik zum Davonschweben, zum Träumen, zum Fallenlassen. Es ist ein Klischee und doch der Kern dieses Albums. Dass wir in diesem weitläufigen und hervorragend produzierten Klangkosmos nicht verloren gehen, ist auch der Dramaturgie dieser 61 Minuten zu verdanken.

Mit naiver Leichtigkeit und kindlicher Energie nimmt uns „Here We, Here We, Here We Go Forever“ bei der Hand, bevor uns „Dry Fantasy“ auf eine Entdeckungsreise schickt. Es ist das Gefühl, ein außergewöhnliches Naturschauspiel zum ersten Mal erleben zu dürfen: eine geheime Höhle, ein unterirdischer See, die Reflektion des Wassers, die sich an den umliegenden Kristallen bricht. Das Kopfkino will gar nicht aufhören.

Ein Glück, dass MOGWAI die Zügel fest in der Hand behalten und uns regelmäßig in die Realität zurückholen: Die Indie Rock-Single „Ritchie Sacramento“ – das einzige Stück mit regulärem Gesang – erinnert atmosphärisch an TIGER LOU zu „The Wound Dresser“ (2016), die uns bisweilen ein ähnlich wohliges Gefühl des nach Hause Kommens beschert haben. Später fängt uns „Ceiling Granny“ mit seinem prägnanten Hauptriff ein: warm und aufbauend, aber gleichzeitig doch irgendwie garagig.

MOGWAI bleiben auch nach zehn Alben begabte Geschichtenerzähler

Allein in der zweiten Hälfte fehlen hier und da die Ankerpunkte. „As The Love Continues“ wird dadurch nicht langweilig, wir müssen uns und unsere Gedanken allerdings häufiger selbst wieder in die Spur bringen. Das macht die Streicher-Arrangements in „Midnight Flit“ nicht minder aufregend, lässt uns aber immer wieder hinter die Kulissen blicken, wo dann eben doch deutlich wird, dass MOGWAI vorwiegend auf vertrautes Werkzeug setzen.

Bemerkenswert ist dennoch, wie mühelos die vier Musiker diesen Umstand selbst auf dem zehnten Studioalbum zu verstecken wissen. MOGWAI sind eben nicht nur Meister ihrer Instrumente, sondern – auch ohne Worte – wahnsinnig begabte Geschichtenerzähler, die wohl selbst aus nur einem einzigen Handlungs-Archetypen eine Fülle an packenden Erzählsträngen weben könnten.

Veröffentlichungstermin: 19.02.2021

Spielzeit: 61:23

Line-Up

Stuart Braithwaite – Giatrre, Bass, Vocals
Dominic Aitchison – Bass, Gitarre
Barry Burns – Gitarre, Bass, Keyboards, Synthesizer, Flute, Vocals
Martin Bulloch – Drums

Produziert von Dave Fridmann

Label: Rock Action Records

Homepage: https://mogwai.scot/
Facebook: https://www.facebook.com/mogwai

MOGWAI “As The Love Continues” Tracklist

1. To The Bin My Friend, Tonight We Vacate Earth
2. Here We, Here We, Here We Go Forever
3. Dry Fantasy (Video bei YouTube)
4. Ritchie Sacramento (Video bei YouTube)
5. Drive The Nail
6. Fuck Off Money
7. Ceiling Granny
8. Midnight Flit
9. Pat Stains (Audio bei YouTube)
10. Supposedly, We Were Nightmares
11. It’s What I Want To Do, Mum