MIDNIGHT: Wenn ihr etwas über mich wissen wollt, hört euch meine Musik an!

MIDNIGHT: Wenn ihr etwas über mich wissen wollt, hört euch meine Musik an!

Mit Sakada hat Ex-CRIMSON GLORY-Sänger MIDNIGHT seinen Fans nach 15 Jahren Wartezeit alles andere als ein einfach zu verdauendes Werk vorgesetzt. Doch wer hätte schon ernsthaft daran geglaubt, dass dieser Mann ein gewöhnliches Metal-Album abliefern würde. Zu seiner Musik mag man nun also stehen, wie man will, nicht zu leugnen ist hingegen, dass MIDNIGHT eine sehr eigene und interessante Persönlichkeit in unserer Szene darstellt. In einem ca. einstündigen Gespräch ließ er uns, wenn auch ordentlich erkältet, an seiner Welt etwas teilhaben.

Der Schlüssel zu MIDNIGHTs Musik

Dein aktuelles Album hätte sicher auch den Titel The Strange Mind of Midnight tragen können, oder?

Ja, das ist sogar eine gute Idee. Das Ganze hat allerdings ehrlich gesagt als Ein-Mann-Projekt angefangen, sich aber zu einer Band-Geschichte entwickelt.

Würdest du denn zustimmen, wenn man das Album als eine Art Reise durch deine Gedankenwelt bezeichnen würde?

Ja schon. Das trifft ziemlich gut zu – durch mein Hirn, mein Herz und meine Seele.

Viele Fans der alten CRIMSON GLORY-Sachen werden vermutlich erstmal geschockt sein, wenn sie in den letzten Jahren nicht verfolgt haben was du machst und nun das Album zum ersten Mal hören. Was denkst du?

Nun, wenn sie erwarten, dass es wie alte CRIMSON GLORY klingt, dann trifft das sicherlich zu. Aber ich denke, sie wären auch geschockt gewesen, wenn wir es geschafft hätten, ein neues CRIMSON GLORY-Album zu veröffentlichen.

Aber du erwartest diese Reaktion und die Möglichkeit, dass viele der alten Fans nicht mehr daran interessiert sein könnten, was du jetzt machst?

Es ist schon möglich, dass das passiert. Viele Metalfans wollen genau das hören, was es in den 80ern gab. Es sind echte Die-Hard-Fans, aber auch für diese bietet dieses Album den ein oder anderen Teil, der sie ansprechen könnte. Aber ja, wir werden sehen…

Wenn man sich die Entwicklung und Entstehungsgeschichte dieses Albums betrachtet, dann macht es schon ein bisschen den Eindruck, dass es für dich gar nicht derart wichtig ist, was die Leute darüber denken. Vel mehr zählt was du denkst. Es macht jedenfalls nicht den Eindruck, dass du unbedingt den Regeln des Musik-Businesses folgen wolltest…

Ja, absolut. Ich möchte natürlich schon auch die CRIMSON GLORY-Fans glücklich machen. Ich könnte aber wirklich sehr einfach ein weiteres Album wie Transcendence schreiben, was viele von mir erwarten. Aber das wäre nicht, was aus meinem Herzen kommt. Die Elemente, die ich bei CRIMSON GLORY einbrachte, waren eher die spirituellen und merkwürdigen Momente. Jon und Jeff waren eher für die heftigen Teile verantwortlich, und wir haben das zusammen gemischt. Das was du jetzt hörst hat nichts damit zu tun, dass ich meinen Stil verändert hätte. Es ist dasselbe, was ich seit vielen Jahren mache. Hier hast du nun aber genau das, was ich bei CRIMSON GLORY eingebracht habe und auch wenn CRIMSON GLORY heftiger klingt, ist dieses Album heavy in einem anderen Sinne. Es ist nicht typisch, aber ich denke, viele Fans harter Musik dürften auch diese Songs mögen.

Kannst du dir denn vorstellen, dass du mit Sakada auch Musikfans außerhalb des Metal-Genres ansprichst?

