MADE OUT OF BABIES: The Ruiner

MADE OUT OF BABIES: The Ruiner

Der Prozess des Erwachsenwerdens setzt sich unwillkürlich fort, weit ausgiebiger als zuletzt. Lasst es mich erklären, während Trophy das trotzige, boshafte Kind war und Coward eine sehr schwierige Pubertät, dann sind The Ruiner die ersten, zaghaften Schritte in Richtung Erwachsenenwelt. Immer noch voller Wut, immer noch ungestüm, aber deutlich mehr entfaltet. MADE OUT OF BABIES geben somit dem Noiserock ein neues Antlitz. Deutlich divenhafter, mit enorm durchdachten Songs und der großartigen Leistung aller Beteiligten ist das bisher beste Album des Quartetts entstanden.

Das beginnt schon mit Cooker, das einerseits chaotisch und wild ist, andererseits aber wunderschöne, verträume Stellen beinhaltet. Großartige Arrangements sorgen für dauerhafte Spannung und für Gänsehaut, sowie für einen, im kruden Sinne, Ohrwurmcharakter. Dieses Grundrezept bleibt bei den restlichen acht Songs erhalten. Der verzerrte, pumpende Bass ist das, was noch am meisten an typischen Noise Rock erinnert, darüber gibt es mächtige Riffs, zarte Leadgitarren, treibendes, mit Freude gespieltes Drumming und die beste Leistung von Julie Christmas, die sie bisher auf CD gespieen hat.

Nicht nur, dass sie ihre einzigartige Stimme gekonnt einsetzt und auch, wie in Invisible Ink den eigenen Background-Gesang übernimmt und dadurch fast musicalartig klingt, der Wechsel aus irrem Geschrei und wütendem Gebrüll, sowie zartem, wunderschönem Gesang ist fließend und so gut durchdacht, dass es zum reinen Staunen auffordert. Das Songmaterial ist unglaublich stark, der bereits erwähnte Opener Cooker und Invisible Ink sind große Songs, doch auch das düstere, von Country inspirierte Stück The Major, das hypnotisierend knurrende Bunny Boots, sowie die beiden ausufernd langen Stücke Stranger und How to Get Bigger mit einem wahnsinnig gutem Finale, all diese Lieder gehen tief unter die Haut.

Lediglich die zwei kurzen Nummern Peew und Buffalo wirken etwas gehetzt, können sich nicht wirklich entfalten. Schade, die Songs sind zwar nicht schlecht, das restliche Niveau von The Ruiner ist dennoch ein ganz Anderes. Um den dennoch verflucht guten Gesamteindruck zu komplettieren sei die tolle Produktion von Andrew Schneider zu nennen, deutlich weniger räudig als Steve Albinis Arbeit bei Coward, aber dennoch authentisch und mächtig, wobei die Komplexität der Musik niemals leidet. Auch Seldon Hunts Artwork, eine Hommage an 2001 – Odyssee im Weltraum, verleiht der Musik eine weitere Dimension. Zweifellos, kein anderes Album von MADE OUT OF BABIES, und generell im Noise Rock der letzten Jahre, ist so konsequent, so kreativ und so hochwertig. So hat dieses Genre auch in 20 Jahren noch neue Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln, und allein dafür sollte man dieser großartigen Band auf ewig dankbar sein.

Veröffentlichungstermin: 5. September 2008

Spielzeit: 42:29 Min.

Line-Up:
Julie Christmas – Vocals
Brendan Tobin – Guitars
Cooper – Bass
Matthew Egan – Drums

Produziert von Andrew Schneider, MADE OUT OF BABIES und Brady
Label: The End Records

Homepage: http://www.madeoutofbabies.com

MySpace: http://www.myspace.com/madeoutofbabies

Tracklist:
1. Cooker
2. Grimace
3. Invisible Ink
4. The Major
5. Buffalo
6. Bunny Boots
7. Stranger
8. Peew
9. How to Get Bigger

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle