EXTOL: Undeceived

EXTOL schießen den Vogel zwar nicht ab, aber ein starker Steifschuss ist auszumachen.

Wie frustrierend muss es für einen Musiker sein, ein Album fertig gestellt zu haben, aber fast zwei Jahre auf die Veröffentlichung dessen zu warten? EXTOL aus Norwegen könnten bestimmt Lieder davon singen. Das Label Century Media bewies in der Vergangenheit schon oft ein gutes Näschen für aufstrebende Bands und nahm sich des zweiten Full Length-Ablum des Quintetts an. Die Plattenfirma schreibt, die gesamte Szene werde aufhorchen und so weiter. Etwas übertrieben ist diese Behauptung dann aber doch. Der Vogel wird nicht abgeschossen, aber ein starker Streifschuss ist auszumachen.

Sehr originelles Songwriting und starke Fähigkeiten an den Instrumenten überraschen den Hörer bereits auf das erste Mal positiv, wenngleich dieses Album seine Zeit braucht um zu wirken. Die Jungs haben definitiv einiges drauf, schaffen komplexe und detailfreudige Arrangements mit anspruchsvoller Härte zu verquicken. Als Schnittmenge werden MESHUGGAH, OPETH, MY DYING BRIDE und BORKNAGAR angegeben, was den Nagel fast auf den Kopf trifft. Die chaotisch-jazzige Härte und Technik von MESHUGGAH trifft da auf hier und da akkustische und melodische Gitarren wie von OPETH. Interessant ist diese Verknüpfung allemal, da eine ganz eigene Emotionalität dadurch erreicht wird. Außerdem kommt ein norwegisches, wildes Feeling dazu, wie es ihre Landsmänner von BORKNAGAR des öfteren, allerdings nicht ganz so grimmig präsentieren. Dazu noch ein wenig erfrischender Power Metal-Einfluss, der sich nicht nur auf den cleanen Gesang von Klampfer Ole Börud beschränkt, und fertig ist ein kleines Klangerlebnis.

Getrübt wird dieses leider nur durch die teilweise fehlende klare Linie im Songmaterial, welche desöfteren verloren geht. Ich mag solche Alben ja sehr gerne, denn meistens kommt nach dem x-ten Durchlauf diese endlich zum Vorschein. Bei Undeceived verhält es sich leider nicht so. Ist aber nicht ganz so schlimm, denn die schwächeren, konfuseren Songs auf diesem Album finden sich zu Beginn. Mit zunehmender Albumlänge und in den kürzeren Songs wird der Fehler korrigiert. Die Folge dessen ist, dass EXTOL´s Zweitling einen sehr positiven Gesamteindruck hinterlässt, was unter anderem Songs wie A Structure of Souls, Renewal und And I Watch zu verdanken ist. Selbst wenn sie nicht den Eindruck hinterlassen, dass EXTOL bereits am Ende ihrer Suche sind.

In freudiger Erwartung auf das nächste, reifere Album.

Spielzeit: 65:31 Min.

Line-Up:
Peter Espevoll Vocals

Christer Espevoll Guitars

David Husvik Drums

Tor Magne S. Gilde Bass

Ole Börud Guitars, Clean Vocals

Label: Century Media Records

Homepage: http://www.durling.com/extol

Tracklist:
1. Undeceived

2. Inferno

3. Time Stands Still

4. Ember

5. Meadows of Silence

6. Shelter

7. A Structure of Souls

8. Of Light and Shade

9. Where Sleep is Rest

10. Renewal

11. Abadoned

12. And I Watch

13. Human Frailtie´s Grave

14. Shadow of Death