Oh natürlich, definitiv. Es sind alle möglichen Elemente enthalten, und ich denke, es ist einzigartige Musik. Ich glaube, es ist etwas für jeden darin. Wenn wir live nur die metallischen oder nur die melodischen Sachen spielen würden, wäre das nicht das, was ich machen wollte. Für mich ist es wichtig, dass die Musik sich bewegt. Wenn alles heavy ist, ist es langweilig. Wenn alles leicht ist, ist es langweilig.

MIDNIGHT-Fan zu sein ist nicht einfach – man braucht Geduld und man muss sich auch einbringen. Nimmt man zum Beispiel deine Homepages, dann sind die eigentlichen Inhalte ziemlich versteckt. Man muss sich schon Mühe machen, um das zu finden, was man sucht. Und es ist ja alles andere als einfach an Informationen über MIDNIGHT zu kommen. Man könnte also wirklich sagen: Es ist hart, MIDNIGHT-Fan zu sein.

(lacht) Man muss sich anstrengen! Es gibt sehr viele tiefe Bedeutungen, und ich will es den Leuten nicht einfach machen. Aber ich denke, es erhält die Neugierde, die Leute bleiben bei der Sache, sie versuchen es herauszufinden. Wenn sie es nicht genug wertschätzen, um sich die Zeit zu nehmen die tieferen Bedeutungen zu durchdringen und die Informationen zu finden, dann soll es eben nicht sein. Die Musik funktioniert da wie die Homepage: ich erzähle nichts. Du musst selbst schauen und deine eigenen Schlüsse ziehen.

Um es konkreter zum Ausdruck zu bringen – ist die Aussage also wenn ihr euch nicht die Zeit nehmt um euch mit meinem Schaffen auseinander zu setzen, dann interessiert es euch auch nicht wirklich?

Es ist ja eigentlich genau das gleiche wie bei CRIMSON GLORY. Ich habe dieses Element dort eingebracht. Ja, es ist mir wichtig, dass die Leute sich Gedanken machen. Und bei vielen ist das der Fall. Wenn du keine Mysterien magst, dann gibt es im Radio genug Musik.

M – ein ungeliebtes Kind

Die Homepage erweckt in mir dieses Gefühl, dass der Wahnsinn stets präsent ist und dennoch beschützt einen das Haus. Das ist so eine Atmosphäre, die ich recht gerne mag – ein bisschen spooky, aber gleichzeitig warm – die Räume mit den Leichen jetzt mal nicht inbegriffen. Ich denke aber gleichzeitig, dass dieses Haus in Schwarz-Weiß sehr gut zum Akustik-Album passt, beim neuen Album hat man aber das Gefühl, als müsstest du mal ein paar Wände etwas bunter streichen…

Ich weiß was du meinst…ja, das stimmt schon. Die EP sollte ja eigentlich gar nicht veröffentlicht werden. Das waren meine Songs, und niemand sonst hatte mit ihnen etwas zu tun. Ein Freund von mir hat mich zu sich eingeladen und ich sollte ihm die Sachen spielen und singen. Er hat es wirklich gemocht und mir angeboten, dass er mir fünf Stunden Studiozeit bezahlen würde, um für ihn die Songs aufzunehmen. Ich sagte klar!. Es wurde also alles in fünf Stunden eingespielt. Das ganze ging sehr schnell und unprofessionell ab. Es ist keine gute Repräsentation der Songs. Die Aufnahmen waren nie dazu gedacht, gehört zu werden. Wir haben die CD dann aber doch für die Fans auf CD gepresst und 500 Stück über meine Homepage verkauft. Ich habe sie innerhalb von einer Woche weggehabt. Die Leute haben nach mehr gefragt, und vielleicht hätte ich damit auch Geld machen können, aber dafür waren die Songs nicht gedacht. Die Aufnahmen repräsentieren die Musik nicht sauber. Ich habe 500 an meine größten Fans rausgegeben, und mehr wird es davon nie mehr geben.

Midnight
Die Mini-CD M war eigentlich nie für ein größeres Publikum bestimmt.

