TOMBS: Thema:Angst

Freunde von tonnenschwerer Musik sollten die Ohren ganz dringend spitzen, denn mit "Winter Hours" der New Yorker TOMBS ist eine massive Wand aus Hardcore, Black Metal und Sludge entstanden, die niemanden unberührt lässt und in einen tiefen Abgrund aus Finsternis, Leidenschaft und Geheimnis führt. Mit Hilfe von mächtigen Riffs, großartigen Basslinien und intensivem Drumming zaubert dieses Trio eines der besten Debütalben der letzten Monate aus dem Ärmel. Sänger, Gitarrist und Kopf der Band, Mike Hill, bringt im E-Mail-Interview Licht ins Dunkel und bleibt dabei doch gerne kryptisch.

Freunde von tonnenschwerer Musik sollten die Ohren ganz dringend spitzen, denn mit Winter Hours der New Yorker TOMBS ist eine massive Wand aus Hardcore, Black Metal und Sludge entstanden, die niemanden unberührt lässt und in einen tiefen Abgrund aus Finsternis, Leidenschaft und Geheimnis führt. Mit Hilfe von mächtigen Riffs, großartigen Basslinien und intensivem Drumming zaubert dieses Trio eines der besten Debütalben der letzten Monate aus dem Ärmel. Sänger, Gitarrist und Kopf der Band, Mike Hill, bringt im E-Mail-Interview Licht ins Dunkel und bleibt dabei doch gerne kryptisch.

 

Hallo Mike, euer Debütalbum Winter Hours ist gigantisch. Aber fangen wir ganz vorne an, zuerst habe ich den Namen TOMBS als Referenz zu A STORM OF LIGHT gehört, da deren Bassist Domenic früher bei euch war. Kurz danach gab es die Meldung, dass ihr bei RELAPSE untergekommen seid. Was passierte alles vor Winter Hours?

Domenic war unser erster Bassist, das stimmt. Auf meinem Label, BLACK BOX RECORDINGS, erschien unsere selbstbetitelte EP, darauf ist er auch zu hören. Unsere Wege haben sich mehr oder weniger in gegenseitigem Einvernehmen getrennt, befreundet sind wir immer noch und ich glaube, dass A STORM OF LIGHT mehr die Art Musik ist, die er machen will. Ansonsten haben wir vor Winter Hours eine 12-Split mit der Hardcore-Band PLANKS aus Mannheim veröffentlicht, mit denen wir letztes Jahr auch kurz in England auf Tour waren.

Was gibt es über die Split mit PLANKS noch zu berichten, außer, dass sie schon ausverkauft ist?

Es wird eine deutsche Version dieser Split geben, sie befindet sich momentan im Presswerk. Mit deren Gitarristen und Sänger Ralph Schmidt bin ich schon viele Jahre befreundet, er ist für mich wie ein Bruder.

Du warst vor TOMBS auch in einigen anderen Bands aktiv. War da etwas dabei, das die europäischen Underground-Fans kennen sollten?

ANODYNE war fast eine Dekade lang meine Hauptband. Wir haben über LEVEL PLAN, ESCAPE ARTIST und CONSPIRACY RECORDS unsere Alben veröffentlicht. Danach spielte ich in einer Band namens VERSOMA, von denen es eine EP über ROBOTIC EMPIRE gibt.

Du bist das einzige Originalmitglied von TOMBS. Sehr erstaunlich, da ihr eigentlich eine recht junge Band seid und bei Trios ist der Zusammenhalt doch immer recht stark. Bist du etwa ein Tyrann, mit dem es die anderen Bandmitglieder nicht aushalten?

Ich bin schon ein kleiner Tyrann, aber vor allem ein fairer Tyrann. Domenic hat uns aus kreativen Gründen verlassen, da gab es keinen emotionalen Zusammenbruch oder ein Drama. Es lief einfach auf Differenzen im Bereich der Ästhetik und der musikalischen Ausrichtung hinaus. Mit dem ersten Drummer gab es andere Probleme. Sein Lebensweg passte nicht zu unserer Band, er brachte es nicht auf die Reihe, also mussten wir uns von ihm trennen. Das gipfelte dann, als wir uns letztes Jahr auf die Europa-Tour vorbereiteten. Neun Tage vor dem Aufbruch gab er bekannt, dass er das Land nicht verlassen könne. Wir baten dann Andrew das Set zu lernen und seitdem ist er unser Schlagzeuger.

