DÉCEMBRE NOIR: Pale Serenades [EP]

“Pale Serenades” ist eigentlich eine kunterbunte Angelegenheit: Dank des mutigen Stilmix und einer erlesenen Riege an Gastsängern zeigt die EP, wie wandelbar das Material DÉCEMBRE NOIRs interpretiert werden kann.

Wir kennen dieses Bedürfnis nur zu gut, endlich mal zu Hause alles umzukrempeln. Warum nicht das Interieur in den eigenen vier Wänden komplett neu sortieren? – Ein Tapetenwechsel im Kleinen sozusagen. Doch anstatt Sofa, Tische und Regale anders anzuordnen, erwischt es bei DÉCEMBRE NOIR das eigene Songmaterial: Vier Titeln, die allesamt unterschiedlicher Schaffensperioden entnommen sind, hat man unter der Regie von Produzent Alexander Dietz (HEAVEN SHALL BURN) und mit einer erlesenen Riege aus Gastmusikern einen frischen Anstrich verpasst.

Obwohl „Pale Serenades“ mit der rein akustisch gehaltenen Interpretation von „A Swan Lake Full Of Tears“ reduziert beginnt, trifft die neu arrangierte Fassung des Tracks dank des durchdringenden Gesangs Mick Moss‘ (ANTIMATTER) direkt ins Herz. Vergleichsweise klassisch bleibt es im neunminütigen „Barricades“, wo das Doom-Death-Korsett abermals gegen ein melancholisch-konsterniertes Akustik-Gewand getauscht wurde. Die gefühlvolle Violine sorgt im Zusammenspiel mit Aaron Stainthorpes (MY DYING BRIDE) markanter Singstimme dabei für ein Flair nicht unähnlich der britischen Doom-Veteranen, in deren Dienst der Sänger normalerweise steht.

“Pale Serenades” zeigt, wie wandelbar das Material DÉCEMBRE NOIRs interpretiert werden kann

Je weiter wir in der Zeit zurückreisen, umso mutiger werden derweil die Experimente. Dass das abschließende „The Forsaken Earth“ nach fast zwei Minuten behutsamen Intros sowohl Tempo als auch Härte anzieht, kommt ähnlich überraschend wie die energischen Screams Matthew K. Heafys (TRIVIUM). Vermutlich nichts für Puristen, aber dafür ein packender Beleg, wie wandelbar das Material DÉCEMBRE NOIRs interpretiert werden kann. Ein Umstand übrigens, welchen schon das Synth-Wave-Gerüst von „Small.Town.Depression“ kurz vorher eindrucksvoll zur Schau stellte. Der tiefe Gesang von END OF GREEN-Frontmann Michelle Darkness ist – und das verblüfft natürlich kaum – wie geschaffen für dieses flächig angelegte Klang-Fundament.

Wir könnten freilich anmerken, dass der heterogene Stilmix „Pale Serenades“ – der vorherrschenden Melancholie zum Trotz – zu einer kunterbunten Angelegenheit macht, welche nüchtern betrachtet keinem klassischen roten Faden folgt. Doch DÉCEMBRE NOIR machen letztendlich daraus eine Tugend: Dank starker Gäste und abwechslungsreicher Neuinterpretationen bleibt die Vier-Track-EP bis zum Schluss interessant. Wenn wir doch bei unseren heimischen Tapetenwechseln doch auch mal so stilsicher sein würden…

Veröffentlichungstermin: 30.09.2022

Spielzeit: 28:07

Line-Up

Lars Dotzauer –Vocals
Martin Ortlepp – Gitarre
Sebastian Görlach – Gitarre
Stephan Hünniger – Bass
Fabian Regmann – Drums

Produziert von Alexander Dietz

Label: Lifeforce

Homepage: https://dnshop.brand-royal.de/
Facebook: https://www.facebook.com/DecembreNoir/

DÉCEMBRE NOIR ”Pale Serenades” Tracklist

01. A Swan Lake Full of Tears (feat. Mick Moss)  5:01 (Video bei YouTube)
02. Barricades (feat. Aaron Stainthorpe)  8:53 (Video bei YouTube)
03. Small.Town.Depression (feat. Michelle Darkness)  6:25 (Video bei YouTube)
04. The Forsaken Earth (feat. Matthew K. Heafy)  7:46