THE MISSION: Aural Delight

THE MISSION: Aural Delight

Mein erstes und bisher einziges Live-Erlebnis mit THE MISSION hatte ich im Jahre 1987, als ich den Auftritt der Band auf dem dänischen Roskilde-Festival sah. Seitdem sind viele Tage vergangen und die Band um die beiden ehemaligen THE SISTERS OF MERCY-Mitglieder Wayne Hussey (Vocals, Guitar, Ex-Dead Or Alive) und Craig Adams (Bass), die sich anfangs Sisterhood nannte, sich nach einer Drohung mit rechtlichen Schritten durch Sisters-Kopf Andrew Eldritch (Sisterhood hieß schon der Fanclub der Sisters) aber in THE MISSION umbenennen musste, hat mittlerweile etliche Scheiben veröffentlicht, von denen ich die meisten allerdings nicht kenne. Ich nenne jedoch eine Best of-Alben mein Eigen und kann ruhigen Gewissens behaupten, dass mir der zwischen düster und melancholische schwankende (Gothic-)Indie-Rock der Band durchaus gefällt. In den letzten Jahren machten THE MISSION nur durch halbgare und lustlose Alben sowie dem immer mehr diktatorische Züge annehmenden Wayne Hussey (der die Zügel der Band wohl alleine fest in seiner Hand halten wollte – und derzeit übrigens auf Solo-Mission durch die Welt tourt) von sich reden. All das führte dazu, dass Gründungsmitglied Adams wegen (gähn!!) persönlicher Differenzen gefeuert wurde, was 1996 auch zum vorläufigen Ende der Band führte. Das hatte aber bis zum Anfang des neuen Jahrtausends Bestand haben, denn im Jahre 2000 erschien das Livealbum „Ever After“, dem nur ein Jahr später das Studioalbum „Aura“ folgte. Nun liegt quasi die „Aura“-Nachgeburt vor, die Aural Delight (56:24 Min.) betitelt wurde und eine 12-Song-Mischung aus B-Seiten, neu eingespielten Titeln regulärer Studioalben und Coverversionen enthält. Und die Songs sind wirklich gut. Okay, es sind keine Stücke, mit denen man ein Fete in Schwung bringt, aber die Songs sind wirklich gut. Da hätten wir z.B. die wirklich tolle Piano-Version von „Can’t help falling in Love with you“ (genau, der Elvis-Song, den es auch von den Fine Young Cannibals, U2, A*Teens, UB40 oder Loona gab/gibt) und das Depeche Mode-Cover „Never let me down again“ (bereits von den Farmer Boys oder den Smashing Pumpkins interpretiert), doch auch die Remakes eigener Stücke wie „Amelia” (von “Carved in Sand” – ein langsamer Song, der sich textlich mit dem leider immer aktuellen Thema „Kindesmissbrauch“ befasst), den „Masque“-Songs “Spider & The fly”, “Even you may shine” (klingt – nicht schlagen! – echt so’n bisschen nach U2), “Never again” (auch hier höre ICH einen U2-Einfluss heraus), die Demoversion von “Dragonfly” (eine supergeile Piano-Ballade – für mich ein absolutes Highlight dieser Scheibe), , “Mesmerised” (bekannt durch andere Versionen auf “Aura”) oder die Bonussongs der 2001er “Evangeline”-Single (das flotte und gute – mit einer Prise The Cure verzierte – “Anyone but you”, “Melt”, “Swoon”) dürften für Die Hard-Mission-Fans Kaufgrund genug sein. Ich habe den Vor- oder auch Nachteil, dass ich die Originalversionen der meisten Stücke nicht kenne, aber so kann ich wenigstens einigermaßen unvoreingenommen an diese Resteverwertung rangehen. Auch die „Piano und Gesang only“-Ballade „Sorry“ kann man als Highlight dieser Scheibe bezeichnen, auf die überhaupt eher was für Herbsttage als für Strandpartys ist, denn auch sonst wurden häufig(er) eher ruhigere Töne angeschlagen, was sich durch Songs wie “Melt” oder „Mesmerized“ belegen lässt. Ein interessantes Album für Fans. Allen anderen seien die regulären Werke oder eine Best of-Scheibe eher empfohlen.

Spielzeit: 56:24 Min.

Line-Up:
Wayne Hussey (Vocals, Guitars)

Craig Adams (Bass)

Mark Thwaite (Guitars)

Scott Garrett (Drums)

Produziert von Dave Allen & Steve Power
Label: XII BIS Records

Homepage: http://www.themission.co.uk

Tracklist:
Amelia

Even You May Shine

Spider & The Fly

Sorry…

Anyone But You

Never Let Me Down Again

Never Again

Melt

Mesmerised (Reprise)

Swoon

Dragonfly (Demo)

Can´t Help Falling In Love With You