ALLUVIAL: Sarcoma

Vom Instrumentalprojekt zum ausgewachsenen Death Metal-Act: ALLUVIAL zeigen sich auf “Sarcoma” wandelbar und finden dabei die richtige Balance aus Brutalität, Groove und Tempo.

Mittlerweile ist es fast eine Art Klischee: Das fingerfertige Instrumental darf heutzutage auf keiner technisch veranlagten Death Metal-Scheibe fehlen. „Sugar Paper“ nennt sich das Ganze im Fall von „Sarcoma“ und ist dabei weit mehr als ein Stereotyp. Schließlich war das Debütalbum „The Deep Longing For Annihilation“ (2017) noch vollständig instrumental gehalten, Gesang gibt es erstmalig mit dem vorliegenden „Sarcoma“. Deshalb ist es kein Wunder, dass „Sugar Paper“ nicht nur einen Hang zur Dramatik beweist, sondern auch ganz gut zusammenfasst, warum man ALLUVIAL als aufgeschlossener Hörer eine Chance geben sollte. Zumindest, wenn Modern Death Metal kein absolutes Ausschlusskriterium darstellt.

Im Zentrum des Instrumentalstücks steht nämlich wie auf der gesamten Scheibe die Gitarre. Das zementiert bereits die mächtige Produktion, die Gitarrist Wes Hauch (Ex-THE FACELESS) klar ins Rampenlicht rückt. Die Riffs ertönen im Mix ungemein fett und gewaltig, was die Aufmerksamkeit natürlich unweigerlich auf das markante Spiel Hauchs lenkt, der vor allem mit unermüdlichem Bending immer wieder deutliche Akzente setzt.

“Sarcoma” zeigt sich atmosphärisch kalt, unnahbar, dämonisch

Ein Glück, dass ALLUVIAL dem Gitarrenvirtuosen mit Fronter Kevin Muller einen Shouter nach Maß zur Seite gestellt haben. Dessen Growls sind zwar nahezu ausschließlich in den tiefsten Regionen zu verorten, erinnern in ihrer Brachialgewalt aber dafür nicht selten an WHITECHAPELs Phil Bozeman („Anodyne“). Für Abwechslung am Mikro sorgt indes – wer hätte es gedacht – Gitarrist Wes Hauch, der ab und an mit erfrischend rauem Gesang das massive Soundgerüst auflockert.

Im klar gesungenen Refrain von „40 Stories“ hat das Ganze sogar etwas von Troy Sanders (MASTODON), ansonsten sind die seltenen Clean-Vocals in erster Linie ein dosiertes Stilmittel („Thy Underling“, „Sleepers Become Giants“) und kein integraler Bestandteil des Bandsounds. „Sarcoma“ zeigt sich in der Folge so, wie wir es von einem Modern Death Metal-Album erwarten würden: atmosphärisch kalt, unnahbar, dämonisch. Mit diesem klinischen Sound muss man sich freilich anfreunden können, ansonsten könnten ALLUVIAL über die komplette Spielzeit hinweg erdrückend wirken.

ALLUVIAL finden die richtige Balance

Belohnt werden wir im Gegenzug mit einem durchaus abwechslungsreichen Album, das atmosphärische Passagen mit progressiven Strukturen vermählt und – wie etwa in „The Putrid Sunrise“ die richtige Balance aus Brutalität, Groove oder Tempo findet. Das obligatorische Instrumental kurz vor Schluss – wir hatten es bereits angesprochen – mag dagegen zunächst wie ein Klischee wirken, bei ALLUVIAL ist allerdings eher das Gegenteil der Fall: „Sugar Paper“ entpuppt sich letzten Endes als nostalgische Rückbesinnung auf die Wurzeln des Projekts, das nun – zur vollständigen Band angewachsen – die einst ausgesäten Früchte ernten darf.

Veröffentlichungstermin: 28.05.2021

Spielzeit: 38:18

Line-Up

Kevin Muller – Vocals
Wes Hauch – Guitar, Vocals
Tim Walker – Bass
Matt Paulazzo – Drums

Produziert von John Douglass

Label: Nuclear Blast

Facebook: https://www.facebook.com/alluvialmetal/

ALLUVIAL “Sarcoma” Tracklist

1. Ulysses (Audio bei YouTube)
2. Thy Underling (Visualizer Video bei YouTube)
3. Sarcoma
4. 40 Stories (Video bei YouTube)
5. Zero
6. Exponent
7. Sleepers become giants
8. The Putrid Sunrise (Video bei YouTube)
9. Sugar Paper
10. Anodyne