Musikalisch gesehen seit ihr ein Trio, aber ich habe gehört, dass es eine Art verstecktes, viertes Bandmitglied gibt, das sich um die visuelle Seite der Band kümmert. Betrifft dies nur das Artwork, oder liefert er auch Videos für die Konzerte?

 TOMBS
Ich bin ein kleiner Tyrann, aber ein fairer Tyrann. Mike Hill, das Alphatier.

Momentan beschränkt sich das auf die Covers, aber wer weiß, was die Zukunft bringen mag? Viele Bands verwenden heutzutage Visuals, da bin ich mir nicht sicher, wie sich das mit meinen Einstellungen verbinden lässt, auch so etwas einzusetzen. Aber wir diskutieren trotzdem momentan die Möglichkeiten eines Multimedia-Live-Projekts.

Schon erstaunlich, wie undurchdringlich diese Soundwand auf Platte ist. Gibt es einen zweiten Tourgitarrist, um das auch live darzubieten?

Nein, ich benutze einfach mehrere Amps und Boxen.

Winter Hours ist ein wirklich ungewöhnliches Album, das einige Stilistiken vermischt zeigt, von denen man es sich nicht vorstellen konnte, dass sie zusammen harmonieren und einen geschlossenen Gesamteindruck ergeben können. Die Wechsel dieser rauen Musik sind meistens recht grob und unerwartet, so dass das Album sehr grimmig wirkt. Ist das ein Stilmittel?

Ich hatte kein spezielles Genre im Kopf, als ich das Material schrieb. Meine Herangehensweise ist wie die, die man an einer Kunstschule haben muss. Man zeichnet die Figur, ohne auf den Skizzenblock zu schauen.

Die Musik handelt von vorne bis hinten von Dunkelheit und Verzweiflung, dabei gibt es allerdings eine sanftere und eine gnadenlose Seite in der Musik. Ist das eine Art Yin-Yang?

Die Menschen sind komplizierte Wesen, deshalb sollte die Musik ebenso kompliziert sein. Es gibt kein Licht ohne Dunkelheit und genau diese Kontraste erschaffen Stärke.

Es scheint, als wärt ihr von ein paar deutschen Bands inspiriert worden, vor allem wenn es sich um die Black Metal-Stellen des Albums handelt. Fangen wir an mit TOTENMOND. Kennst du die überhaupt?

Ich finde TOTENMOND musikalisch großartig. Trotzdem halte ich ihre Wahl der Symbolik der rechten Ikonografie teilweise für fragwürdig.

Eine eindeutige Inspiration für TOMBS sind auch BETHLEHEM, gerade in den kalten, langsamen Stellen.

Ich liebe die frühen BETHLEHEM, sie sind meiner Meinung nach eine einzigartige Band, die damals als eine der ersten langsame Doom-Riffs mit traditionellem Black Metal vermischt haben. Es freut mich, dass du unsere deutschen Einflüsse erkennst, denn daneben mag ich noch FEAR IS THE PATH TO THE DARK SIDE und STACK.

 TOMBS
Ich hatte immer wiederkehrende Träume vom Ende der Welt und ähnlicher albtraumhafter Dinge. Das rechne ich den acht Jahren von George W. Bush an. Mike Hill (rechts) über seine traumatischen Texte.

Shoegaze ist ein Terminus, den RELAPSE im Bezug auf Winter Hours benutzen, den ich nicht ganz nachvollziehen kann. Spielen TOMBS etwa eine neue Art Shoegaze?

Ich liebe Bands wie MY BLOODY VALENTINE und SLOWDIVE, aber ich traue mir nicht zu, Material zu schreiben, das so klingt. Ich denke, TOMBS ist das, was du kriegst, wenn du angeschwärzten Hardcore durch einen Shoegaze-Filter hörst.

Ihr spielt deutlich andere Musik als die meisten anderen Bands aus Brooklyn, aber die Atmosphäre dieser Stadt zieht sich durch eure Musik, ebenso wie bei UNSANE oder A STORM OF LIGHT. Was bedeutet Brooklyn für euch und eure Band?

