SPIDER-MAN 3

SPIDER-MAN 3

Wohl dem, der seiner Flamme mal eben kurz ein lauschiges Liebesnetz in den Wipfeln der Bäume spinnen kann. Peter Parker alias Spider-Man weiß, wie’s geht: Er packt sich seine Mary Jane (schön blass: Kirsten Dunst) hinten auf’s Moped, und schon geht es raus aus der Stadt ins Grüne, wo man verträumt in der selbstgesprühten Hängematte die Sternschnuppen zählt. Doch da ist noch Highschool-Kumpel Harry Osborn (James Franco), dessen Vater der Grüne Kobold war, den der Netzschwinger im ersten Teil zur Strecke gebracht hat. Osborn kennt Parkers Geheimnis. Als er in die Fußstapfen seines Papas tritt und Rache an Spider-Man üben will, prügeln sich die einstigen Weggefährten munter durch die Häuserschluchten von New York City – in einem derart rasanten Tempo, dass das Auge kaum mehr folgen mag. Doch es kommt noch dicker: Sandman alias Flint Marko (irre gut animiert: Thomas Haden Church), der in Teil 1 Peters Onkel Ben umgebracht hat, und Venom, Spider-Mans fieser schwarzer Zwilling, treten an, um New York … na, Ihr wißt schon.

Soweit zwei von gefühlten zwanzig Handlungssträngen im dritten Teil der Saga um The Amazing Spider-Man, und man darf getrost konstatieren: Es wird immer verworrener. Und immer doofer. Ein Großteil der diesmal äußerst länglichen 140 Minuten geht drauf für endloses Gelaber über Schuld und Sühne, Rache, Sehnsüchte, Karriere, Beziehungsfrust, Familienbanden – da stöhnt der Kinosaal nicht nur auf, wenn sich der Mann im knallbunten Ganzkörperkondom (rot und blau ist dem Kaspar sei’ Frau) vor dem Sternenbanner in Pose wirft. Doch derartige patriotische Schützenhilfe in politisch harten Zeiten ist ja längst fester Teil der Außenpolitik Hollywoods, die nur im alten Europa nicht so richtig ankommt.

Aber auch als Rächer steckt Spidey mächtig in der Krise: Zum einen steigt ihm sein wachsender Ruhm zu Kopf, zum anderen nimmt er zunehmend private Probleme mit auf die Arbeit – und schafft sich so sein böses Alter-Ego Venom. Wirkliche Tiefe gewinnt die Spinne trotz dieses Bündels an allzu menschlichen Verhaltensmustern nicht – zumindest nicht auf der Leinwand.

Dort macht Tobey Maguire als latent-trotteliger Normalo Peter Parker noch immer eine gute Figur, doch abgesehen von einer Handvoll witziger Szenen ist im dritten Teil erschreckend viel Leerlauf am Start. Das omnipräsente sinnfreie Gequatsche geht auf Kosten der (noch sinnfreieren) Action und zeigt überdeutlich auf, wie inhaltlich dürftig das ganze Marvel-Comicuniversum trotz all der rührigen Interpretationsversuche des Fandoms doch ist.

Nach dem anständigen zweiten Teil verzettelt sich Regisseur Sam Raimi (The Evil Dead) diesmal hoffnungslos in den zahlreichen Nebenhandlungen, liefert zum Teil haarsträubende Erklärungsansätze ab und legt unterm Strich eine verworrene, aufgeblasene und vor allem sagenhaft langatmige Geschichte vor, in der am Ende nicht mal mehr die wahnwitzigen Spezialeffekte zünden. Selten so gelangweilt im Kinosessel.

gnadiator
Stef (aka “gnadiator”) steuert seit 2002 immer wieder Konzertberichte, Interviews, Reviews oder Filmkritiken bei.