Bis heute haben SENTENCED eine riesengroße Lücke hinterlassen. Bis heute, denn SARCATOR haben mit „The Ones We Follow“ ein Album veröffentlicht, dass ich jetzt einfach mal neben die SENTENCED-Alben „Amok“ (1995) und „Down“ (1996) stelle. Denn SARCATOR gehen mit derselben jugendlichen Unbekümmertheit zu Werke, scheren sich einen Dreck um Konventionen und schaffen damit etwas Eigenes mit wahnsinnig hohem Wiedererkennungswert. Auf ihren ersten drei Alben zeigte sich die Band tief im Thrash- und Extrem-Metal der 80er und frühen 90er verwurzelt, der aus SARCOFAGO und KREATOR zusammengesetzte Bandname kommt nicht von ungefähr.
SARCATOR wachsen über sich hinaus – wo bitte soll das noch hinführen?
„The Ones We Follow“, das vierte Album der Schweden, ist aber so viel mehr als Thrash Metal: Hier treffen die großartigen FIELDS OF THE NEPHILIM (unüberhörbar im Übersong „In Search Of Oblivion“) auf Punk (der Opener „The Ones We Follow“ ist der dreckigste und kompromissloseste Einstieg in ein Album seit langem), auf eine Mischung aus Stadionrock und Rock ’n‘ Roll („Rotting Chapels“), alles zusammengehalten von einer staubig-düsteren Western-Atmosphäre. Das Albumcover könnte kaum besser ausgesucht sein! Und auch die Bandfotos, unscharf, körnig und mit viel Hintergrund und ganz wenig Band, sind perfekt gewählt: Ganz weit weg von allen Trends, originell, eigenständig präsentieren sich SARCATOR nicht nur musikalisch, sondern auch optisch als Band, die Dinge anders macht. Heute, wo alle Welt nicht mal mehr das Interesse von Menschen wecken will, sondern blind den Algorithmen hinterherhechelt, ist das bemerkens- und bewundernswert.

Parallel zum Album veröffentlichte Gitarrist und Sänger Mateo Tervonen bei Spotify eine Playlist unter dem Titel „Sarc4ingredients“, wo er die Songs zusammengestellt hat, die ihn und die Band inspiriert haben. Die bereits erwähnen FIELDS OF THE NEPHILIM finden sich dort, DANZIG, THE CULT. Für Rock n Roll stehen THE HELLACOPTERS, für Hardrock D.A.D., W.A.S.P. und MÖTLEY CRÜE, dazu Post Punk von GRAVE PLEASURES, plus eine Handvoll klassischer Rock- und Punksongs. Hör selbst rein, die Liste ist liebevoll kuratiert und bietet obendrein einige Überraschungen.
„The Ones We Follow“: Lasst uns SARCATOR folgen, das wird spannend!
Und hier schließt sich der Kreis zu SENTENCED: Beide Bands kommen aus dem extremen Metal und haben und hatten den Mut, einfach das zu machen, worauf sie Bock haben. SENTENCED haben mir damals als beinhartem Death Metal-Fan die Ohren für klassischen Heavy Metal und Gothicrock geöffnet, SARCATOR stoßen für Thrash- und Extremmetal-Fans die Tür zum düsteren Folk, Western, Americana und vielen anderen Genres auf, ach was: Sie treten die Türen ein. Denn bei aller Komplexität und Verspieltheit ist „The Ones We Follow“ roh, ungezügelt und wild. Da sind die brutalen Voccals von Matoe Tervonen, da ist der brutale Gitarrensound, vor dem die vielen, vielen halbakustischen und unverzerrten Gitarrenparts doppelt gut zur Geltung kommen.
Es gibt Alben, bei denen spürt man beim allerersten Hören, dass sie besonders sind. „The Ones We Follow“ gehört dazu. Zurück in die Vergangenheit und vorwärts in die Zukunft des Metals, SARCATOR können beides.
VÖ: 30. Oktober 2026
Label: Reining Phoenix Music
SARCATOR Line-Up:
Mateo Tervonen – Vocals / Guitar
Leo Buchalle – Guitar
Linus Edmarker – Bass
Jesper Rosén – Drums
SARCATOR „The Ones We Follow“ Tracklist
The Ones We Follow
The Underground Streets
You Gotta Possess Me
In Search of Oblivion (Video bei YouTube)
Rotting Chapels
Bleeding Ages
Volatile Insight
Ain’t Fit to Live (Video bei YouTube)
Wasteland Strider
Wanderlust