KLABAUTAMANN, CENTAURUS-A, APOKATASTASIA: Winterthur (CH), Gaswerk, 30.09.2006

Wenn Progressivität und Atmosphäre stimmen, werden Stilschubladen wie Death Metal, Black Metal und Prog Metal plötzlich obsolet…

Man kennt es zu Genüge: Nach der Sommerpause beginnt die Konzertsaison. Und anstatt schön linear zu verlaufen, kulminieren sich mehrere interessante Gigs an einem Samstagabend. So auch am 30. September im Kanton Zürich. Just während in der Stadt Zürich die abgedrehten Death Metaller CENSORED ihre CD-Taufe zelebrierten, gastierten im Winterthurer Gaswerk zum ersten Mal die deutschen Waldschrat-Black Metaller KLABAUTAMANN. Aufgrund des Seltenheitsfaktors des zweiten Events stand somit die Pilgerfahrt ins Gaswerk auf dem Programm, welches bereits für die erste Band des Abends, CENTAURUS-A, gut gefüllt und ziemlich warm das Publikum erwartete.

So wurde der Death Metal-Fanatiker zu Beginn des Abends durchaus gut bedient. Das Bonner Quintett zeigte viel Spielfreude und technische Versiertheit, tollte fröhlich in Shorts herum und spielte auch frickelige Läufe locker aus dem Handgelenk. Dass es auch mal etwas langsamer sein durfte, zeigte der Track Arsonist, bei Resistance ain´t futile ging es dann wieder flotter zu und her und For Purpose zeigte hier und da eine gewisse Gitarrenparallele zu DEATH. Ob Gefrickel oder schleppendere Passagen, hier wurde mit Freude und Können technischer Death Metal fabriziert und CENTAURUS-A kamen folgerichtig auch nicht um eine Zugabe herum. Dafür wählten die Deutschen den AT THE GATES-Knaller Slaughter of the Soul, was das Publikum sichtlich begeisterte. Somit ein gelungener Auftakt des Abends und ein Garant für die Vorfreude auf das nächste Album, an dem die Death Metaller bereits werkeln.

Der Sprung zu den folgenden KLABAUTAMANN hätte größer nicht sein können. Und doch verbindet die beiden Formationen ihren Hang zum Unangepassten – bei KLABAUTAMANN stand somit progressiver Black Metal auf dem Programm, der nach einem Intro von Schritten und Geraschel in Der Nörk zum ersten Mal seine volle Pracht entfalten konnte. Das Mastermind-Gitarristenduo Florian und Tim hatte sich für diese Tour die nötige Verstärkung geholt und so saß unter anderem der CENTAURUS-A Drummer hinter den Kesseln der deutschen Schwarzmetaller. Trotz diesem abschließenden Tour-Gig wirkten KLABAUTAMANN so bisweilen etwas weniger routiniert als die vorherigen Kollegen aus dem Death Metal-Sektor – dies äußerte sich etwa in einer falschen Songansage des Sängers, die er humorvoll korrigierte oder aber beim Timing des Bassisten, der sich offenbar lieber auf die Gitarristen denn auf den Schlagzeuger verließ. Dennoch funktionierte die Live-Umsetzung der KLABAUTAMANN-Werke. So wurde der Erstling Our Journey through the Woods auch noch mit der Darbietung von Rabenmorgen und This Place zum Leben erweckt, während Der Ort mit dem Titelsong, The Wanderer, The River und Forlorn Sea vertreten war. Raserei traf auf wunderschöne akustische Gitarrenparts, Träumerei auf Härte – und KLABAUTAMANN präsentierten ihren atmosphärischen Black Metal in ausdrucksstarker Art und Weise. Je länger die Bonner die Bühne für sich innehatten, desto gelöster schienen sie zu werden, was sich auch auf die Reaktionen im Publikum positiv auswirkte. Lautstark wurde auch von ihnen eine Zugabe gefordert, welche vom Sänger mit einem Das ist rein instrumental, also Ciao angekündigt wurde. Die daraufhin folgende Schwarzmetallkreation trug wiederum die typischen KLABAUTAMANN-Züge und gab sich mal rauh und schnell, mal verträumt-verschroben. Trotz dieses beachtlichen Live-Einstandes bleibt diese Musik jedoch eher Soundtrack für einsame Waldlandschaften als für verrauchte Clubs, in denen sich die verschwitzten Leiber aneinander drängen.

Während es bei den meisten Gigs der lokale Act ist, der die Opener-Funktion übernimmt, war es an diesem Abend genau umgekehrt und die Winterthurer Formation APOKATASTASIA enterte als letzte Band die Bühne. Auch hier kann man das Prädikat ungewöhnlich anbringen, welches dem Quintett schon seit seinen Anfangstagen anhaftet. Zum einen wäre hier der visuelle Aspekt – wer erwartet schon einen Bassisten in weissem Hemd, Sakko und mit Melone an einem Metal-Konzert? Und was ist von einem Cellisten mit Hemd und schwarzer Krawatte zu erwarten, der während der Songs bisweilen wild mit seinem Bogen herumfuchtelt, während er auf seinen Einsatz wartet? Doch auch musikalisch haben die Winterthurer einiges zu bieten. Die Namensähnlichkeit zu APOCALYPTICA kommt nicht ganz von ungefähr, übernimmt doch auch bei APOKATASTASIA zumindest ein Cello virtuos und vehement eine tragende Rolle. Ausserdem rücken nicht nur bei Kompositionen wie Apokatastasia, Irony oder The Mushroom Collector Vocals komplett in den Hintergrund oder erscheinen gar nicht erst auf der Soundfläche. Trotz (oder gerade wegen) fehlender Vocals und vertrackten Riffs nahm das Publikum die lokale Truppe positiv auf und hier und da konnte man auch entrückt tanzende Gestalten beobachten. Musikalisch sind die Schweizer insgesamt schwer einzuordnen und es geht die Sage, dass APOKATASTASIA für jeden Gig ihre Songs neu arrangieren, da man die einzelnen Riffs einfach herauspicken und an einen anderen Ort im postmodernen Arrangement verpflanzen könne. Dies führt nicht selten auch zu der Meinung, dass das Quintett gar keine Songs, sondern nur gute Riffs schreibt, die sich halt dann eben frei bewegen dürfen. Egal welcher Meinung man nun anhängt, einfache Kost bieten APOKATASTASIA nicht, doch progressiv und technisch raffiniert wird hier auf jeden Fall agiert – ohne dass dabei die düstere Stimmung verloren geht.

Insgesamt also ein sehr interessanter Abend, der ganz im Zeichen der niveauvollen, unangepassten Klänge ohne Existenz von Schubladen stand.