belakor-coherence-album-cover

BE’LAKOR: Coherence

BE’LAKOR bleiben auf “Coherence” vor allem lyrisch weiterhin interessant. Musikalisch bleiben die Australier bei ihrem progressiv angehauchten Melodic Death Metal, der trotz ausladender Strukturen nie überbordend wird – aber auch die großen Momente missen lässt.

Die Assoziationskette will einfach nicht aufhören. Rauchschwaden, Flammen, ein lodernder Wald; sind das Gesichter oder Schemen, die wir da erkennen? Das Cover-Artwork von „Coherence“ lässt in seiner Abstraktheit viel Deutungsspielraum. Ziehen wir die Texte des Konzeptalbums zurate, landen wir schließlich – der monochromen Farbgebung entsprechend – bei Stein, Fels und Granit. Ein Gletscher vielleicht? Plötzlich wird der dynamische Pinselstrich zum Grat. Es ist ein Sinnbild für den progressiv angehauchten Melodic Death Metal BE’LAKORs. Mit ausladenden Songstrukturen und vielschichtigen Arrangements luden die Australier schon immer zum Entdecken und Erleben ein.

Das ist auf ihrem fünften Studioalbum nicht anders, wenngleich „Coherence“ aller Grundqualität zum Trotz mit seinen eigenen Problemchen zu kämpfen hat. Diese sind insofern hausgemacht, da BE’LAKOR musikalisch diesmal Vorsicht walten lassen. Neue Facetten im Sound des Quintetts sind Mangelware und auch wenn das Instrumentarium dank Akustikgitarren und nicht zuletzt Keyboarder Steve Merry das übliche Genre-Repertoire adäquat erweitert, ist die Herangehensweise an die acht Stücke mittlerweile allzu bekannt.

“Coherence” lässt sich sehr gut am Stück hören, ohne überbordend zu werden

Im Zentrum des Songwritings stehen in der Regel die Gitarren, die von klassischem Melodeath-Riffing bis hin zu detailverliebten und klagenden Leadgitarren ein respektables Spektrum abbilden. Etwas schade ist vielleicht, dass im Zuge dessen das Schlagzeug im Mix – gerade im Vergleich zu Gitarren und Vocals – etwas zu sehr ins Hintertreffen geraten ist, zumal die an sich soliden Growls von Gitarrist George Kosmas im Verlauf der 60 Minuten kaum Varianz zeigen. Kein Drama, aber eine ewige kleine Baustelle der Band, die sie nach fünf Alben diesbezüglich doch mehr einschränkt, als wir es in der Vergangenheit wahrgenommen haben.

An anderer Stelle agieren BE’LAKOR weiterhin auf ansprechendem Niveau: Songs wie „Locus“ oder „Foothold“ sind abwechslungsreich gestaltet; ruhige Momente kommen und gehen, Tempowechsel vollziehen sich fließend und natürlich. „Coherence“ lässt sich daher auch sehr gut am Stück hören, ohne überbordend zu werden. Dafür sorgen auch eine Hand voll prägnanter Momente, wenn etwa das Instrumental „Sweep Of Days“ mit den klassischen OPETH flirtet. Die schwedischen Altmeister blitzen auch an anderen Stellen durch, während die klagenden Parts von „Foothold“ vielleicht sogar eine Spur INSOMNIUM in sich tragen.

Inhaltlich zeigen sich BE’LAKOR myteriös und spannungsgeladen

Bedauernswert ist dabei, dass „Coherence“ nicht immer mit diesen markanten Parts aufwarten will: Die Gefahr, sich in den überlangen Songs zu verlieren, ist nie ganz verschwunden. Selbst auf trittsicherem Grund kann im alpinen Betrieb ausgerechnet ein Augenblick der Unkonzentriertheit ein böses Erwachen nach sich ziehen. Der Aufstieg mit BE’LAKOR ist glücklicherweise meist gut gesichert, auch weil uns das fantastische „Hidden Window“ in der zweiten Hälfte umgehend wachrüttelt. Und doch wandern unsere Gedanken immer wieder an andere Orte – eben weil „Coherence“ als Gesamtwerk im Vergleich zu manchem Klassiker der Band hier und da die griffigen Hooks und Riffs fehlt.

Einen Teil seiner Faszination zieht die Platte demnach aus dem lyrischen Aspekt, welcher sich im Kurzgeschichten-Format diversen Tragödien am und im Schatten dieses ominösen Berges widmet, der auf dem Frontcover in abstrakter Gestalt zu mahnen scheint und dessen Name zugleich der erste Song des Albums trägt. Inhaltlich zeigen sich BE’LAKOR in der Folge mysteriös wie spannend, ohne den Raum für Interpretation einzuschränken. Das lässt natürlich abermals die Assoziationskette munter losfeuern, während wir die Stücke nach Querverbindungen und thematischen Parallelen absuchen – genügend Denkanreize und Anknüpfungspunkte haben wir ja dank der düster-bedrohlichen Bild- und Klanglandschaften innerhalb der vergangenen Stunde bereits gesammelt.

Veröffentlichungstermin: 29.10.2021

Spielzeit: 60:03

Line-Up

George Kosmas – Vocals, Gitarre
Shaun Sykes – Gitarre
Steve Merry – Piano, Synths
John Richardson – Bass
Elliott Sansom – Drums

Produziert von Troy McCosker, Jens Bogren (Mix) und Tony Lindgren (Mastering)

Label: Napalm Records

Homepage: https://belakorband.com/
Facebook: https://www.facebook.com/belakorband

BE’LAKOR “Coherence” Tracklist

  1. Locus
  2. The Dispersion
  3. Foothold (Lyric-Video bei YouTube)
  4. Valence (Lyric-Video bei YouTube)
  5. Sweep of Days
  6. Hidden Window (Video bei YouTube)
  7. Indelible
  8. Much More Was Lost