Suche
Filter
Suche im Titel
Suche im Inhalt
Beiträge & Bilder
Filter by Kategorien
News
CD-Reviews
Interviews
Live-Reviews
Multimedia
Blog
Tourdaten
Suche nach Band

WEDNESDAY 13: Auf die Knie vor ALICE COOPER!

WEDNESDAY 13: Auf die Knie vor ALICE COOPER!

Wenn sich jemand Frankenstein-like Nahtstellen an die Handgelenke tätowiert, ist das schon mal ein Statement. Wednesday 13 hat genau dies getan. Horror als Lebensstil. Als jemand, der findet, dass Rock´n´Roll und Horror sehr gut zusammenpassen, war es mir natürlich eine Freude eine Szene-Ikone wie Wednesday zu seiner persönlichen Faszination von Blood and Gore zu befragen. Wenn auch seine neue Platte Transylvania 90210: Songs of Death, Dying and the Death in meinen Augen eher enttäuschend war (dazu später mehr) , gibt es doch viele Ansatzpunkte für ein gutes Gespräch über niedliche Girls mit Totenkopf-T-Shirts, Crossing Jordan, und immer wieder ALICE COOPER.

Den Anfang macht aber eine Standortbestimmung zur Band WEDNESDAY 13

Ist WEDNESDAY 13 mittlerweile eine richtige Band oder immer noch ein Projekt?

Es ist eine richtige Band. Nach der letzten Tour mit den MURDERDOLLS war klar, dass wir für zwei bis drei Jahren nicht mehr zusammen arbeiten werden. Also machte ich mir Gedanken, ob ich so lange warten wollte oder etwas anders anfangen würde. Ich habe erst einmal ein Jahr lang Songs geschrieben und dann Leute für eine Band gesucht. Es sollte anders als bei den MURDERDOLLS werden, denn die Bandmitglieder lernten sich dort erst durch die Band richtig kennen. Auf Tour. Es war sehr lustig, sich auf Tour kennen zu lernen. Kennenlernen im Tourbus ist eine feine Sache. Es ist sehr einfach, Leute schnell hassen zu lernen, wenn man in einer solchen Situation ist. Aber das sollte hier nicht der Fall sein. Ich hatte die Vorstellung, mit alten Schulfreunden auf Tour zu gehen und eine gute Zeit zu haben. Eine Klassenfahrt.

Waren die anderen Bandmitglieder auch schon an der Produktion der Platte beteiligt?

Ja und Nein. Zum Teil haben sich auf der Platte gespielt, zum Teil nicht. Die Band befand sich noch im Aufbau und ich hatte noch nicht alle alten Freunde überreden können. Mittlerweile ist die Band aber ein Jahr zusammen.

Für meinen persönlichen Geschmack klingt die Platte etwas zu gut, zu sauber, gerade bei der einfach strukturierten Musik…

Wirlklich? Naja, wenn man es mit meinen früheren Platten vergleicht ist das sicher richtig. Es klingt größer. Aber ich wollte es so haben. Der Mix ist genau so wie ich es mir vorgestellt hatte. Es sollte groß und heavy klingen. Ich wollte, dass sich die Platte von meinen früheren Veröffentlichungen unterscheidet.

Ohne Geschmackspolizei spielen zu wollen, denke ich, wenn es um Horrorpunk geht – und dazu würde ich die Band zählen -, sollte die Musik, um die typische Scariness zu erreichen, vielleicht etwas dreckiger oder unduchsichtiger klingen. Denn gerade das leicht Trashige macht für mich den Charme der Musik aus. Wie siehst du das?

Wednesday
Horrorpunk eher im Stile der neuen Misfits

Das ist richtig. Und das Image der Band lebt ja auch von Spookyness und Horror. Aber andererseits wollte ich auch etwas weg von diesem ganzen MISFITS-Ding. Ich liebe diese Band, aber ich sie sind nicht mein Haupteinfluss. Meine Einflüsse sind eher ALICE COOPER oder KISS und die hatten eben immer eine solche große und klare Produktion.

Naja, vielleicht bin da zu Horropunk-altmodisch oder nicht neutral genug…

(lacht – der Verf.) Ich würde es auch gar nicht versuchen wollen, wie die MISFITS zu klingen, obwohl ich sie toll finde. Es würde mir nicht gelingen.

Es wäre auch wahrscheinlich unmöglich. Obwohl die neuen Platten ja eher in die Richtung gehen, wie deine Platte…

Das stimmt. Und diese Platten gefallen mir auch viel besser. Ich bin eher ein Fan der neuen MISFITS.

Im Video zu I walked with a Zombie sind Original-Szenen aus Night of the Living Death zu sehen. Wie kam es dazu?