Das hört sich jetzt nicht danach an, als wärst besonders stolz du auf die CD. Ich mag M wirklich sehr!

Nun, manchmal denke ich, dass ich Jingle Bells singen könnte und die Leute würden es mögen (lacht). Nein, ich bin nicht stolz auf die CD. Auf die Neuaufnahmen der Songs, auf die werde ich stolz sein. Die Aufnahmen auf M entsprechen nicht meiner Vision der Songs. Bei den Stücken auf dem Album ist das der Fall. Pain ist so, wie ich den Song in meinem Kopf hatte.

Das mag sich für dich jetzt seltsam anhören, aber gerade Pain erweckt in mir den Eindruck, dass dies der Song ist, an dem du dein ganzes Leben lang arbeiten wirst. Es erscheint mir, als könne er niemals fertig werden.

(lacht) Es ist so, dass man wissen muss, wann man einem Künstler seinen Pinsel wegnimmt. Der Song ist eigentlich schon ziemlich fertig, aber wenn wir ihn live spielen, wird er sicher jeden Abend anders klingen. Die Basisstruktur wird dieselbe sein, aber jeder Song wird sich mit der Stimmung und mit dem Publikum ändern. Du kannst sicher sechs mal hintereinander ein Konzert besuchen, und es wird jedes Mal anders ein. Die Leute sollen nicht gelangweilt werden. Die Songs sind dazu gemacht, live gespielt zu werden und zu begeistern. Es soll einfach anders sein und wir wollen uns von festen Strukturen fern halten. Übrigens ist die Version von Sakada, die du erhalten hast, sehr unvollständig. Die gemasterte Version klingt wesentlich besser. Ich wollte dem Album dennoch einen Live-Anstrich geben. Ich habe den ein oder anderen Fehler einfach so belassen. Oft kam Kannst du das nochmal singen? Der Ton stimmt nicht ganz, und ich sagte Nein, das ist gut so.

Du hast gerade das Thema Live-Shows angesprochen. Was ich inzwischen bei vielen Bands vermisse ist eine gewisse Live-Spontaneität oder, dass Songs eine Entwicklung durchmachen. Die meisten Shows sind einfach perfekt, die Bands spielen ihre Stücke über viele Jahre hinweg immer gleich.

Ja, genau. Wenn du die Songs live genau so hören willst wie auf dem Album, dann bleibe doch gleich daheim. (lacht)

Midnight der Eigenbrötler

Du hast schon immer um deine Person ein Geheimnis gemacht, und mit dem neuen Album scheinst du daran auch nichts ändern zu wollen. Um ehrlich zu sein glaube ich nicht, dass Sakada derart einschlägt, dass du nicht mehr ohne Bodyguards über die Straße gehen kannst. Warum diese Geheimnistuerei?

Das ist sehr privat. Die meiste Zeit in meinem Leben habe ich allein verbracht. Wenn mich jemand mit Essen versorgen würde und ich ab und zu eine Frau haben könnte, würde ich vermutlich nur noch zu Hause bleiben (schmunzelt). Das ist, wie ich bin. Ich will nicht mehr nach außen geben. Natürlich passiert das im Rahmen von Promotion und so weiter, aber ich versuche schon mein Leben privat zu halten. Das ist mir wichtig.

Wie viel von MIDNIGHT ist Kunstfigur und wie viel ist die Person dahinter?

Es ist dasselbe, Mann. Was du hörst sind meine tiefen Emotionen. Wenn mich die Leute fragen Erzähl mir was über dich, sage ich: Hör dir meine Musik an und versetz dich in sie! Hör dir Pain an und du weißt, was ich lange Zeit durchgemacht habe. Hör dir Lost Boy an, konzentriere dich auf die Texte und versuche es zu verstehen. Natürlich muss man sich sehr viel damit beschäftigen, aber dort findest du mich.

Ist das nicht ein gewisser Widerspruch, denn auf der einen Seite willst du deine Persönlichkeit privat halten, auf der anderen könntest du mit deinen Texten nicht intimer werden…

Midnight
Wenn mich jemand mit Essen versorgen würde und ich ab und zu eine Frau haben könnte, würde ich vermutlich nur noch zu Hause bleiben – Midnight lebt lieber für sich allein.

