(DOLCH): Feuer

Das deutsche Mann-Frau-Duo (DOLCH) (es heißt so, weil sein Bandname eigentlich das Bild eines Dolches ist, wenn ich das richtig in Erinnerung habe) hat sich in den letzten Jahren durch lo-fi produzierte EPs einen Namen gemacht in der Untergrund-Black-Metal-Szene eher depressiver Prägung, und nun legt es mit “Feuer” sowohl ihr Debütalbum als auch direkt den Beginn einer Trilogie vor (die nächsten beiden Titel werden “Nacht” und “Tod” sein). Da bin ich doch mal gespannt.

Leider, leider, hab ich mich umsonst in Spannung versetzt. “Feuer” ist zunächst überraschend, dann enttäuschend: Die Produktion ist deutlich klarer als auf den EPs, regelrecht freundlich, und die Lieder versenken auch nach wiederholten Durchläufen keine Widerhaken, sondern plätschern trotz der gewollt finsteren Atmosphäre relativ seicht dahin. Wo ist der doppelte Boden, der Abgrund, in den ich gerne habe gucken wollen?

Gewiss, das Album startet mit “Burn” recht stark und vielversprechend: ein treibender Rhythmus versetzt mich in melancholische Schwingung. Aber danach? “Halo” und “A Funeral Song” sind lediglich schwächere Variationen davon, und danach versucht (DOLCH) sich an elektronischen Elementen, erzeugt dabei aber nicht mehr als das geistige Abbild einer Schwarzen Disko in Bochum-Langendreer: Spätestens bei der zehnten Wiederholung einer Banalität wie ““I’m glad we are not what you want us to be” in “A Love Song” bin ich ob der erstaunlich harmlosen Riffs und der repetitiv hoch und runter wabernden Melodien dezent am Schlummern. Ich horche auf, als die Texte ins Deutsche wechseln und die Atmosphäre ins Bedrohliche wandert, aber die Lieder sind einfach zu lang, um über die volle Distanz nur durch Wiederholung fesseln zu können. Schade!

Veröffentlichung am 15.11.2019 auf Van Records und Totenmusik

Spielzeit: 50:22 Min.

(DOLCH) „Feuer“ Tracklist

1. Burn (5:50)
2. Halo (Afraid Of The Sun) (7:12)
3. A Funeral Song (7:56)
4. A Love Song (4:26)
5. Psalm 7 (6:13) (Lyric-Video bei YouTube)
6. Mahnmal (9:46)
7. Feuer (8:59)