Das Konzept dafür gab es schon lange. Und als wir heraus fanden, dass es relativ einfach ist an die Rechte zu kommen, haben wir es sofort gemacht. Die Band wurde vor einer Green-Screen gefilmt und nachher in die Original-Szenen eingefügt. Es ist sehr cool geworden. Es ist ein tolles Gefühl, in einem meiner absoluten Lieblingfilme plötzlich mitzuspielen.

Wie seid ihr denn an die Rechte gekommen? War es schwierig?

Nein. Der Film ist ein so genannter Public Domain Film. Man muss für die Rechte bezahlen, aber es ist nicht sehr teuer. Man muss nicht den Regisseur fragen oder so etwas. Den Film gibt es deshalb auch in so vielen verschiedenen Versionen, denn die Leute können die Rechte kaufen, machen ein neues Cover und es ist ein neues Produkt. Es gibt eine ganze Reihe von Filmen in den USA, die so vermarktet werden dürfen. Es sind sehr viele Horrofilme darunter, die man billig kaufen kann. Wir haben den ganzen Tourbus voller Horrorfilme. Und KISS-Videos. Alls von den 70ern bis heute.

Es ist immer wieder erstaunlich, welche Rolle KISS in den USA immer noch spielen. Sind sind immer noch größer und einflussreicher, als sie in Europa jemals waren. Das gilt auch für ALICE COOPER.

Richtig. Bei ALICE ist es aber mittlerweile umgekehrt. Er hat heute hier ein größeres Publikum als in den USA. Aber diese beiden Band sind für mich die größten Bands aller Zeiten. Es ist gar nicht abzusehen, wie viele Leute sie beeinflusst haben. Nicht nur musikalisch, sondern auch in ihrem Leben. ALICE COOPER hat Shock-Rock erfunden! Ich verneige mich vor ihm in Demut.

Denkst du, das Amerikanische Publikum hat eine spezielle Neigung zu dieser Art Entertainment?

Ich weiß es nicht. Die Publikumsreaktionen bei uns sind außerhalb der USA besser. Dort läuft es gut, aber hier ist es definitiv besser. Die Leute verstehen uns überall besser als zuhause. Vielleicht sind die Leute in den USA zu überfüttert oder zu unselbständig. Viele hören nur das, was im Radio oder auf MTV läuft und machen sich nicht die Mühe, einen eigenen Geschmack zu haben.

Die Rolle als Ich-will-jetzt-Gitarre-lernen-Impulsgeber wird in Europa eher von AC/DC als von KISS ausgefüllt….

Das stimmt. Ich habe auch mit KISS angefangen und für mich war das Rock´n´Roll. Und Horror. Genial.

Es gibt auf euerer Homepage einen Link zu einem interessanten Magazin für Horror, Culture and Entertainment namens RUE MORGUE. Vor allem die Zusammenstellung der Schlagworte für den Inhalt finde ich interessant. Welche Rolle spielt Horror in der Kultur?

Die Leute leben ein sicheres Leben und Horroflime zeigen ihnen, wie es anders ein könnte. Die Leute wollen nicht selber hinter die verschlossenen Türen schauen, sie wollen aber trotzdem sehen was dahinter liegt. Diese Rolle übernehmen Horrorfilme und Geschichten. Man kann sehen, was alles passieren kann, wenn man bestimmte Türen öffnet. Und man bleibt trotzdem im sicheren Bereich. Das übt eine sehr große Faszination aus. Jeder weiß, dass er sterben wird, und so kann man die Figuren den Tod schon einmal durchleben sehen. Der Tod hat mich und die Leute im allgemeinen schon immer fasziniert. Man sieht gerne anderen Leuten zu, wenn sie durch die Hölle gehen. Dann muss man es nicht selbst tun, um es zu sehen. Im wirklichen Leben, können die Leute ihre persönlichen Türen vor ihren persönlichen Schrecken dann fest vernageln.

Wednesday
Schon ganz am Anfang wollte ich die Anzeigen und Cover meiner Bands in diesem Stil haben. Es sollte alles wie Dawn of the Dead aussehen – von der Faszination, Horror mit Musik zu kombinieren.

Die Verbindung mit einer so emotionalen Sache wie Musik, bringt die Faszination für mich dann zu ihrem Höhepunkt.

Ja. genau! Wenn Bands dieses Image und diese Bildsprache annehmen, ist es eine sehr starke Verbindung. Schon ganz am Anfang wollte ich die Anzeigen und Cover meiner Bands in diesem Stil haben. Es sollte alles wie Dawn of the Dead aussehen. Als ich dann zum ersten Mal ALICE COOPER´s Bühnenshow sah, dachte ich, dass es wie ein Horrorfilm ist, nur mit richtig cooler Musik. Das hat sich bei mir festgesetzt und ist der Grund für das, was ich heute tue.

