SUBSTYLE: Überschriften bei Interviews sind überschätzt

Deutschlands beste Rockband bittet mit "Walk the Dino" wieder zum Tanze. Grund genug bei Keyboarder Toby nachzufragen, was man die letzten Jahre gemacht hat, was die Zukunft bringt und überhaupt.

Deutschlands beste Rockband bittet mit Walk the Dino wieder zum Tanze. Grund genug, bei Keyboarder Tobi nachzufragen, was man die letzten Jahre gemacht hat, was die Zukunft bringt und überhaupt.

2002 war unser letztes Interview. Seitdem ist bekanntlich viel passiert. Leg einfach aus erster Hand los!

Es ist ja auch schon einiges bekannt. Wir waren bei Universal unter Vertrag und dort wurde irgendwann alles umstrukturiert. Die Leute, die uns gesignt haben, waren auf einmal nicht mehr da, und es lief auch nicht so, wie wir uns das gewünscht oder auch erwartet haben. Wir haben die Band dann erstmal aufs Eis gelegt und die Pause wurde dann länger, als wir eigentlich dachten. Ich wurde krank, und die Jungs haben erstmal mit dem David als Sänger weitergemacht, der ja jetzt auch noch bei uns an der Gitarre dabei ist. Die Songs waren gut, und man wollte dann doch noch eine Scheibe veröffentlichen. In der Zwischenzeit hat jeder seine privaten Baustellen gehabt, und nach der Pause hat dann uns auch keiner mehr von außen reingeredet, und es war eine super Entscheidung. Guido war auch wieder als Sänger mit an Bord und Anfang des Jahres haben wir uns dann zum eigenen Label entschlossen. Tja, und jetzt sind wir wieder da und so schnell vergehen die Jahre.

Zum Zeitpunkt unseres letzten Interviews hattet ihr bei einem Majorlabel einen Vertrag. Ihr hattet Ideen, wolltet touren und standet kurz vor dem Durchbruch. Leider hat das ja nicht so geklappt. Seht ihr eure Situation jetzt entspannter und realistischer?

Es ist viel entspannter als damals und wir haben aus der damaligen Zeit auch sehr viel gelernt. Wir hatten schon eine Menge Druck von dieser ganzen Hypegeschichte und das geht nicht spurlos an einem vorbei. Jetzt sind einige von uns auch Vater geworden und unsere Sichtweise ist eine andere. Bandintern sind wir total relaxt im Moment, und wir haben auch niemanden, der uns im Nacken steht. Wir kümmern uns um alles. Musik, Artwork, Outfit; das ist alles auf unserem Mist gewachsen. Das war früher nicht der Fall. Bei Universal war es von Anfang an so, dass wir von der Musik her mehr die englische und amerikanische Richtung waren, und die deutschen Bands von denen waren komplett andere Richtungen. Wir sind nach Berlin gefahren und haben einen Tag mit Stylisten nur Fotos geschossen. Vom jetzigen Standpunkt betrachtet war das völlig überflüssig und auch nicht 100% SUBSTYLE. Wir sollten Coverversionen machen, Singles veröffentlichen und der Druck war schon gross. Unser Studioaufenthalt kostete 60000 Euro und jetzt gehen wir halt ins Studio vom Heiwi und machen das auf was wir Lust haben. Wir machen das nur noch für uns. Ist zwar eine abgedroschene Phrase, aber es in unserem Falle wirklich so.

Ich denke ihr seit auch realistisch genug zu wissen, dass ihr mit SUBSTYLE keine Millionäre mehr werdet, oder? Vor 7-8 Jahren waren da die Sichtweisen bestimmt noch anders.

Wir hatten einen richtig geilen Start. Vor Veröffentlichung des ersten Albums waren wir mit IN EXTREMO auf Tour und das war schon richtig geil. Als wir beim ersten Gig in Hamburg angekommen sind und nicht wussten, was uns erwartet, waren wir danach schon richtig happy. Die ganze Tour war dann auch super und die Jungs von IN EXTREMO haben uns auch super aufgenommen. Das war schon ein gewaltiger Rückenwind, den wir dadurch bekommen haben. Danach ging alles ganz fix mit der ersten CD und die hat sich damals auch verkauft wie geschnittenes Brot. Die Kritiken waren überall super, und es ging danach ja immer weiter. Nach dem ersten Album spielten wir ständig live, es gab ja auch noch eine weitere Tour mit IN EXTREMO, und es ging immer weiter nach oben. Dann kam der Deal mit Universal, die auch richtig viel Geld verbraten haben mit Promo und Studioaufenthalt. Die Promotion von denen war aber trotzdem nicht das Gelbe vom Ei. Da wurde schon viel Geld sinnlos zum Fenster rausgeworfen. Wir dachten schon, dass wir größer werden, als wir letztendlich dann geworden sind.

Die Promo macht ihr jetzt auch selbst. Ein Video zu Dirty Youth wurde ja schon gedreht.

Stimmt. Das Video ist fertig und wird jetzt auch weiter promotet. Wir haben es natürlich auf Youtube und unserer My-Space Seite. Jetzt drehen wir noch selbstgedrehte Horror-Splatterfilmchen und verbreiten die dann. Das wird mal etwas ganz anderes sein, und wir hoffen so halt auch immer mehr Leute zu erreichen.

Euer erster Gig zum Album-Release war bereits. Eintritt und CD kostete schlappe 10 Euro. Wie war die Resonanz?

War ein super Abend. Es waren 400 Leute da, und das mit der CD dazu hat schon gut eingeschlagen. Wir haben auch groß plakatiert, und es hat super Spaß gemacht, die Show war auch total super.

