Den alten Griechen ging es offenbar auch nicht immer gut, denn sie haben ein Wort für das, was KAVRILA mit ihrem neuen Album „Transcend“ anbieten: Katharsis. Dabei geht es darum, negative Gefühle intensiv zu durchleben, um hinterher wieder beruhigt, geläutert und gereinigt auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest zu blicken. „Transcend“, das dritte Album der Hamburger, lädt ein mit Mitleiden und Besserfühlen.
KAVRILA wissen, wo es wehtut und gehen genau dorthin
Zwischen Sludge, Punk, Doom, Noise und Hardcore zerren KARVRILA unbarmherzig alles ans Licht, was man gerne verdrängt: Schmerz, Trauer, Enttäuschung. KAVRILA reißen die Päckchen auf, die mancher mit sich rumträgt, legen alles frei und zerren es in gleißendes Licht. Wütend wie MANTAR, kompromisslos wie PHANTOM WINTER, manisch wie die alten CONVERGE seziert das Quartett in elf Songs all das, was auf der Seele liegt. Der Albumtitel und das Coverartwork mit einem brennenden Menschen in einem Boot auf dem Wasser fangen wunderbar ein, was auf dem Album zu hören ist: eine zerstörerische Macht wie die von Feuer und Wasser, die alles verschlingt. Und am Ende ist alles doch irgendwie wieder besser oder gar gut.
Eingängige Hits gibt’s auf „Transcend“ keine. Aber wunderbar ausgearbeitete Songs, die Geschichten erzählen.
Im Vergleich zum Vorgängeralbum „Mor“ und den „Rituals I“ bis „Rituals III“-EPs wirkt „Transcend“ ausgearbeiteter, „Mor“ entstand in einer Art „Stream Of Conciousness“-Technik in einer mehrtägigen Aufnahmesession in einem steten, unregulierten Fluss. „Transcend“ ist detailverliebter und ausgearbeiteter. Die Songs haben mehr Tiefe, mehr Variation, die Stimmungen schlagen innerhalb von Sekunden um. Das macht „Transcend“ fordernder und noch anstrengender, gleichzeitig aber auch spannender. Von gefälligen, songdienlichen Easy-Listening-Arrangements sind KAVRILA aber noch immer ganz weit weg, manchmal würde man sich wünschen, dass einzelne Teile vielleicht mehr Raum bekämen – doch KAVRILA hetzen gnadenlos weiter, auf jeden sanften, beruhigenden Moment folgt ein euer Ausbruch, ein weiteres Chaos. Sänger Alex kehrt sein Innerstes nach außen, seine eindringlichen Vocals halten die Songs, das ganze Album zusammen, verbinden schneidenden Gitarrenlärm, wummernde Bässe, treibendes Drumming mit Gitarrengezupfe und akustischen Passagen. Erwähnenswert ist auch der transparente Sound, besonders das Schlagzeug hat einen sehr eigenen Klang, der den sehr eigenen Drum-Stil von Mitos betont.
Live stellen KAVRILA das neue Album Ende November auf einer Tour vor: „Wir sehen uns auf den Live-Dates, um uns gemeinsam zu verlieren und wiederzufinden“, schreibt die Band dazu.
- 20.11. Basel (CH) / Tales Of Wrath Fest
- 26.11. Berlin (D) / Neue Zukunft
- 27.11. Würzburg (D) / Immerhin
- 28.11. Aalen (D) / Frape
- 29.11. Esslingen (D) / Brauhaus zum Schwanen
- 04.12. Hamburg (D) / Stellwerk
VÖ: 6. November 2026
Label: Supreme Chaos Records
Spielzeit: 43 Minuten
KAVRILA „Transcend“ Tracklist & Cover
1. Kinship
2. Domino
3. Heavy Breathing
4. Exhume (Video bei YouTube)
5. Defaced
6. Tenacity
7. Sway (Video bei YouTube)
8. Detention (Video bei YouTube)
9. The River
10. Cleansing
11. A Friend
KAVRILA Line-up:
- Ralph – Bass
- Mitos – Drums
- Andreas – Gitarre
- Alex – Gesang