Das kann ich nachvollziehen. New York City kann ein hoffnungsloser, trostloser Ort zum Leben sein und diese Atmosphäre durchdringt die Musik. Ansonsten kann ich nicht sagen, dass die Herkunft etwas für uns bedeutet, wir sind nicht wegen der Musik nach Brooklyn gezogen. Wenn es danach ginge, wäre es mir am liebsten, wenn TOMBS einfach als amerikanische Band in Erinnerung bleiben.

Ebenso wie die Musik hat auch der Gesang eine ziemlich große Bandbreite, und reicht von brutalem Geschrei bis hin zu geisterhaftem Heulen. Ist es schwer, in all diesen Stilistiken zu singen?

Für mich ist es das auf jeden Fall, bei ANODYNE habe ich die ganze Zeit ja nur geschrieen. Ich müsste viel üben, um meine Stimme auf dieses Level zu bringen.

Wer hat Winter Hours eigentlich produziert? Es klingt rau und unpoliert, ist verdammt laut und beleuchtet alles Details sehr gut.

Der Toningenieur war Ian Whalen, und ich habe es produziert.

Einige Songtitel und natürlich die dazugehörige Musik faszinieren mich sehr, zum Beispiel The Great

 TOMBS
Hört selbst Mike Hill lieber nicht vor dem Ausgehen: Winter Hours.

Silence, Story of a Room, Merrimack und Seven Stars the Angel of Death. Alles ist sehr kryptisch gehalten. Das Konzept hinter TOMBS ist also mehr als nur Musik?

Nun, TOMBS ist kein Soundtrack für jemandes Vergnügen. Ich würde Winter Hours auch nicht anhören, bevor ich Abends ausgehe. Für mich ist diese Band darüber hinaus ein Forum, um mit Menschen zu kommunizieren.

Man könnte meinen, eurer Debütalbum würde textlich von der typischen Finsternis handeln, die im Metal halt vorkommt, ich habe jedoch gelesen, dass deine Lyrics sehr persönlich sind und von deinen eigenen Ängsten handeln.

Ich habe die Texte während einer besonders von Ängsten erfüllten Zeit in meinem Leben geschrieben. Ich hatte immer wiederkehrende Träume vom Ende der Welt und ähnlicher albtraumhafter Dinge. Das rechne ich den acht Jahren von George W. Bush an. Angst ist das Hauptthema von Winter Hours, denn es ist schwer, eine positive mentale Einstellung zu behalten, wenn die Welt am Rande der Apokalypse steht.

Euer Video zum Song Gossamer ist ein sehr guter Performanceclip mit schönen Farben und Lichteffekten. RELAPSE RECORDS mussten sicherlich einiges dafür springen lassen, damit ihr mit Kevin Custer arbeiten konntet.

RELAPSE war es irgendwie möglich, Custer dazu zu bewegen, den Clip zu drehen, vielleicht haben sie ein paar delikate Fotos von ihm. Er ist ein echt hohes Tier in der Welt der Musikvideos. Die Arbeit mit ihm war sehr cool. Keiner von uns hat jemals einen professionellen Videoclip gedreht und durch ihn haben wir uns sehr behaglich gefühlt.

Momentan seid ihr auf einer kleinen Tour, um das Erscheinen von Winter Hours zu feiern. Welche Touren stehen dieses Jahr ansonsten noch an?

Es folgen zwei US-Touren direkt auf einander. Die erste ist mit PELICAN und WOLVES IN THE THRONE ROOM, die zweite mit INTRONAUT und BISON B.C.. Eine weitere, kurze Ostküstentour ist in Arbeit, aber hier gibt es noch keine Details, die man teilen könnte. Ich hoffe außerdem, dass wir dieses Jahr auch noch Europa besuchen werden.

Dieses Jahr ist noch jung, auf was freut ihr euch im Jahre 2009? Und, welche Platte darf dieses Jahr nicht versäumt werden?

Wir werden viel touren, das ist unsere Priorität für dieses Jahr. Neben den zwei erwähnten Touren haben wir noch einen SXSW-Trip vor uns, außerdem ist schon das Dude Fest in Indianapolis bestätigt. Ach ja, dieses Jahr freue ich mich sehr auf das neue Album von BURNT BY THE SUN.

Fotos: Relapse Records