Alle Jahre wieder touren ELÄKELÄISET durch deutsche Landen – seit nunmehr 30 Jahren. Dieses Jubiläum galt es zu feiern. Der Tourauftakt fand in der Brotfabrik in Frankfurt statt, einem gemütlichen Club im ersten Stock eines früheren Industriegebäudes. Die Polka-verrückten Finnen hatten ihre Karriere maximal chaotisch begonnen und sich im Laufe der Jahre dahingehend professionalisiert, dass die CD-Produktionen druckvoller wurden und die Konzerthallen größer. Zumindest bis man vor etwa 20 Jahren einen Gang zurückschaltete. Neue Alben erschienen in immer längeren Abständen, Deutschland-Tourneen beschränkten sich auf ein bis zwei Wochen im Jahr und immer mehr andere Bands begannen damit, Metal- und Pop-Songs in exotischen Stilen zu covern. Doch altes Humppa rostet nicht.
Melodisches Durcheinander trifft mitreißende Polka-Rhythmen.
In weitgehend konstanter Besetzung zelebrieren ELÄKELÄISET ihre Auftritte mit ungebrochener Frische, dezent gereiftem Chaos und dem Fuß stilsicher auf dem Gaspedal. In Frankfurt ging es pünktlich um 20 Uhr los. Die Brotfabrik war mit etwa 400 Leuten ausverkauft, die Stimmung vom ersten Ton an entsprechend prächtig. „Olkoon humppa“ fungierte als Opener. Lauthals sang gleich der ganze Laden mit: „Leila-lei, la-leila-lei, la-lei-la-lei-la-leila-lei!“ Erst ein paar Tage später hatte ich schließlich die Erkenntnis, dass es dabei eigentlich um „For Those About to Rock We Salute You“ von AC/DC handelte. Solche Momente gab es im weiteren Show-Verlauf noch einige. Mehrheitlich schaffte es das Quintett freilich, sich die gecoverten Hits so zu eigen zu machen, dass man gedankenverloren auf (Fantasie-)Finnisch mitsang, mittanzte und auch immer wieder an die Anfangszeit der Band erinnert wurde. Instrumente wurden diesmal keine beschädigt. Doch auch nach 30 Tour-Jahren war die Band eifrig dabei, neue Wege für alte Melodien zu erkunden.
Egal ob „Elän humpalla“ („Livin‘ on a Prayer“) oder im Zugabenblock „Humppaa tai kuole“ („No Limit“) – das Publikum sang leidenschaftlich mit und feierte die Band, die mit traumwandlerisch sicherem Gespür für musikalische Eskapaden schiefe Töne, melodischen Übereifer und süffisante Kommentare (auf Deutsch, Englisch und Finnisch) miteinander verwob. Meine persönlichen Highlights waren „Päivätanssit“ („Domino Dancing“), „Ukkoshumppa“ („Thunderstruck“) und „Humppaava Jeesus“ („American Jesus“).

Der Leadgesang wechselte reihum. Bei Onni Waris klang wie so oft am meisten Wahnsinn durch. Oft griff er zur E-Gitarre und tigerte über die Bühne. Petteri Halonen bearbeitete stoisch sein Keyboard und ließ gesanglich bei diversen Klassikern nichts anbrennen. Lassi Kinnunen am Akkordeon fehlt stimmlich zwar die Schroffheit, doch auch er meisterte Uptempo-Nummern ebenso souverän wie balladesk angehauchte Momente. Der rechte Fuß von Martti Waris wippte etwas zurückhaltender mit als in früheren Jahren. Aber der Bassist lieferte wie eh und je das Fundament der Songs und für einige härtere Songs den meist geschriehenen Gesang. Schlagzeuger Tapio Santaharju (2014 für den inzwischen verstorbenen Kristian Voutilainen zur Band zurückgekehrt) spielte auf seinem spartanischen Kit kreativ und effektiv zugleich. Humppa ist schließlich lebhafte Musik.
ELÄKELÄISET sind mehr als die Summe der Bandmitglieder.
ELÄKELÄISET leben freilich von der Banddynamik. Jeder darf mal von der vorgezeichneten Melodie abweichen. Mal wird das vom Rest der Band ignoriert, mal machen alle spontan den Unfug mit. Es war eine Freude, den fünf Charaktertypen auf der Bühne dabei zuzuschauen, wie sie miteinander musizierten. Die Songauswahl bot erstaunlich viel Abwechslung, gerade auch bei den Arrangements: „Humppanirvana“ („Smells Like Teen Spirit“) war ungestüm, „Humppaa Suomesta“ („Living in America“) bot herrliche Melodien, „Humppalaki“ („Breaking the Law“) fetzte zum Schluss so schwungvoll aus den Boxen, wie JUDAS PRIEST noch nie in ihrer Karriere klangen. 90 Minuten lang hatte Langeweile in der Brotfabrik definitiv Hausverbot. Dann war der Spuk vorbei und alle hatten ein seliges Grinsen im Gesicht. Hut ab vor der Live-Energie und der unverbrauchten Spielfreude!