IGNITE: A War Against You

IGNITE: A War Against You

Ist es tatsächlich schon zehn Jahre her, dass IGNITE mit Our Darkest Days ihr letztes Album veröffentlicht haben? Mit Our Darkest Days hatten die Kalifornier damals durchaus für Aufmerksamkeit gesorgt, hatten sie doch den schmalen Grat zwischen authentischem, deftigem Hardcore und fett produzierten, gut ausgearbeiteten Songs perfekt gemeistert und mit diesem Album eine Referenz für die eigene hörenswerten Diskographie seit ihrer ersten EP 1995 geschaffen.

Auch auf A War Against You lassen es IGNITE mit fettem Sound und klasse Melodien so richtig krachen. Wenn sich auch auf diesem Album wieder die Geister an Zoltán Téglás Gesang scheiden dürften – er bestimmt die Songs mit seinem markanten Organ kräftig mit und macht das trotz der öfters in höheren Gefilden angesiedelten Tonhöhe durchaus hörenswert, absolut sicher und immer schön druckvoll und kräftig. Zumal man hört, dass er seine Songs ernst nimmt – auch auf A War Against You setzen sich IGNITE wieder kritisch mit aktuellen Themen auseinander und so fließen allerlei schlaue Gedanken in die Texte mit ein, was beim Hören der Musik für ein authentisches Gefühl sorgt. Kein Wunder bei jemandem, der sich so für politische und ökologische Themen außerhalb der Musik interessiert und engagiert.

Our Darkest Days war 2006 ein richtiger Kracher und schlug von der ersten Sekunde ein wie die viel zitierte Bombe: Fettest möglicher und dabei authentischer Hardcore, Mega-Melodien und eine Energie, die sich sowohl auf CD wie auch live in einem Orkan entlud. Schaffen das IGNITE auf A War Against You auch? Größtenteils, ja. Der nach vorne preschende Opener „Begin Again“ lässt schonmal aufhorchen – man fühlt sich schnell heimisch. Vertrautes auch wieder beim Titelsong „A War Against You“ – Gitarrenarbeit und Melodien, wie man sie spätestens seit Our Darkest Days kennt ziehen dich schnell in ihren Bann und auch das darauffolgende „Oh Not Again“ schlägt in die gleiche Kerbe, wobei der hittige Refrain schon für ein kleines Schmunzeln sorgt. Hier in der villa vampiria hat Sänger Zoltán Téglás ja schon länger den Beinamen des „Klaus Meine des Hardcore“, und spätestens seit diesem Stadion-Rock-Refrain ist dieser Vergleich nicht mehr von der Hand zu weisen. Hardcore für‘s Stadion?! Doch der Rest des Songs drückt wieder gewohnt derbe in die Magengrube, so ist dieser Ausflug durchaus schnell verziehen.

Mit „Alive“ wird es musikalisch etwas fröhlicher, und spätestens hier haben mich IGNITE wieder komplett gefangen. Die markante Stimme trägt auch über diesen Song, leitet über in den hymnenhaften Refrain und endet, wie die meisten der Songs auf dem Album, nach gut drei energiegeladensten Minuten. So macht das Spaß.

„You Saved Me“ schlägt in eine ähnliche Kerbe wie die ersten drei Songs und hier schleicht sich auch erstmals das Gefühl ein, dass trotz aller songwriterischen Talents die Ideen doch langsam auszugehen scheinen. Positiv formuliert könnte man sagen, IGNITE haben ihren Stil seit Our Darkest Days nun gefunden und mit A War Against You verfeinert. Kritischer betrachtet könnte man vermutlich auch einfach das Fehlen neuer Ideen unterstellen.

„Rise Up“ startet ruhig mit unverzerrten Gitarren und etwas tiefer angesiedeltem Gesang, um aber auch hier recht schnell von heavy Gitarren aufgefangen und regelrecht losgerissen zu werden. Und obwohl sich vor allem die Gitarrenarbeit engagiert entwickelt und „Rise Up“ sich zum progressivsten Stück des Albums mausert, kommen nach mehrmaligem Hören leider doch die ersten Gedanken an die Skip-Taste auf. Doch nach den ebenfalls wieder guten Nummern „Where I´m From” und “The Suffering” sorgt „How Is This Progress?“ endlich wieder richtig für Gänsehaut. Megaintensiv und dicht wühlen sich IGNITE durch dieses Stück Musik, voller Spannungsbögen und einem fantastischen Refrain. Und das alles in nur gut drei Minuten. So geht gute Musik auf den Punkt. Für mich das Beste Stück des Albums.

Zum Ende des Albums hin liefern IGNITE mit „You Lie“ das Gegenstück zu „Alive“. Megafettes Riffing und deftiger Gesang schleudern einen wuterfüllten Batzen Musik aus den Boxen. Das sitzt. „Descent“ lässt nach den ersten ruhigen Klängen eine Ballade vermuten, jedoch entwickelt sich dieser Song ebenfalls zu einer intensiven, klasse Uptempo-Hymne.

Mit „Work“ endet A War Against You. Und mit diesem halbballadesken Stück bin ich auch nach einigen Durchläufen noch nicht warm geworden, irgendwie funktioniert das für mich gar nicht und passt auch nicht zum Rest des Albums. Und auch wenn in Zeiten von MP3s vielleicht etwas antiquiert klingt, kommt im zweiten Teil dieses letzen Tracks noch eine kleine Überraschung in Form der ungarisch gesungenen Version eines bereits bekannten Song des Albums.

IGNITE liefern auf A War Against You ein gutes, fett produziertes und mitreißendes Album voller toller Melodien und kleiner Hymnen ab. Jedoch nicht ganz ohne Abstriche – und den vielleicht ersten stilistischen Abnutzungserscheinungen. Trotzdem alle Daumen hoch.

Veröffentlichungstermin: 08.01.2016

Spielzeit: 45:01 Min.

Line-Up:
Zoltán Téglás – Gesang
Brian Balchack – Gitarre
Kevin Kilkenny – Gitarre
Brett Rasmussen – Bass
Craig Anderson – Schlagzeug

Label: Century Media Records

Homepage: http://igniteband.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/igniteband/

Tracklist:
01. Begin Again
02. Nothing Can Stop Me
03. This Is A War
04. Oh No Not Again
05. Alive
06. You Saved Me
07. Rise Up
08. Where I´m From
09. The Suffering
10. How Is This Progress?
11. You Lie
12. Descend
13. Work

Markus
Markus ("boxhamster") hat das Magazin 1999 gegründet und kümmert sich um die Technik und die Weiterentwicklung von vampster, schreibt ab und zu Reviews und fotografiert bei Festivals und Konzerten.