EXTOL: Extol

So muss zeitgemäßer, anspruchsvoller Metal klingen – EXTOL feiern ein starkes Comeback!

EXTOL waren vielleicht nie die beeindruckendste Band, die Norwegen zu bieten hatte, aber ihre sang- und klanglose Auflösung vor sechs Jahren war doch irgendwie traurig. Einfach, weil da so viel noch unausgeschöpftes Potenzial war und weil sich zu wenige für sie interessierten. EXTOL, die mit The Blueprint Dives eine überraschende Wendung schafften, waren der typische Fall des Kritikerlieblings und obendrein auch noch ziemlich tourfaul – das musste ja schief gehen. Nachdem sich ein ehemaliger Teil der Band nun mit MANTRIC austobt, machen Sänger und Bandchef Peter Espevoll, Gitarrist aus Synergy-Zeiten Ole Børud und Schlagzeuger David Husvik nicht dort weiter, wo ihr Album vor dem Split aufhörte, denn dort setzen MANTRIC, ein Teil der ehemaligen EXTOL-Leute an. Es ist schon interessant, wie eine Handvoll Musiker so viel Besetzungschaos erzeugen kann.

Wie dem auch sei, das Comeback-Album Extol – der Titel lässt es bereits vermuten – ist ein selbstbewusstes, forderndes Album, eines, dass in Sachen Härte und Geschwindigkeit viel näher an Synergy ist und trotzdem seine Hände nicht von den melodiösen, elegischen Progressive-Rock-Momenten lassen kann, von denen böse Zungen behaupten, das sei schon fast Alternative. Völlig egal, von wem sich EXTOL nun inspirieren lassen, seien es späte DEATH, CYNIC, OPETH, TOOL oder gar THE HAUNTED, das Endergebnis ist stimmig, fordernd, verspielt, anspruchsvoll, aber nicht konfus. Neben den schnellen, beinahe thrashigen Momenten und den rhythmisch komplexen, schweren Einschüben, gibt es immer wieder lichte, epische Momente, voller Glanz und Gloria. Immerhin: EXTOL sind und bleiben eine christlich geprägte Band, da darf die Hoffnung nicht fehlen. Amen, Bruder.

Den Kitsch umschiffen die drei Norweger gekonnt, ebenso die Moderne. Extol ist dafür ein zeitgemäßes, spannendes, größtenteils originelles Metal-Album geworden, das all diejenigen ansprechen wird, die etwas Anderes, aber nicht zu Abgefahrenes suchen. Diese Gratwanderung gelingt nicht nur durch die exzellenten spielerischen Fähigkeiten im Bereich der Gitarren und des Schlagzeugs, auch durch das fokussierte und stringente Songwriting. Das alles könnte recht emotionslos und unspontan wirken, gäbe es nicht die leidenschaftlichen Soli und den sehr intuitiven Gesang, der in den extremen Momenten eine gewisse Wildheit in die Musik bringt und dann wieder harmonisch und vielschichtig ist, und gerade im klaren Bereich ein bisschen an BETWEEN THE BURIED AND MEs große ausladende Version von Artrock denken lässt.

Die zehn Songs des EXTOL-Comebacks treffen mit beachtlicher Sicherheit ins Schwarze, sind mal flott und kompromisslos (Betrayal, Ministers), mal komplex und unberechenbar (Wastelands und Extol), mal heavy und gemein (Open The Gates) und schließlich episch wie in Faltering Moves und Unveiling The Obscure. Ergo gibt es keine Ermüdungserscheinungen und keine Längen in dieser Dreiviertelstunde. Extol wird so zum bisher besten Album der Norweger und hat das Potenzial, über lange Zeit hinweg mitzureißen und zu faszinieren. Ende gut, alles gut: In ihrer zweiten Inkarnation haben EXTOL nun doch das Potenzial zum Besten zu werden, was Norwegen in Sachen Metal zu bieten hat. Chapeau!

Veröffentlichungstermin: 21. Juni 2013

Spielzeit: 47:56 Min.

Line-Up:
Peter Espevoll – Vocals
Ole Børud – Guitar, Bass, Vocals
David Husvik – Drums, Vocals

Label: Indie Recordings

Homepage: http://www.extolofficial.com/
Mehr im Netz: https://www.facebook.com/ExtolOfficial

Tracklist:
1. Betrayal
2. Open The Gates
3. Wastelands
4. A Gift Beyond Human Reach
5. Faltering Moves
6. Behold The Sun
7. Dawn Of Redemption
8. Ministers
9. Extol
10. Unveiling The Obscure