Heimweh. Die Sehnsucht nach dem Vertrauten, nach Geborgenheit. Zwar ergründet Sänger Davide im emotionalen Titeltrack zugleich die Abgründe dieses Verlangens – wenn das zu Hause eigentlich der Quell unseres Leids ist -, doch abseits dieses lyrischen Spannungsfelds empfängt uns „Homesick“ mit einem wohligen Gefühl des Nach-Hause-Kommens. SHORES OF NULL haben ihre Identität gefunden, könnten wir es alternativ auf den Punkt bringen.
Mit ihrem melodischen Doom-Death-Metal, welcher aufgrund des passionierten Gesangs auch etwas Gothic-Romantik in sich trägt, sitzen die Italiener fest in einer eigenen Nische: Es ist ein Plätzchen, dem die Band einen grundeigenen Charakter verpasst hat, obwohl die Inspiration in jeder Note erkennbar scheint.
SHORES OF NULL bedienen sich auf „Homesick“ zahlreicher Referenzen, formen daraus aber ein eigenes Profil
So erinnern in „Two Mountains“ Arrangements und Gesang an AMORPHIS, während wir in “Bleed To Life“ oder „Allies Before Defeat“ eine Note PARADISE LOST herauslesen können. MY DYING BRIDE, ältere KATATONIA und SWALLOW THE SUN sind weitere Referenzen, die punktuell eine Rolle spielen, doch derivativ ist das Gesamtresultat zu keiner Zeit. SHORES OF NULL machen sich die Stilmittel ihrer Mitstreiter zu eigen, um sie in einen vertrauten und doch packenden Stilcocktail zu kanalisieren.
Dabei ist „Homesick“ gespickt mit wundervollen Melodien und Gesangslinien, welche Davide Straccione mit einer gesunden Portion Pathos anreichert (u.a. „Society Is The Murderer“, „Disappear“). Growling nutzt der Frontmann zumeist zu Kontrastzwecken, baut dessen Anteil in einem Stück wie „Son of The Tide“ zwischendurch aber auch mal aus, um der Bitterkeit des lyrischen Ichs Gehör zu verschaffen.
SHORES OF NULL zeigen eine Beständigkeit, der man Respekt zollen muss
Die melancholische Grundstimmung des Albums profitiert darüber hinaus von Shaun MacGowans (MY DYING BRIDE) Violine, die im Intro von „Dreaming Of A Scar“ eine Schlüsselrolle einnimmt, doch an anderer Stelle im Hintergrund ebenso Akzente setzt. „Allies Before Defeat“ und der Titeltrack profitieren vom zusätzlichen Streichinstrument genauso wie das death-doomige „The Numbing Void“, welches Natalie Koskinens (SHAPE OF DESPAIR) Stimmfarbe in wundervoller Weise ergänzt.
Blastbeats und gesteigerte Intensität wie in „Another Breath“ mögen die Ausnahme sein, geben „Homesick“ allerdings in den richtigen Momenten den benötigten Schwung, so dass wir schlussendlich selbst ohne allzu große Innovationen im Vergleich zu „The Loss Of Beauty“ (2023) der Beständigkeit SHORES OF NULLs nur applaudieren können. Heimweh mag eine zwiespältige Emotion sein, wie Davide Straccione im Titelstück darlegt. Im Fall der Italiener allerdings bleibt das böse Erwachen glücklicherweise aus, heißt uns „Homesick“ doch selbst an dunkeln Tagen auf Trost spendende Art und Weise willkommen.
Veröffentlichungstermin: 16.10.2026
Spielzeit: 47:40
Line-Up
Davide Straccione – Vocals
Gabriele Giaccari – Guitars
Raffaele Colace – Guitars
Matteo Capozucca – Bass
Emiliano Cantiano – Drums
Produziert von SHORES OF NULL und Marco „Cinghio“ Mastrobuono
Label: Dusktone
Homepage: https://www.shoresofnull.com/
Facebook: https://www.facebook.com/shoresofnull
Instagram: https://www.instagram.com/shoresofnull/
Bandcamp: https://shoresofnull.bandcamp.com
SHORES OF NULL “Homesick” Tracklist
01. Allies Before Defeat
02. Two Mountains (Video bei YouTube)
03. Bleed to Life (Video bei YouTube)
04. Homesick (Lyric-Video bei YouTube)
05. Son of the Tide (Lyric-Video bei YouTube)
06. Dreaming of a Scar
07. Society Is the Murderer
08. The Numbing Void (Video bei YouTube)
09. Another Breath
10. Disappear