Ein neues und eigenes Label habt ihr ja jetzt auch gegründet. Was gibt es hierüber zu berichten?

Heiwi hatte ja schon immer ein Studio, und jetzt haben wir zu dritt ein Label gegründet und hier schon viel Herzblut reingesteckt. Wir machen da jetzt kontinuierlich weiter und wollen auch 2009 das nächste SUBSTYLE-Album wieder veröffentlichen. Fernziel ist es aber auch schon, mal die ein oder andere Band zu signen. Da ist aber noch nichts spruchreif oder geplant. Die nächste Veröffentlichung wird aber definitiv erstmal wieder eine von uns sein!

 Substyle
 Vom Majordeal zur Eigenproduktionsband -Walk the Dino ist auf dem bandeigenen Label Fire! Fire! Fire!

Euer Cover ist sehr nett geworden. Eine nette Blechbox und lobenswerterweise kam sogar die Promo so hochwertig daher. Das ist ja heutzutage leider nicht selbstverständlich und ihr geht den komplett anderen Weg wie die meisten anderen Firmen.

Das war genau der Beweggrund. Wir haben im Vorfeld überlegt, wie wir das machen, und ich habe ja früher immer das Artwork gemacht. Diesmal wollten wir alles selbst machen und wir haben uns alle überlegt mal etwas komplett anders zu machen. Die Scheibe ist für uns ein Comeback und etwas Besonderes, und deshalb wollten wir das auch den Leuten zeigen. Diese ganze Hysterie mit dem Download ist ja auch fürn Arsch. Die großen Firmen sind ja auch selbst schuld. Man hätte nur den CD-Preis etwas nach unten schrauben müssen.

Die Platte ist ja jetzt doch schon einige Wochen auf den Markt. Die Reviews waren im Vergleich zu früher nicht so euphorisch. Ihr wurdet in den großen Mags meiner Meinung nach mit 08/15-Reviews abgespeist und Interviews konnte ich auch noch keines finden.

In der Rocks ist eine große Story von uns. Früher wurden wir auch viel in Heavymagazinen gefeatured, obwohl ich finde, dass wir da eigentlich gar nicht soviel verloren haben. Wir haben in diesen Magazinen auch auf Anzeigen verzichtet, da wir das Geld lieber für etwas anderes ausgeben. Im Rock Hard wird aber schon noch was kommen. Wir haben uns mal hinterfragt, was damals richtig Geld kostete, und die Anzeigen im Blätterwald sind schon recht teuer. Wir sind auch der Meinung, dass uns diese Sachen nicht wirklich viel weiter gebracht haben. Das A und O ist heutzutage für jede Band das Internet und live spielen.

Was Auftritte angeht ist aber derzeit noch nicht so viel passiert.

Stimmt. Das hat aber auch mehrere Gründe: Es gibt mittlerweile nicht mehr viele Leute, die bereit sind, Konzerte zu organisieren. Wir fangen in dieser Beziehung auch wieder fast bei Null an und müssen die Leute auch erst wieder erspielen. Vor allem ist das Business mit den ganzen Festivals ein Haifischbecken und die Konditionen sind auch so komplett anders geworden in den letzten Jahren. Die großen Plattenfirmen verdienen ja mittlerweile bei den Gigs ihrer Newcomerbands mit und bekommen einen Prozentteil der Gage. Das ist schon krass. Früher war es anders. Da waren die Plattenfirmen heilfroh, wenn ihre Bands live spielten und die Möglichkeit hatten, bekannter zu werden. Jetzt werden weniger Platten verkauft und die Plattenfirmen verdienen an den Gigs ihrer Bands mit. Völlig verrückt. Wir hoffen auf eine Supporttour. Spruchreif ist noch nichts, aber das würde in unserer Situation am meisten Sinn ergeben. Wenn wir jetzt selbst touren würden, sind wir realistisch genug um zu wissen, dass die Clubs nicht voll werden. Im Moment spielen wir in NRW einzelne Gigs. 2006 haben wir mit IN EXTREMO in Köln gespielt und wir merkten und freuten uns über den Support der Leute. Vergessen wurden wir noch nicht.

Dann tourt halt im Dezember mit IN EXTREMO?

Die sind jetzt nochmal eine Nummer größer und das wird schon schwer. Wir sind nach wie vor gut befreundet. Aber machen wir uns nichts vor: Wenn da ein Act eines Majors 1500 Euro am Tag zahlt, dann nehmen, bzw. müssen die auch diese Band mitnehmen. Ich gönne ihn auch den Erfolg, und die sollen sich jetzt in den nächsten Jahren den Rest ihres Lebens finanzieren, haha.

Ihr habt bei Ebay mal einen Wohnzimmer-Gig versteigert. Da ich euch noch nie live gesehen habe, war ich mit ca. 80 Euro bis 3 Minuten vor Schluss Höchstbietender. Dann wurde ich von irgendsoeinem Trottel überboten. Wie war der Auftritt dann?

Das war sehr spaßig. Wir nahmen eine kleine Anlage mit, der Eigentümer hatte viele Kumpels eingeladen und wir rockten los. So etwas finde ich zwischendurch schon mal geil und auch in einem Wohnzimmer ist live spielen eben live spielen.

Ich könnte mir bei Euch auch mal einen Unplugged-Gig gut vorstellen.

Ja. Wir haben Dirty Youth in Balcony-TV aufgenommen und sind nach dem Auftritt wie Stadtmusikanten durch die Reeperbahn gezogen und haben Dirty Youth gespielt. Das war auch recht spaßig und wird im Frühjahr definitiv nochmal wiederholt.

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