TOMBS: Under Sullen Skies

Die Vorzeichen standen nicht mal schlecht: TOMBS haben einen neuen Plattenvertrag, im Frühjahr gab es die EP „Monarchy Of Shadows“; nun das fünfte Album „Under Sullen Skies“. Dazwischen lag, zum ersten Mal in der Geschichte von TOMBS, kein einziger Line-Up-Wechsel, das faszinierende Artwork stammt erneut von Valnoir und macht Lust auf die Musik. Aber „Under Sullen Skies“ leidet auch an dem, was TOMBS seit „Savage Gold“ zu schaffen macht: Sie gehen nicht mehr unter die Haut. Deshalb verflog mein Interesse an Mike Hills Band recht schnell.

Die Post Black Metal-Band aus Brooklyn gibt sich erneut tough und über weite Strecken schnörkellos, wird dabei aber zusehends profillos. Solide, aber äußerst unauffällige Riffs und Blast Beats ziehen sich durch das Album, lassen immer wieder aufhorchen, begeistern aber selten über ganze Songs hinweg. Mit „Bone Furnace“ beginnt das brutale, aber oft herzlose Spektakel, und es dauert bis zum atmosphärischen Ende von „Barren“ bis TOMBS zeigen, wie weit ihr Horizont eigentlich ist. Größtenteils zeigen sich TOMBS als generische Songwriter: „Void Constellation“, „The Hunger“ und „Mordum“ ist Ballast und wertet „Under Sullen Skies“ nicht auf.

Viel Ballast, wenig Intensität: TOMBS liefern auf “Under Sullen Skies” wenig Substanzielles und viel Durchschnitt

Das ist enorm schade, denn gerade wenn sich TOMBS etwas unkonventioneller geben, lassen sie immer wieder aufhorchen. Dass sie einen Narren an Post Punk und Gothic gefressen haben, zeigten TOMBS schon immer, dass Mike Hill aber nun im sich karg ausdehnenden „Secrets of The Black Sun“ eine waschechte Carl McCoy-Performance bietet, damit habe ich nicht gerechnet. Doch auch manche brutalen Momente kommen zumindest gut rüber. „Lex Talionis“ punktet mit schnellen Blast Beats und dissonanten Gitarren, da ist es egal, dass das Stück ansonsten wenig originell ist.

Produziert ist „Under Sullen Skies“ überraschend altmodisch, trotz Triggerdrums. Die Instrumente haben Raum, die Vocals sind immer wieder in den Hintergrund gemischt, aber immerhin entsteht dadurch so eine gewisse Atmosphäre. Gegen Ende zieht „Under Sullen Skies“ dann doch noch die Daumenschrauben an. „Angel of Darkness“ gleicht einem hypnotischen Mahlstrom, hat nur einige Längen. „Sombre Ruin“ hingegen stampft mit einem gewissen GODFLESH-Feeling durch seine fünf Minuten und sorgt für einen Schauer, während der Schlusspunkt „Plague Years“ dann doch wieder langweilt. Da nützen auch das tighte, neue Line-Up und die zahlreichen Gastperformances nichts. Es ist zum Haare raufen. Mehr FIELDS OF THE NEPHILIM, weniger Standard-Post Black Metal und Doom, das wäre es gewesen. So sehr ich es mir gewünscht habe, dass TOMBS mal wieder so richtig intensiv wirken: „Under Sullen Skies“ ist trotz einiger guter Songs ein Durchschnittsalbum.

Wertung: 6 von 12 Besetzungswechsel

VÖ: 20. November 2020

Spielzeit: 60:01

Line-Up:
Mike Hill – Vocals, Guitars, Electronics, Synth
Matt Medeiros – Guitars
Drew Murphy – Bass, Vocals
Justin Spaeth – Drums, Guitars, Electronics, Synth

Produziert von Bobby Torres

Label: Season of Mist

TOMBS „Under Sullen Skies“ Tracklist:

1. Bone Furnace (Official Visualizer bei Youtube)
2. Void Constellation
3. Barren (Official Track Premiere bei Youtube)
4. The Hunger (Official Video bei Youtube)
5. Secrets Of The Black Sun
6. Descensum
7. We Move Like Phantoms
8. Mordum
9. Lex Talionis
10. Angel Of Darkness
11. Sombre Ruin
12. Plague Years

Mehr im Netz:

https://www.tombscult.com/

https://tombscult.bandcamp.com/

https://www.facebook.com/TombsBklyn

https://instagram.com/tombscult