Das ist, was ich meine. Anstatt dir einfach etwas über mich zu erzählen, will ich, dass du dir die Musik anhörst. Es ist mir wichtig, dass wenn die Leute wirklich etwas über mich wissen wollen, sie sich wirklich anstrengen müssen. Wenn du wissen willst, wer ich bin, dann musst du dieses Puzzle zusammenfügen.

Was ist dir lieber? Wenn ein Fan herkommt und sich mit dir darüber unterhalten will was deine Texte bedeuten könnten, oder wenn jemand auf dich zukommt und erzählt, dass er genau weiß, was du fühlst, weil er die Situation aus deinen Texten genau versteht?

Ich meine letzteres ist das Größte, was einem passieren kann. Viele Leute haben das auch schon zu mir gesagt. Wenn aber jemand zu mir kommt und fragt, was das und jenes bedeutet, dann wird er keine konkrete Antwort erhalten. Wenn jemand zu mir kommt und sagt Hey, ich habe etwas durchgemacht und mich in den Texten wieder gefunden – war das so gemeint? und das dann noch passt, dann werde ich natürlich sagen: Ja, richtig. Es ist so: Einige Songs sind sehr offensichtlich. Andere haben verschiedene Bedeutungen und es sind kleine Tricks darin versteckt. Für den einen könnten sie dieses bedeuten, für den anderen etwas anderes. Und das ist mir wichtig. Ich will nicht, dass jeder das gleiche Bild im Kopf zeichnet. Ich arbeite sehr stark daran, dass jeder etwas anderes darin sieht.

Sakada – vom Soloalbum zum Bandprojekt

Nicht alle Songs auf dem Album sind aus persönlicher Sicht geschrieben, sondern behandeln Geschichten…

Ja, es gibt einige Geschichten. Das Ganze begann als Solo-Projekt, aber als sich die anderen Musiker einbrachten, haben sich die Ideen verändert – vielleicht zum besseren, als wie ich sie im Kopf hatte. Ich habe mein Ego zurückgestellt, und die meisten Songs sind das Ergebnis eines Bandgefüges. Ich muss ihnen da meinen Dank aussprechen, denn sie haben ein neues Element in mein Songwriting eingebracht.

War das nicht schwierig für dich, die Songs frei zu geben?

Ja, das war es. Scott zum Beispiel habe ich meine Ideen gegeben und gefragt, was er daraus machen würde. Er hatte dazu totale Freiheit. Und indem ich das tat, habe ich festgestellt, dass wenn ich so gut spielen könnte wie er, ich fast genau dasselbe daraus gemacht hätte! Als ich das hörte, wusste ich, dass er etwas Spezielles war.

Musikalisch ist das Album eine Mischung, die man kaum beschreiben kann. Es gibt da sehr viele Elemente, ich würde aber definitiv behaupten, dass es kein Heavy Metal ist. Du hast bislang immer vermieden die Musik zu beschreiben. Ich möchte aber dennoch noch ein Mal die Frage stellen: wie würdest du deine Musik heute beschreiben?

Ich denke diese Musik ist so speziell, dass sie ihre eigene Kategorie verdient. Ich denke, es sind Elemente des Heavy Metal enthalten, genauso aber auch andere Dinge. Ich nenne es Heavy Melo. Ich hoffe, dass diese Bezeichnung greift, und vielleicht spielen andere Bands in Zukunft ja auch Heavy Melo (lacht)!

Nehmen wir mal den Cat-Song. Für mich hat das Stück etwas von Country-Musik. Auf der Mini gab es auch ein Stück namens Hide and Seek, das meiner Meinung nach einen Country-Einschlag hatte. In welcher Stimmung hörst du dir Country an und was sind deine Faves in diesem Genre?

