DÉCEMBRE NOIR: The Renaissance Of Hope

Das Sterben einer Welt ist immer auch eine Tragödie. Was passiert mit all den Träumen, Wünschen und Hoffnungen, wenn das Sein zum Erliegen kommt? Und wie schwer wirkt diese Vorstellung, wenn wir begreifen, dass jedes einzelne Individuum eine solche Welt ist – ein kleines Universum mit eigenen Träumen, Vorstellungen und Hoffnungen?

DÉCEMBRE NOIR gehen sogar einen Schritt weiter und versuchen den Perspektivwechsel: Der quasi-Titeltrack „Hope/Renaissance“ zieht nicht einfach nur eine Parallele zwischen dem Tod einer Welt und dem Ende eines Lebens. Er hinterfragt die Bedeutung dieses einen Wortes, um das sich unsere Existenz so oft zu drehen scheint: Was meinen wir, wenn wir von Hoffnung sprechen?

DÉCEMBRE NOIR gehen ein sensibles Thema mit Feingefühl an

Auf den ersten Blick scheint die Antwort klar: eine bessere Zukunft. Doch was, wenn das Ende die beste Perspektive verspricht? Wenn ein Individuum genau das herbeisehnt? Schwere Kost also, derer sich DÉCEMBRE NOIR auf „The Renaissance Of Hope“ annehmen, und deren medizinethische Überlegungen erstmal verdaut werden wollen.

Dass die Death / Doom-Band die Dualität dieser Fragestellung mit Feingefühl und Würde angeht, spiegelt sich auch in der tragischen Cover-Fotografie, welche in knapp 50 Minuten musikalisch zum Leben erweckt wird. Verzweiflung, Wut, Schwermut, das alles zieht sich wie ein roter Faden durch die sechs Kompositionen auf „The Renaissance Of Hope“.

Am Ende bringt uns auf “The Renaissance of Hope” stets die melodieverliebte Leadgitarre nach Hause

Die mächtigen Riffs des Openers „A Swan Lake Full Of Tears” nehmen uns zu Beginn beinahe die Luft zum Atmen, die donnernden Growls schnüren uns die Kehle zu. Doch gerade als uns die schwere Last auf unseren Schultern zu erdrücken droht, öffnen DÉCEMBRE NOIR ihren Sound für einen kleinen Schimmer am Horizont. Wir klammern uns an die warme Leadgitarre, die uns dem Weg nach vorne zeigt.

Es ist eigentlich ein einfaches Konzept, das DÉCEMBRE NOIR verfolgen und an dem sie auch im Folgenden festhalten. Selbst wenn „Hope/Renaissance“ oder „Streets Of Transcience“ zwischendurch das Tempo etwas anziehen, bringt uns am Ende stets die melodieverliebte Leadgitarre sicher nach Hause. Sogar auf Albumlänge funktioniert dieser Ansatz deshalb so gut, weil das Quintett seine Songs mit viel Verstand arrangiert. Schleppend-doomigen Passagen folgt in „Ritual and Failure“ etwa ausgiebiger Doublebass-Einsatz von Drummer Kevin Kleinschmidt, um den Elan seiner Kollegen mitzunehmen. In „Streets Of Transcience“ wiederum brechen groovende Gitarren die nachdenklichen Einschübe auf.

Auch im letzten Drittel halten DÉCEMBRE NOIR ihr hohes Niveau

Sein hohes Niveau kann „The Renaissance Of Hope“ auch im letzten Drittel halten. „Wings Of Eschaton“ klingt zwischendurch wie eine düstere Version von BURIED INSIDE und setzt zur Hälfte sogar eine Zäsur, die wir fast schon als Breakdown bezeichnen möchten. Mit dem melancholisch-befreienden „Behind The Scenes“ vollenden DÉCEMBRE NOIR schließlich den Perspektivwechsel, den sie in „Hope/Renaissance“ bereits angestoßen hatten. „It is more the thirst to free the soul.“, erfahren wir von einem entschlossenen Lars Dotzauer, ehe uns dämmert, dass das Sterben einer Welt zwar immer eine Tragödie ist, gleichzeitig aber auch die Erfüllung dieses einen Konzepts sein kann, an das wir uns alle in unseren schlimmsten Zeiten klammern: Hoffnung.

Veröffentlichungstermin: 13.11.2020

Spielzeit: 48:01

Line-Up

Lars Dotzauer – Vocals
Sebastian Görlach – Guitars
Martin Ortlepp – Guitars
Stephan Hünniger – Bass
Kevin Kleinschmidt – Drums

Produziert von Alexander Dietz und DÉCEMBRE NOIR

Label: Lifeforce

Homepage: https://decembre-noir.de
Facebook: https://www.facebook.com/DecembreNoir

DÉCEMBRE NOIR “The Renaissance Of Hope” Tracklist

01. A Swan Lake Full of Tears
05. Wings of Eschaton
06. Behind the Scenes