Auch die Faszination des Verbotenen spielt eine grosse Rolle als Kind…

Oh ja. man darf es ja nicht sehen oder gut finden, kann aber trotzdem nicht weggucken. Man will sogar immer mehr sehen. Für Musik gilt das gleiche. Je mehr gesagt wurde, man solle nicht OZZY OSBOURNE hören, weil er der Teufel ist, desto mehr habe ich es getan.

Um dann einen Lebenstil aus den verbotenen Früchten zu machen. Wie sieht das heute aus? Würdest du mir zustimmen, dass das, was früher noch Horror war, heute Mainstream ist?

Es ist populär, aber das war es immer schon. Im Moment gibt es sehr viele neue Horrorfilme, fast wie in den 80ern, aber davor gab es das lange Zeit nicht. Es kommt zurück, aber es ist immer noch nicht unbedingt Mainstream. Es gab und gibt und wird immer gute und schlechte Filme geben, aber jeder hat die Wahl, sich seine Filme auszusuchen.

Ich habe den Eindruck, dass sogar in Nicht-Horrorfilmen und TV-Serien die Grenze stark verschoben wurde. Wenn man die ganzen Pathologie-Formate wie CSI, Crossing Jordan, etc. anschaut, sieht man ständig verkohlte, verweste oder aufgeschnittene Leichen, die früher in Krimi-Serien undenkbar gewesen wären…

Das stimmt. Diese Serien sind auch in den USA sehr populär. Sie leben von der gleichen Faszination wie Horror-Filme. Den Tod in all seinen Facetten aus der sicheren Distanz beobachten. Die Bilder haben sich aber geändert und sind drastischer geworden.

Es gab vor ein paar Jahren in einer deutschen Krimi-Serie namens Tatort mal für ein paar Minuten das Bild einer Moorleiche zu sehen, was damals große Diskussionen ausgelöst hat. Viele meinten, es sei nicht nötig und geschmacklos so etwas zu zeigen. Heute kann man es jeden Abend zur besten Sendezeit sehen. Man kann sagen, die Hemmschwelle ist gesunken, die Leute sind abgestumpft. man kann aber auch sagen, dass sich das Verhältnis zum Tode geändert hat und die Leute sich solcher Sachen bewusster geworden sind…

Die Realität hat sich verändert. Die Gesellschaft zerfällt und hat an Sicherheit verloren. Was kann man heute noch tun, um zu schocken? Sich auf der Bühne umbringen? Das funktioniert aber nur einmal (lacht – der Verf.)

Es gibt ja auch viel Merchandising zu echten Serienmördern, wie Charles Manson oder Ed Gein, zum Beispiel T-Shirts….

Oh ja, davon habe ich einige…

Wednesday
Man kann auch heute noch schockieren, wenn man etwas eigentlich Positives nimmt und etwas Negatives einfügt. Und es sieht nebenbei noch cool aus. – Wednesday 13

Ihr habt auch einen Link zu Rotten Cotton, die genau solche T-Shirts verkaufen. Muss also heute schon die Realität benutzt werden um zu schockieren, da die Fantasie nicht mehr ausreicht? Ist ein Ed Gein-T-Shirt noch Spaß?

Für mich schon. Ich kaufe die T-Shirts von Rotten Cotton schon sehr lange und kenne die Typen, die sie entwerfen. Sie benutzen ja oft vorhandene Design oder Symbole und fügen dann Charles Manson oder die anderen ein. Es gibt das Charles Manson Fiend Club-Shirt oder Manson als Jesus am Kreuz. Dieser Umgang gefällt mir und kann auch heute noch schockieren, wenn man etwas eigentlich Positives nimmt und etwas Negatives einfügt. Und es sieht nebenbei noch cool aus.

Es ist schwer heute kreativ und schockierend zu sein. Bei unserer jetzigen Club-Tour verzichten wir deshalb auch auf jedes Gimmick oder Effekte. Wir verlassen uns auf uns selbst und die Musik. Es gibt lediglich etwas Dekoration, ansonsten ist es eine altmodische Rockshow.

Was würdest du denn machen, wenn du das Geld und den Platz hättest?

Oh, das ist schwierig. ich habe mir noch keine konkreten Gedanken gemacht. ich würde versuchen die Songs zum Leben zu erwecken. Und es würde ein Raumschiff auf der Bühne geben. (lacht – der Verf.)

Wir sind eben ein Haufen Idioten, die es nicht so ernst meinen.