Nun, ich hör wirklich nicht viel Musik. Ich denke, die Country-Einflüsse kommen aber von meinem Vater. Crosby, Stills & Nash spielten mit meinem Vater in unserem Wohnzimmer, bevor sie bekannt wurden. Da war ich ein Kind. Und ich schlief in ihrem Gitarrenkoffer. Hide and Seek wurde für meine beiden Töchter geschrieben. Als meine Kinder noch klein waren, spielten sie eines Tages draußen, und die eine fand einen Wurm im Laub. Meine andere Tochter weinte und schrie, weil sie keinen Wurm hatte. Sie machte so lange weiter, bis wir raus gingen und nach einem Wurm suchten (lacht). Ich dachte: Darüber schreibst du einen Song (lacht)! Es war einfach eine witzige Sache – wie gesagt nie gedacht, um von anderen Leuten gehört zu werden.

Der Country-Einfluss beim Cat Song ist eher ein Unfall. Ich schrieb den Song in einer Moll-Tonart. Es klang mehr wie ein Zirkuslied mit einem etwas merkwürdigen Feeling. Das Problem war, dass ich den Song im Studio aus Versehen in Dur spielte. Scott spielte einfach eine Stimme darüber, und ich wunderte mich am nächsten Tag, warum das nach Country klang, bis ich feststellte, dass ich den Song falsch gespielt hatte. Es war ein Fehler, aber Scotts Part war so gut, dass ich nichts mehr daran ändern wollte. (lacht)

Die Texte auf dem Album wirken insgesamt sehr ernst gemeint. Speziell beim Cat Song habe ich aber das Gefühl, dass es da auch eine augenzwinkernde Seite gibt…wie ernst muss man die Lyrics nehmen?

Es gibt da eine sehr tiefe Bedeutung. Es klingt zunächst witzig, aber wenn du genau hinhörst, dann gibt es da auch eine andere Seite. Das ist ein gutes Beispiel dafür, über was wir vorhin gesprochen haben – man muss sich Zeit nehmen. Auch bei Miss Katie – das ist eine düstere Komödie. Ich habe mein ganzes Leben lang keinen lustigen Song geschrieben. Und ich sagte mir, dass es höchste Zeit wäre. Miss Katie ist schwarzer Humor, aber gleichzeitig so ernsthaft und düster, dass man zur selben Zeit weinen könnte. Du fühlst zwei unterschiedliche Dinge gleichzeitig. Ich denke, es ist mein Lieblingssong auf dem Album.

MIdnight
Im Jahr 2003 saß Midnight für einen anderen im Gefängnis – eine echte Grenzerfahrung

Ist das der Humor, den man entwickeln muss, um das Leben zu ertragen?

Wenn es das ist, was du dabei empfindest… ein anderer würde es vielleicht anders sehen… Manchmal lache ich vielleicht, weil ich nicht weinen möchte.

Cat Song handelt von mir, wie ich die Katze meiner Ex-Freundin esse (lacht). Vielleicht ist das passiert, aber um das herauszufinden, solltest du vielleicht die Polizei in Florida anrufen…

Grenzerfahrung Isolationshaft

Das bringt mich zum nächsten Thema. Vor zirka zwei Jahren gab es Gerüchte, dass du wegen Drogenbesitzes im Gefängnis gelandet wärst. Ist da was dran?

Nein, nicht wegen Drogen. Es gab aber tatsächlich Probleme. Was wirklich passiert ist, ist dass ich für jemanden anderen gesessen bin.

Was für eine Erfahrung war das für dich?

Es war der größte Albtraum meines Lebens. Ich habe noch immer Albträume davon. Es war die erschreckendste Sache, die ich in meinem Leben mitgemacht habe. Furchtbar. Nach der Hälfte der Zeit habe ich mir ernsthaft überlegt, ob ich die Wahrheit sagen soll (lacht).

Was hat die Sache für dich so schrecklich gemacht? Die Situation und Umgebung in der du dich befandest, oder die Tatsache, dass du deiner Freiheit beraubt warst?

