MOGWAI: Hardcore Will Never Die, But You Will

MOGWAI: Hardcore Will Never Die, But You Will

Egal was die Scheibe bringt, einen Titel haben sich MOGWAI schon vor dem ersten Ton verdient – der sympathischste Albumtitel des Jahres: Hardcore Will Never Die, But You Will. Haben Stuart Braithwaite und Konsorten etwa die letzten Reviews der lokalen Beatdown-Hardcoreszene im Münchner Umland gelesen? Gehts in Glasgow auch so zu? Man weiß es nicht. Dass der Titel wahrlich Eier hat, das hat mir gegenüber bislang jedenfalls noch keiner bestritten, als er mit dem Lachen aufgehört hat.

Doch manch einer wird vielleicht schon jetzt mit den Augen rollen. Legen die Typen aus Glasgow mit ihren kakophonischen Songtiteln schon wieder ein schnödes Album vor, wo beim Hören die ganzen Postrock-Nerds wieder davon träumen, ihrer Freundin einen Antrag zu machen? Einschläfernd wie das Genre insgesamt? Ich würde sagen: Nein.

Vielleicht hatte die Band ein bisschen genug davon, immer mit unendlichen Steigerungen und Bettakrobatik-oh-ja-bald-isses-soweit-Mucke verknüpft zu werden und so gehen MOGWAI auf dem aktuellen Longplayer insgesamt etwas straighter und direkter zur Sache. Klar, gibt es mit Songs wie White Noise, Death Rays, Letters To The Metro, Too Raging To Cheers oder How To Be A Werewolf mal wieder MOGWAI in klassischer Form zu bewundern. Weitläufige Delaygitarren die deine gottverdammten Sorgen und Gedanken in den Koffer packen und quer die Weltgeschichte mitnehmen und sich in harten Gitarrenwänden ergießen. Die dich in der S-Bahn nach draußen starren lassen, während der vergangene Scheißtag an deinem inneren Auge vorbeizieht. Bei denen du manchmal gerne am Ende auf Stop drücken und jemanden der dir wichtig ist anrufen würdest, weil dir klar wurde, was du sagen willst. Das was jeder befürchtet hat, aber was auch jeder von den Schotten erwartet, ja.

Doch dann gabs ja noch so die andere Hälfte der Platte zu füllen und da wird es fuzzzinierend. Ein Hoch auf das Gaspedal, das Fuzzpedal und den Drang ordentlich den Stänkerern den Finger zu zeigen. Denn mit Mexican Grand Prix, Rano Pano oder San Pedro wird wahrlich nicht der Trabbi auf der Grand Prix-Strecke ausgefahren. Vor allem Rano Pano brennt sich mit seinen kreischenden Fuzz-Gitarren ohne Ende in die Gehörgänge und damit sind MOGWAI weit weniger gefällig, als sie es zu Zeiten von “Rock Action” waren. Mit diesen Songs kehren sie wieder mehr zu ihren Wurzeln zurück, wie damals bei Mogwai Young Team mit dem Song With Portofolio wo einen der Stereoeffekt schier kirre gemacht hat. Kratzend und schwerfällig bohrt sich dieser Song also von Sekunde zu Sekunde weiter und macht auch keine Anstalten sich auch nur einen bpm schneller zu bewegen, das gefällt. George Square Thatcher Death Party” verbindet einen strangen Titel, schräge Synthies und ein schöner knurriger Bass, geht ebenfalls sauber nach vorne.

Doch oh Gott, Samples! Ja, Samples! DAS Stilmittel per se im Postrock… es findet sich auch bei aktuellen MOGWAI. Aber kein Grund zur voreiligen Schande: You´re Lionel Ritchie – scheinbar hat die Band seit der Vorgängerscheibe Spaß dran, mindestens einen Musikernamen in einem Songtitel zu verwursten – hat Klasse. Mit achteinhalb Minuten der längste Song der (regulären) Scheibe, ist auch hier wieder das Gespür in Melodik und Songaufbau zu finden, die MOGWAI seit Jahren auszeichnet – spätestens dann, wenn MOGWAI die Verzerrer wieder zum Glühen bringen. Vor allem live dürfte dieser Song für offene Quatschklappen sorgen.

Als kleines Zuckerl wie man hier im südlichen Raum Deutschlands sagt, ist in der Erstauflage der CD noch eine zweite CD enthalten mit dem Soundtrack zur Installation Monument For A Forgotten Future von Douglas Gordon und Olaf Nicolai, geschrieben von MOGWAI und betitelt als Music For A Forgotten Future (The Singing Mountain). Dieser Song zeigt wieder, welche Klasse MOGWAI vielleicht auch durch ihre Zusammenarbeit mit CLINT MANSELL bei The Fountain gewonnen haben und machen die Erstauflage definitiv zu einem sehr lohnenswerten Kaufobjekt. Ich jedenfalls bin in dem 20-Minüter schier versunken.

Also Stuart, Dominic, Martin, Barry und John was kann man nun zu eurer Platte sagen: Mist. Denn irgendwie habt ihr es schon wieder geschafft, eine gute Platte zu machen, die nicht als Kopie der Platte davor oder der Vorvorgänger dasteht. Wieder mal habt ihr geschafft, den ständigen (Post-)Rock is Dead!-Nörglern ans Bein zu pissen. Dafür gibts ne imaginäre 9 von 10. Aber nur, damit ihr euch weiter so anstrengt. Ha!

Gastreview von comlag

Veröffentlichungstermin: 14.02.2011

Spielzeit: 53:05 (CD1) / 23:09 (CD2) Min.

Line-Up:

Stuart Braightwaite – Gitarre, Gesang
John Cummings – Gitarre, Gesang
Barry Burns – Gitarre, Piano, Synthesiser, Gesang
Dominic Aitchison – Bass
Martin Bulloch – Drums

Luke Sutherland – Human Singing on “Mexican Gran Prix”; Violin on “White Noise”, “Mexican Grand Prix” and “Too Raging to Cheers”; Additional Guitar on “White Noise” and “Rano Pano”:
Domenico Loiacano, Kate Braithwaite, Andrew Lazonby and Kim Supajirawatananon- Additional Voices
Greg Lawson and Mary Ward – Violin
Emma Peebles – Viola
Helen McSherry – Cello

Produziert von Paul Savage and Mogwai
Label: Action Records / PIAS

Homepage: http://www.mogwai.co.uk/

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/mogwai

Tracklist:
CD 1: Hardcore Will Never Die But You Will
1.    White Noise
2.    Mexican Grand Prix
3.    Rano Pano
4.    Death Rays
5.    San Pedro
6.    Letters To The Metro
7.    George Square Thatcher Death Party
8.    How To Be A Werewolf
9.    Too Raging To Cheers
10.   You´re Lionel Ritchie

CD 2: Music For A Forgotten Future (The Singing Mountain)