Humor ist sicher der Schlüssel dazu, eine solche Show dann nicht lächerlich wirken zu lassen…

Genau. Dann stehen die Leute nicht nur da und sagen: Oh Mann, das hätte man aber besser machen können! Die Leute verstehen aber, dass unser Image nicht ernst gemeint ist und das wir das ganze Make-Up nicht benutzen, um die Leute zu erschrecken, sondern weil wir sonst auf der Bühne so Scheiße aussehen, wie wir es schon den ganzen Tag tun. (lacht – der Verf.) Das gilt auch für die Songtitel und das ganze Packet.

Es gibt ja auch eine eigene T-Shirt-Marke von dir, die 13 Dead Kids. Was hat es damit auf sich?

Das sollte eigentlich ein ziemlich schräges Comic werden, aber ich habe es nie fertig geschrieben. Dann habe ich aber wenigestens etwas Design für Klamotten daraus gemacht und das ist auch ganz nett geworden. Momentan habe ich aber leider keine Zeit, weder für das Comic, noch für neue T-Shirts.

Momentan ist diese Art von Mode, mit Skulls und spooky Designs ja sehr angesagt, vor allem bei Teenagern, wenn man sich den Erfolg von Marken wie Emily The Strange anschaut. Is da der Horror auch schon Mainstreamfähig? Wenn man sich junge Mädchen anschaut, die mit Totenköpfen und ähnlichem gespickt auf der Strasse herumrennen können?

Ist das nicht wunderbar? (lächelt veträumt-der Verf.)

Naja, sicher. Der Punkt ist aber, dass meine Generation für so etwas noch schräg angeguckt wurde. Das sage ich, ohne jetzt zu alt klingen zu wollen oder zu meinen, dass das nicht wunderbar ist, wenn die Kids heute so aussehen können und nicht so Scheiße wie wir früher…

Ja. genau. Das ist es. Wir sollten es geniessen. Das Publikum bei unseren jetzigen Shows sieht immer aus wie eine Death Parade. Ich finde es aber toll, dass junge Leute diesen Style wieder entdecken und ihn heute auch ausleben dürfen.

Du warst lange Jahre Mitglied der Kultband FRANKENSTEIN DRAG QUEENS FROM OUTER SPACE und letztens habt ihr in den USA noch einmal ein Konzert gegeben. Wie kam es dazu?

Das stimmt. Es gab ein Angebot für ein CD-Box-Set, mit viele Extras und so weiter. Ich hatte schon lange keinen Kontakt mehr zu den anderen Bandmitgliedern gehabt, aber für das Box-Set hatten wird uns dann noch einmal getroffen und es war sehr schön. Als ob man alte Freunde wiedertrifft. Wir haben dann ein paar neue Songs für das Box-Set geschrieben, die wir aber noch nicht aufnehmen konnten. Aber wir haben ein paar Shows gespielt, was sehr viel Spass gemacht hatte. Meine Pläne mit WEDNESDAY 13 ließen aber noch nicht mehr zu. Wer weiß, was noch mit den DRAG QUEENS passieren wird…

Das wird sicher sehr interessant für die Leute, die dich erst seit den MURDERDOLLS kennen…

Oh ja! Viele Leute denken: Das war doch der, der mit dem Typen von SLIPKNOT ´ne Band hat. Dabei war es eher umgekehrt. (lacht – der Verf.)

Die DRAG QUEENS waren sicher eine Kultband, die vom Namen bekannt waren, aber nie sonderlich hohe Verkaufszahlen hatten. Ist das das Schicksal einer Kultband?

Ja, aber seit 2002 haben die DRAG QUEENS ein neues Leben bekommen. Urpsünglich war die Band inspiriert von Ed Wood (der sogenannte schlechteste Regisseur aller Zeiten – der Verf.). Und irgend wie hat die Band eine ähnliche Entwicklung durchgemacht, wie sein Leben. Er hat alles in seinen Filmen selber gemacht, sein Herz und seine Seele in die Arbeit gesteckt, und niemand hat es gewürdigt. Erst nach seinem Tod war jeder von ihm begeistert. Ähnlich geht es mit den DRAG QUEENS. Als wir existierten, hat es niemanden interessiert. Erst nach der Auflösung der Band haben die Leute uns entdeckt. Genau wie bei Ed Wood. Irgendwie macht mich gerade das besonders stolz. Ich finde es schön, bei meinen heutigen Shows Leute mit T-Shirts und Patches von den DRAG QUEENS zu sehen.

Eines der ungeschriebenen Gesetze des Show-Business: Legenden gibt es nur tot.

Ja. Wir werden sehen, was mit mir noch passiert…(grinst – der Verf.)

Man muss ja auch nicht direkt zu legendär werden…

Das stimmt. Aber es ist schon hilfreich.