THE MISSION: Lighting the Candles

THE MISSION: Lighting the Candles

Das erste, das man sich fragt, wenn man die DVD zu einem Konzert sieht, auf dem man selber war, ist meistens: War das da wirklich sooo voll? Man konnte doch ganz locker Bier holen und wegbringen gehen?

Tja, das sind eben die Geheimnisse filmischen Könnens. Da wird aus einer Ansammlung von Fans schnell mal eine römische Legion und aus dem kleinen Club um die Ecke das Colosseum. Alles eine Frage des Winkels.

Die zweite bange Frage, nämlich ob man selber zu sehen ist, kann in diesem Fall für mich Gott sei dank mit Nein beantwortet werden.

Aber nun zu den Fakten. Bei dem Konzertmitschnitt aus dem Kölner Limelight auf DVD 1 dieses recht umfangreichen Packages handelt es um eine Rockpalast-Aufzeichnung. Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Recht biedere Fernseh-Qualität, mit den üblichen Schnittfolgen und Kameraschwenks. Bestenfalls solide. Trotzdem kann auch dieser Umstand nicht verhindern, dass die Band es tatsächlich immer noch schafft, bei einigen Liedern so etwas wie Magie aufkommen zu lassen. Vor allem natürlich die älteren Stücke, das Kreuz einer jeden altgedienten Band, versprühen diesen typischen MISSION/WAYNE HUSSEY-Charme, diese Mischung aus Stonehenge-Mystik, wunderbaren Melodien und englischem Teegebäck, die einfach unschlagbar ist. Kaum jemand konnte an diesem Abend ein Kribbeln auf der Haut verhindern, wenn die typisch jammerig-verschwommene Gitarre vom Meister die ersten Töne von Wasteland2 anstimmt. Und THE MISSION haben eine solche Fülle von fantastischen, düsteren Rocksongs im Repertoire, dass sich dieser Effekt an jenem Abend gleich mehrfach einstellte.

Erstaunlicherweise schafft es der Konzertmitschnitt, trotz aller Schwächen, genau dieses Gefühl zu vermitteln. Die Setlist tut sicher ein Übriges dazu. Die sehr gut spielende Band ebenfalls.

Letztendlich ist aber klar, um wen es hier eigentlich geht und wen die Leute sehen wollen: WAYNE. Er ist der Zeremonienmeister dieser Band, der Mittelpunkt und das Zentrum der Emotionen. Wer die anderen Instrumente spielt, oder ob Gitarrist ROB HOLLIDAY (geiler Name übrigens) seine den Dienst verweigernde Gitarre auch mal wütend in die Ecke wirft, keiner nimmt letztendlich wirklich Notiz davon. Die Fans himmeln verdientermaßen den Meister an und er nimmt es wohlwollend zur Kenntnis. Ein Geben und Nehmen, eine wunderbare Symbiose, glückliche Gesichter im Kerzenschein. So familiär kann Rockmusik sein.

Insofern ist das Konzert für jeden Fan sicher schon Kaufanreiz genug, wenn es auch durch eine andere Produktion oder vielleicht etwas gewagtere Aufnahmetechnik besser hätte sein können. Nebenbei hätte ein Verbot des typischen Ich-fuchtel-mit-den-Armen-vor-der-Brust-Tanzes mindestens mal für Männer sicher auch positive Auswirkungen auf die Ästhetik gehabt, aber das ist wie gesagt, nur meine Meinung.

Zu den auf DVD 1 weiter enthaltenen Classic Video Clips kann ich leider nichts sagen, da sie auf der Promo-Version fehlen. Die Auswahl scheint aber in Ordnung.

Genauso kann zu Package und Booklet nicht gesagt werden, da auch das bei der vorliegenden Version fehlt.

Richtig interessant ist aber erst DVD 2. Die Biography ist nicht, wie so oft lediglich eine Zusammenstellung von Text und Photos zum Durchklicken, sondern eine von WAYNE höchstpersönlich erzählte Geschichte der Band, bebildert mit Fotos, viele aus seinem privaten Archiv und bietet eine sehr unterhaltsame Version der Bandhistory, gesehen durch die Augen des Meisters.

Das ein oder andere Ex-Mitglied könnte vielleicht eine andere erzählen. Dem Fan kann das herzlich egal sein, denn sowohl die Biography, als auch die nach dem selben Muster funktionierende Discography sind sehr gelungen und unterhaltsam.

Die Rehearsals zeigen genau das, nämlich die Proben für die letzte Tour und sind damit am ehesten noch für Musiker interessant. Kann man sich auch schenken.

Der Video-Clip zu Light the Candles besteht aus zusammengeschnittenen Aufnahmen aus den Recording-Session und fällt in dieselbe Kategorie.

