Schockrock, was für ein Wort. Ein Wort, das die Eltern des Verfassers benutzt haben, um auf die Gefahr der menschenverachtenden Untergrundmusik hinzuweisen, als dieser noch ein pickeliger Grünschnabel war. Und vor dieser Zeit Mitte der 1990er gab es dieses Wort auch schon dreißig Jahre. Aber für SATANIC PLANET passt es einfach, und zwar nicht nur wegen des Namens. Zumindest wenn man sich im MAGA-Lager aufhält, findet man ihr zweites Album „Dead Deities“ vermutlich äußerst offensive. Mit Metal haben die elf Songs indes nichts zu tun. Das, was die hartgesottenen Metaller, die VITAL REMAINS beim samstäglichen Beischlaf hören, am ehesten aufhorchen lässt, ist das Line-Up der Band.
Und vermutlich werden genau diese Leute auch getriggert, wenn sie herausfinden, dass Dave Lombardo hier zwischen Industrial, Noise, EBM und Darkwave operiert. Außerdem mit dabei in diesem grotesken Kabinett: Justin Pearson (THE LOCUST), Luke Henshaw (PLANET B) und der Sprecher des „Satanic Temple“ Lucien Graves. Zwischen beißendem Zynismus und typischer Satansrhetorik haben SATANIC PLANET für das Amerika dieser Tage nur Abscheu übrig. Das bringen sie auch authentisch herüber, selbst wenn sie rein gar nichts Metallisches an sich haben. Brachial ist der Sound der Band aber dennoch.
Kein Metal und trotzdem brachial: Auf „Dead Deities“ operieren SATANIC PLANET eher im elektronischen Bereich.
Und das nicht nur wegen Justin Pearsons gewohnt hysterischen Vocals, auch wegen der pulsierenden, verzerrten Soundwand, die Luke Henshaw hochzieht. Henshaw, der dank hip Hop-Background eine andere Definition von Heaviness kennt, macht aus SATANIC PLANET ein originelles Album. Schon der erste Song „Antichrist“ klingt wie ein grelles Kuriositätenkabinett, mit tiefgepitchten Vocals und Pearsons Geschrei, mit Drones und cleveren Lombardo-Rhythmen. Es verwundert nicht, dass diese Nummer ziemlich chaotisch ist. „Church Burning“ ist weniger hektisch, strahlt aber etwas mehr Horroratmosphäre aus, auch dank eingestreutem Soprangesang, wirklich hängen bleibt leider nichts davon.
„Dead Deities“ wirkt über die gesamte Spielzeit wild zusammengewürfelt. Ein Horrorkabinett zwischen ROB ZOMBIE, SKINNY PUPPY, zwischen FANTOMAS und COIL, das allerdings recht zeitgemäß wirkt. Was dabei auf der Strecke bleibt, sind die Momente, die wirklich hängen bleiben. Wie eine Fahrt durch ein Kuriositätenkabinett, in dem an jeder Ecke eine andere Spukgestalt angeleuchtet wird. Wirklich mitreißende Songs entstehen durch diese zahlreichen Schockeffekte nicht, auch wenn „Sam Alito’s Mom“, „Dr. Green“ und das abschließende fast schon tanzbare „Satan’s Spawn“ zumindest in Ansätzen eingängig klingen.
Catchy Songs schreiben SATANIC PLANET nicht. Das Material auf „Dead Deities“ ist dafür zu fragmentiert.
Auf der Metaebene funktioniert „Dead Deities“ einerseits schon, andererseits aber auch nicht. Dass SATANIC PLANETs zweites Album einen Tag vor Halloween erscheint, ist ebenso passend, wie es die Band aber auch zum Gruselkuriosum verkommen lässt. Dabei ist die Protesthaltung von SATANIC PLANET das eigentlich bemerkenswerte an „Dead Deities“: Es provoziert die einen und belustigt die anderen. So wird aus diesem Projekt für Underground-Musik, was „Rick & Morty“ und „South Park“ für Serien ist: Nicht gerade geschmackvoll, übertrieben, unterhaltsam und in allen Belangen völlig freigedreht. Der Schockrock für die zweite Amtszeit Trumps.
Wertung: 6 von 10 Höllenschlünde für Evangelikale
VÖ: 30. Oktober 2026
Spielzeit: 37:42
Line-Up:
Lucien Graves
Justin Pearson
Luke Henshaw
Dave Lombardo
Label: Relapse Recordings
SATANIC PLANET „Dead Deities“ Tracklist:
1. Damnatio Memoriae
2. Antichrist
3. Church Burning (Official Video bei Youtube)
4. Dead Deities
5. Sam Alito’s Mom (Official Video bei Youtube)
6. Headless man
7. Dr. Green
8. Cannibal Syndrome
9. Ouroboros
10. Ammosexual
11. Satan’s Spawn (Official Video bei Youtube)
SATANIC PLANET „Dead Deities“ Full Album Stream bei Youtube
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