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MADE OUT OF BABIES: Coward

MADE OUT OF BABIES: Coward

Du Feigling, der sich nicht traut, diese Scheibe anzuhören. Das Cover deutet es bereits an: MADE OUT OF BABIES haben sich schon mit Kleineren wie dir angelegt. Das Quartett aus Brooklyn spielt die Musik, die man von vielen Bands dort kennt: Noise Rock. Die erbarmungslose Version. Die, die dir in die Fresse schlägt, bis du am Boden liegst, die dir dann noch in die Rippen tritt und dann einen zärtlichen Kuss gibt. So schizophren wie Coward ist, so facettenreich, so schön und doch so krass und heftig – da muss eine Frau mitmischen.

Und in der Tat, Julie Christmas, die charismatische Sängerin des Quartetts, verleiht dem Album ihr Gesicht. Klar, die Musik selbst ist schon verdammt gut, aber die Stimme dieser Frau macht die Band erst zu etwas Besonderem. Man sollte MADE OUT OF BABIES zwar nicht darauf reduzieren, aber wenn Julie Christmas das Album mit einem markerschütternden Schrei einleitet, dann weiß man, was das Stündchen geschlagen hat und wer das Sagen hat. Doch sie kann viel mehr: singen, flüstern, hassen, lieben, winseln – in ihren Songs steckt das einhundertprozentige Leben, mit allen Sonnen- und Schattenseiten, wobei man hier meinen könnte, dass die Schattenseiten deutlich überwiegen. Die Musik bildet das Grundgerüst für die Performance der Frau, die in die Fußstapfen von JARBOE und PJ HARVEY treten wird, wenn diese sich zur Ruhe begeben. Schon auf diesem Album steht sie diesen großen Frauen in nichts nach.

Die drei Musiker spielen sehr minimalistische Musik: Bass, Gitarre, Schlagzeug, ein paar treffsichere Riffs, viel Atmosphäre und schon ist ein großartiger Song fertig. Dabei wird gelärmt, gegroovt, mal einen Gang zurückgeschaltet und viel mit Dynamik gespielt. Als wäre es die leichteste aller Übungen. So entstehen Songs wie Mandatory Bed Rest und Fed, die sich langsam aber sicher und mit äußerster Boshaftigkeit auf die Suche nach dem Punkt am Hörer machen, der am meisten schmerzempfindlich ist. Und wenn er getroffen wurde, versteht man das Album auch viel besser, man beginnt es langsam in sich aufzunehmen und merkt – Coward ist eigentlich ein wunderschönes Album. Trotz dem fies verzerrten Bass, den dissonanten Gitarren und dem böse dreschenden Schlagzeug, die im Kollektiv Songs wie Silverback und Mr. Prison Shanks in eine noisige Höllenfahrt verwandeln. Aber ohne der Leidenschaft einer Julie Christmas hätte dieses Album nie seine Durchschlagskraft erhalten. Man merkt, hier haben sich zwei Parteien gefunden – Musiker und Sängerin –, die besser nicht harmonieren könnten.

Die knapp vierzig Minuten des Albums sind äußerst kurzweiliger Natur, aber nur wenn man sich reingehört hat. Ich verstehe es voll und ganz, wenn nach dem ersten Durchgang die Nerven erstmal blank liegen und der Hörer nicht weiß, was er davon halten soll. Ein Mix aus NEUROSIS, THE JESUS LIZARD und UNSANE mit einer Sängerin, die klingt wie PJ HARVEY auf Heroinentzug? Nicht nur. Das ist mehr, das ist etwas mit einem völlig eigenen Charakter, etwas Schwieriges und einfach Eigenes. Harsch, wild, ungebremst, aber verflucht sexy. Und wer hätte diesen Bastard klanglich besser veredeln können als Produzentenkoryphäe Steve Albini? Niemand. Coward ist ein Album, welches das Debüt Trophy locker toppt. Es kommt ohne Ausfälle aus und quält, befreit, reinigt den Hörer mit seiner neurotischen Ausrichtung. Großes Gefühlskino, nicht für jeden, aber für diejenigen, die wissen, dass schöne Musik nicht aus simplem Schönklang besteht, und dass Intensität mehr ist als nur ein fettes Riff.

Veröffentlichungstermin: 22. September 2006

Spielzeit: 37:25 Min.

Line-Up:
Julie Christmas – Vocals
Bunny – Guitars
Cooper – Bass
Matthew Eagan – Drums

Produziert von Steve Albini
Label: Neurot Recordings

Homepage: http://www.madeoutofbabies.com

Tracklist:
1. Silverback
2. Proud to Drown
3. Fed
4. Mandatory Bed Rest
5. Death in April
6. Out
7. Lullaby 03
8. Mr. Prison Shanks
9. Gunt