Die Interviews mit WAYNE sind wiederum sehr gelungen und interessant. Die Interviews mit den anderen Bandmitgliedern leiden etwas unter der schlechten Tonqualität, zurückzuführen auf die Tatsache, dass es offenbar im Tourbus aufgenommen wurde. Interesant ist auf jeden Fall die Antwort von ROB HOLLIDAY, als er WAYNE in zwei Worten beschreiben soll: Drunken Drunker2.

Die A day in the life – Dokumentation zeigt uns dann in aller Ausführlichkeit den Tag vor dem Auftritt im Matrix in Bochum. Trinkende Musiker backstage, Soundcheck (s. Rehearsal-Section), Musiker in Armageddon-Manier auf dem Weg zum Gig, Gig-Impressionen in unterirdischer Soundqualität – also das habe ich wirklich schon besser und interessanter gesehen. Überflüssig.

Absolut lohnenswert ist allerdings die sehr unfangreiche (51.32min.!) Bootleg-Section. Leider undatiert und vor allem, bei den älteren Clips in bescheidener Qualität (Bild= grau/weiss; Sound=britzel), aber das ist ja bei solchen Aufnahmen auch nicht anders zu erwarten. Dafür ist die gerade bei diesen die Performance grandios und zeigt die Band in Bestbesetzung und in Höchstform. Allerdings auch in Höchstform, was Chaos und Stargehabe auf der Bühne angeht . Aber allein die fantastische Version von Wasteland lohnt schon den Kauf der kompletten DVD. Desweiteren sind diverse TV- und Live-Auftritte bis zum heutigen Tag zu sehen. Es empfiehlt sich, erst beim zweiten Durchlauf den Kommentar von WAYNE anzuhören. Dann wird einiges klarer. Es ist schon erstaunlich, welchen Einfluss es offenbar auf eine Band haben kann, wenn die Musiker anfangen unterschiedliche Drogen zu nehmen und nicht mehr alle die gleichen. Sehr gelungen und sehr interessant.

Die WAYNE HUSSEY-Solo-Section zeigt dann den Meister im Pup nebenan, mit der Klampfe ein paar Hits runterschrubben und den ganzen Laden zum Mitsingen bringen. Mag jetzt etwas despektierlich klingen, ist aber nicht so gemeint, denn das Ganze hat wirklich eine nette, familiäre und schöne Atmosphäre und läuft nun mal eben genau so ab, wie eben beschrieben. Vor allem dann, wenn er auch Drumcomputer und Sequencer weglässt. Mit soviel technischer Unterstützung wirkt es nämlich eher wie gewollt und nicht gekonnt. Die Zusammenstellung hätte ich mir eher etwas straighter und weniger hektisch gewünscht.

Insgesamt kann man sagen, dass das Konzert, die Biography und vor allem die Bootleg-Section für Fans ein absolutes Kauf-Muss darstellen. Das ein oder andere deer übrigen Feature hätte man für meinen Geschmack durchaus auch weglassen können.

Ich würde die DVD aber trotzdem als gelungen und wirklich interessant bezeichnen. Nicht nur für Fans, für die sowieso, sondern auch für alle, die etwas über die Entwicklung der Haarmode und der Sonnenbrillen-Formen von 1984 bis heute lernen wollen.

P.S.: Die Easter Eggs habe ich nicht gefunden. Allerdings habe ich auch nicht so intensiv gesucht, da ich das ungefähr so spannend finde, wie den HiddenTrack auf einer CD. Wenns doch drauf ist, gebt dem Ganzen eine Nummer und alles ist in Ordnung. Und wenn ich mir mühevoll Sachen zusammen suchen will, kaufe ich mir ein Adventure-Game oder mache meine Steuererklärung. Ich verstehe den Spaß daran nicht wirklich.

Veröffentlichungstermin: 29.08.2005

Spielzeit: ca.355 Min.
Label: Oblivion/SPV

Homepage: http://www.themissionuk.com

Tracklist:
DVD 1:

PCM Stereo, Dolby Digital 5.1

Konzert:

1.Crystal Ocean

2.Evangeline

3.Hymn (for America)

4.(Slave to ) Lust

5.Garden of Delight

6.Severina

7.Breathe me in

8.Butterfly on a Wheel

9.Belief

10.Sacrilege

11.Wasteland

12.Daddy´s going to Heaven now

13.Like a child again

14.Beyond the Pale

15.Serpent´s Kiss

16.Deliverance

17.Tower of Strength

Classic Video Clips:

Deliverance

Butterfly on a Wheel

Severina

Tower of Strength

Never Again

Wasteland

DVD 2:

Biography

Dsicography

Bootleg Section

Intweview Wayne Hussey (Part 1+2)

Band Interview

A Day in the Life (Tour-Doku)

Wayne Hussey Solo – Live:

Memerised

Stay with me

Severina

Valentine

Additional Video Clip (Exklusiv):

Light the Candles

Easter Eggs:

Wayne Hussey Solo – Islands