TROLLDOM: Tronen

Ein Best Of des Black Metal der späten Neunziger: Mit spielerischer Leichtigkeit beherrschen TROLLDOM auf „Tronen“ die Schnittmenge aus norwegischer Atmosphäre und schwedischer Melodiosität.

Ach, was soll’s. Symphonic Black Metal im Sinne der zweiten Welle macht den Verfasser dieser Zeilen häufig machtlos. Vor fünf bis sieben Jahren, als das Genre wieder mehr en vogue kam, freute man sich noch etwas mehr über Neuerscheinungen, jetzt ist das Ohr schon wieder etwas gesättigter. Daher gab es auch zunächst ein paar Vorbehalte gegenüber TROLLDOM (nicht TRELLDOM!) – so richtig aufregend schienen sie nicht zu sein. Aber dann übertölpeln sie einen doch. Mehr noch: Deren drittes Album „Tronen“ zündet schnell, dank der passgenauen Schnittmenge aus schwedischer Melodik und norwegischem Pomp. Mainman Swartadauþuz, der in zahllosen Underground-Bands spielt (u.a. BEKËTH NEXËHMÜ und GNIPAHÅLAN), könnte hiermit vielleicht sogar ein etwas größeres Publikum erreichen.

TROLLDOM haben von der Essenz des Genres genommen: „Tronen“ ist rasant und episch zugleich.

Vielleicht ein bisschen zu sehr gehen TROLLDOM mit „Tidens Evighet“ in medias res. Das Album startet schnell, brutal und überbordend, aber bald schälen sich die melodiösen Riffs heraus, die mit epischen Synthesizern harmonisch interagieren und dadurch eine weitere Ebene erhalten. Schon „Dräpt ur Dunkel“ weiß das auszunutzen und zusätzlich ein wenig die Geschwindigkeit zu variieren, während „I Völvans Spår“ zwischendurch auch etwas die Lautstärke reduziert. „Etter Falla…“ besitzt Hitqualitäten und ein episches Riff zum Niederknien und erst „Ulvarnas Kall“ kann nicht mehr so ganz mit den ersten vier Stücken mithalten, ist aber trotzdem ziemlich gut. Nur die furios-hymnische Qualität fehlt ein wenig, die etwas zurückhaltenden Momente stehen dem Song aber sehr. Am Ende bekommt „Tronen“ mit „Dödens Släktled Stiga“ sogar einen kosmischen Anstrich und schickt die Hörer*innen hinaus in die kalte Winternacht.

Das dritte Album von TROLLDOM ist tatsächlich eine faustdicke Überraschung, so kompakt, so mitreißend, so stark und relevant hätte man die Black Metal-Band nicht erwartet. Auch wenn „Tronen“ so schnell vorbei ist wie ein Blizzard, macht es Spaß und bleibt hängen. Klassikervibes versprüht das Album zwar nicht zwingend, aber dieser Mix aus VINTERLAND, alten DISSECTION, GEHENNA und KVIST funktioniert tadellos. „Tronen“ klingt dabei auch nicht wie von einem Soloprojekt performt, sondern doch recht vollständig: Gitarrist und Keyboarder Swartadauþuz schart einige starke und gar nicht so unbekannte Mitmusiker um sich, um das Bild zu vervollständigen. Keyboarder Graf Nuzawandils alias Alex Poole (u.a. MARTRÖÐ, CHAOS MOON und HÄXANU) sorgt für frostige Atmosphäre und ex-BENIGHTED-Drummer und Tausendsassa Kevin Paradis untermauert das Album mit seinem souveränen Blast Beat-Drumming. Das Line-Up wird vervollständigt durch Bassist Sortilege und Sänger Thorn, der ebenso wie Paradis den beiden Vorgängeralben Leben eingehaucht hat.

TROLLDOMs „Tronen“ modernisiert das Genre durch den wuchtigen Sound, bleibt ansonsten ursprünglich.

Mit größerer Besetzung kommt jetzt allerdings nicht mehr Epik auf. TROLLDOM werden stattdessen viel kompakter. Verglichen mit den ersten beiden Alben ist „Tronen“ erheblich kürzer, und auch die Songs kommen schnell auf den Punkt – nur „I Völvans Spår“ sprengt die Sechs-Minuten-Grenze, der Rest bleibt darunter. Und überhaupt: Der Sound klingt, verglichen mit den beiden Vorgängern, deutlich wuchtiger und moderner. Mix und Mastering aus den Empty Hall Studios machen die Musik aggressiver, aber auch etwas weniger ursprünglich. Legt man diese Modernisierung des Genres beiseite, sind da einfach sechs starke Songs, voller Furor, voller Erhabenheit. Ein starkes Album, von dem man sich gerne übertölpeln lassen darf, selbst wenn bereits zahlreiche ähnlich gelagerte Platten im Regal stehen.

Wertung: 8 von 10 Felsenthrone

VÖ: 30. Oktober 2026

Spielzeit: 32:30

Line-Up:
Swartadauþuz – Guitars and keyboards

Session Members:
Thorn – Vocals
Graf Nuzawandils – Keyboards
Sortilege – Bass
K. Paradis – Drums

Label: Debemur Morti Productions

TROLLDOM „Tronen“ Tracklist:

1. Tidens Evighet
2. Dräpt ur Dunkel
3. I Völvans Spår
4. Etter Falla… (Official Audio bei Youtube)
5. Ulvarnas Kall
6. Dödens Släktled Stiga

Mehr im Netz:

https://trolldom.bandcamp.com/