TAKtlos: U und E? Oh je!

TAKtlos und dann noch richtig ernsthaft? Hat aber nix mit Vorsätzen für`s neue Jahr zu tuen, sondern eher mal mit Mindwandering!

In Deutschland gilt immer noch der Satz, nachdem es als eine höhere Kunst angesehen wird jemanden zum Weinen, als denn zum Lachen zu bringen. Schön das die Deutschen da immer noch im selben tumben Denken von vor über 200 Jahren gammeln!

Deswegen sollte es einen auch nicht wundern, wenn in unserer Szene noch krampfhaft in U und E-Musik unterschieden wird. Klar, für Musikprofessoren ist Metal wohl generell ins U-Fach zu packen (wenn sie denn Metal überhaupt kennen, was ich bei vielen älteren Semestern mal bestreiten möchte). Aber auch bei vielen Metalheadz wird mir in letzter Zeit zu sehr mit den Begriffen “ernsthafte Künstler” bzw. “ernsthafte Kunst” inflationär umgegangen.

Der Brockhaus definiert Kunst als:


Kunst,

1) im weitesten Sinn jede auf Wissen und Übung gegründete Tätigkeit (z. B. Reit-K., Koch-K.); 2) in einem engeren Sinn die Gesamtheit des vom Menschen Hervorgebrachten (Ggs.: Natur), das nicht durch eine Funktion eindeutig festgelegt ist oder sich darin erschöpft (Ggs.: Technik), zu dessen Voraussetzungen die Verbindung von hervorragendem Können und großem geistigem Vermögen gehören. Der Ggs. der K. zum Handwerk und zur Wiss. bildete sich erst im Übergang vom 18. ins 19. Jh. aus. Im heutigen Verständnis ist die K. in die Teilbereiche Literatur, Musik, darstellende K. sowie bildende K. gegliedert (Grenzüberschreitungen sind in der Moderne häufig); 3) im engsten Sinn steht K., v. a. im alltägl. Sprachgebrauch, für bildende Kunst. Die Vorstellung von einem allg. gültigen K.-Begriff, für alle Zeiten und Werke anwendbar, ist heute überholt. Die Einschätzung von K. hängt von den Maßstäben einer Epoche und von der individuellen Sicht ab. K.-Rezeption, K.-Theorien und K.-Begriff können nicht getrennt von der Stellung des Künstlers gesehen werden.
Menschl. Kunsttätigkeit reicht weit in vorgeschichtl. Zeit zurück (Felsbilder); sie ist in ihren Anfängen offenbar kultisch und steht vielfach in einem religiösen Zusammenhang.

Blablabla… soweit die Theorie, die graue, zur Kunst. Die Praxis ist da schon enger gefasst. Kunst scheint sich bei manchem Zeitgenossen darin zu erstrecken jede Form von Spaß daraus (der Kunst) zu verbannen. Das ist aber ebenso gewagt wie falsch, denn: Niemand hört doch Musik, weil sie ihm gerade keinen Spaß macht. Auch der düsterste Gothic, der brutalste BM oder der depressivste Grunge ist dazu gedacht ein bestimmtes, ein gewünschtes Gefühl anzusprechen und zu bedienen, weil es dem Hörer gerade Spaß macht (Bedürfnisbefriedigung), in diese Stimmung zu kommen. Unter diesem Gesichtspunkt (nämlich des Gefühls) muss man leider DJ Ötzi auf eine Stufe mit einem der, ach so verehrten, Künstler stellen. Jetzt kann man natürlich mit der Kommerzkeule kommen, das nämlich besagter Ötzi Kohle verdienen will, während der Künstler (der hehre) L’Art pour l’Art praktiziert. Wenn ich dieses aber gelten lasse, muss ich dann nicht eine gnadenlose Kommerzialisierung als Ausdrucksform der Kunst verstehen, wenn ich damit Kommerzlosigkeit und Kommerz ad absurdum führen will? Hat also David Bowie mit seinem Börsengang einen künstlerischen Akt geschaffen? Das will ich jetzt nicht auf DJ Ötzi (& Konsorten) übertragen, obwohl dementsprechend auch Geldgeilheit oder Nichtaussage Kunst sind. Gerade letzteres passt immer wieder in ein entsprechendes Muster: Mir ist es egal ob meine Musik was aussagt, aber man kann dazu tanzen, muss Kunst sein. Wenn man sich das also vor Augen führt, kann es auf Grund der Musik so etwas wie ernstere oder weniger ernste Musik nicht geben, auch wenn man immer selbst wieder geneigt ist Musik in dieser Kategorie zu bewerten. Ganz anders sieht’s natürlich damit aus, ob jemand seine eigenen Sachen darbietet oder nur anderer Leutz Zeuchs wiedergibt (halt die normalen Popmäuschen). Auch darf nach wie vor eine gewisse Komplexität der Musik kritisiert oder gelobt werden und/oder wie der Künstler sich mit dem Thema auseinandersetzt. Auch hier ist aber der Haken. Wenn ich Schlichtheit zu Maxime erhebe und dementsprechend auftrete (wie Nirvana das nach dem Gefrickel der Achtziger taten) oder sage:” Ich reflektier´ meine Meinung nicht, das ist Kunst!”, haben wir den Pferdehuf.

Natürlich ist das hier jetzt alles ziemlich generell gehalten, aber ich wollte extra nicht mit Beispielen aasen, da es dann wohl wieder alles in eine zu persönliche Sicht wandern würde, was ich ausnahmsweise mal vermeiden wollte.

Was bleibt noch? Ob mich ´ne Platte anspricht, inklusive der Art wie man dort ‘Kunst’ lebt? Sieht wohl so aus… Auf Gegenargumente bin ich natürlich gespannt!

Näxtes Mal wird’s übrigens wieder zynischer (versprochen)!