VAN CANTO: Trier, Brunnenhof 05.06.2009

VAN CANTO: Trier, Brunnenhof 05.06.2009

Während die meisten Metal-Open Air-Veranstaltung irgendwo auf einer Wiese stattfinden, hatten VAN CANTO die Ehre mitten in der Trierer Innenstadt am Fuße der Porta Nigra (altes römisches Stadttor, UNESCO-Weltkulturerbe) aufzuspielen. Etwa 200 Besucher füllten den Brunnenhof ordentlich, dessen vordere Hälfte vor dem Auftritt erst noch entstuhlt werden musste. Schließlich versprach die Musik auch ohne E-Gitarren Heavy Metal pur. Etwa 200 Besucher waren gekommen, darunter auch einige Neugierige, die von der Idee des A-Cappella-Metals angelockt wurden und die VAN CANTO vorher noch überhaupt nicht kannten. Als die Band um 20.20 Uhr mit dem Ronja Räubertochter-Intro loslegte, war der Platz vor der Bühne gut gefüllt und der Sound bestens ausgesteuert. Eine Vorband vermisste vermutlich niemand. Denn schon beim ersten richtigen Song (Pathfinder) war die Stimmung ausgezeichnet. Mit Speed Of Light gab es danach sogleich den ersten Höhepunkt des Abends. Hier kam besonders das Wechselspiel der einzelnen Stimmen toll zur Geltung. Außerdem zeigten die Publikumsreaktionen, dass VAN CANTO nicht zwangsläufig auf Cover-Versionen populärer Metal-Klassiker angewiesen sind. Davon standen an diesem Abend auch einige auf dem Programm. Wenn man es sich recht bedenkt, haben Bands wie METALLICA zu Beginn ihrer Karriere die meiste Zeit damit verbracht, ihre Vorbilder nachzuspielen und alkoholische Getränke zu konsumieren.

Livefoto
Mit vollem Einsatz bei der Sache: Ross und Stef von VAN CANTO.

Das musikalische Konzept lässt freilich wenig Spielraum für Improvisationen und Spontanität. Zwischendurch deutet ein kurzer Instrumentalpart mit Schlagzeug-Solo an, was möglich wäre, wenn denn Stimmbänder so steuerbar wären wie Instrumente. Ansonsten bleibt das Tempo starr und die Umsetzung sehr nahe an den Albumversionen. Hinzu kommt jedoch noch eine große Portion Spiel- bzw. Singfreude. Allen Beteiligten war der Spaß an der Sache anzumerken, während sie ihre mehr oder weniger sinnvollen Silbenansammlungen in den Sommerabend hinausschmetterten.

Bei Fear Of The Dark bildete sich vorübergehend sogar ein Moshpit, das einen interessanten Kontrast zu der eher sakralen Atmosphäre des Mittelteils darstellte. Nach diesem Song war leider schon Schluss. Dass derart gesangsintensiver Metal anstrengend ist, sah man deutlich am hochroten Kopf von Ross. Immerhin reichte die Kondition noch für eine Zugabe mit zwei weiteren Songs. In Sachen Spielzeit (80 Minuten insgesamt) ist noch etwas Wachstumpotenzial vorhanden, zumal VAN CANTO an diesem Abend gezeigt haben, dass sie sich als ernstzunehmende Melodic Metal-Band etabliert haben und problemlos dem Headlinerstatus gerecht werden können.

Livefoto
VAN CANTO nach getaner Arbeit: Ross, Inga, Sly, Stef, Ike, Basti.

Setlist VAN CANTO:
1. Intro / Ronja
2. Pathfinder
3. Speed Of Light
4. Wishmaster
5. The Bard`s Song
6. Quest For Roar
7. Kings Of Metal
8. The Mission
9. Fear Of The Dark
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10. Rain
11. Battery

Jutze
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