Die Freiheit zu verlieren! Ich war in einem Gefängnis mit Mördern und Vergewaltigern. Die Erinnerungen an die Kämpfe dort erschrecken mich immer noch – alle möglichen Leute versuchten einem das bisschen Essen, das man bekam, auch noch zu stehlen. Am schlimmsten war aber die Gewissheit, dass man nicht raus gehen kann. Einfach Fernsehen oder ähnliches zu tun. Es gab ein paar verratzte Bücher. Ich hatte Schlägereien mit Leuten, einfach weil ich es musste. Du musst deinen Mann stehen, sonst werden sie ständig auf dir rumhacken. Ich habe Weihnachten komplett alleine in einem Raum verbracht, der gerade groß genug war, dass man sich hinlegen konnte. Ich habe eine Woche lang kein Geräusch gehört – nichts. Da war einfach nichts. Das Einzige, was ich hatte, war eine kleine Luke in der Türe. Ich würde diese Erfahrung aber für nichts in der Welt verkaufen. Ich habe in meinem Kopf Symphonien kreiert. Ich hatte nichts zu tun, außer mich mit meinem Verstand auseinander zu setzen. Ich denke, ich bin auch etwas verrückt geworden dabei (lacht). Aber ich würde die Erfahrung wirklich nicht hergeben wollen. Ich denke, es wäre für jeden gut, so etwas einmal durchzumachen. Ich bin eigentlich immer isoliert, aber wenn ich Lust habe, kann ich den Fernseher einschalten, einen Film schauen oder sonst etwas machen. Wenn ich hungrig bin, mache ich mir einfach einen Snack. Von anderen kontrolliert zu werden, isoliert und in einem kleinen Raum eingeschlossen zu sein und für eine Woche quasi gefangen zu sein, das ist etwas ganz anderes.

Das muss wirklich furchtbar gewesen sein…

Ja, aber wunderschön zur gleichen Zeit. Ich kann das jedem mal empfehlen…. (lacht)

Du hast mal gesagt, dass es wichtig für dein Songwriting ist, dass etwas wirklich Bedeutendes in deinem Leben passiert ist. Gibt es bereits einen Song zu dieser Zeit deines Lebens?

Noch nicht. Aber es wird ihn sicher geben. Oh glaub mir, diese Frustration, die Angst und den Zorn nehme ich stets mit auf die Bühne. Die Leute sagen zu mir: Oh Mann, das war so emotional! Das ist der einzige Weg, wie ich damit umgehen kann. Wenn ich das nicht in meine Musik stecken oder auf der Bühne ausleben könnte, wäre ich wahrscheinlich ein Serienmörder (lacht).

What tomorrow knows…

Ursprünglich wolltest du ja ein Album namens Coocooflower veröffentlichen. Wie viel davon steckt in Sakada?

Gar nichts. Cocooflower wird die Songs von M enthalten, die wir neu aufnehmen, und ich habe bereits zwei weitere Alben in meinem Kopf, die bald schon erscheinen werden.

Die Alben sind also komplett voneinander getrennt zu sehen.

Komplett. Die kommenden Stücke, das werden meine Songs sein.

Midnight
Sakada war als Soloalbum gedacht und entwickelte sich zum Bandprojekt. Mit Coocooflower gibt es keine Verbindung.

Du wirst also auch nicht mit denselben Musikern zusammenarbeiten?

Oh, doch. Die Sache ist die, dass mein Ego (unterbricht)…..manchmal muss ich die Dinge auf meine Weise machen (lacht). Diese Songs sind seit Jahren in meinem Kopf und so persönlich, dass es schwer für mich wäre, die Credits mit anderen zu teilen. Die härteren Songs auf Sakada wurden von uns dreien gemeinsam geschrieben. Das ist wichtig! Aber genauso sind die Stücke auf dem kommenden Album für mich wichtig. Es sind meine Kinder. Ich muss sie auf meine Weise verwirklichen. Anstatt zu sagen Macht damit, was ihr wollt! werde ich ihnen sagen, wie sie es zu spielen haben. Es würde anders nicht funktionieren. Die Stücke auf CoocoofFlower müssen so sein, dass die Leute verstehen, wie ich sie gemeint habe. Aber es werden bestimmt die selben Musiker sein, weil sie für mich wichtig sind.

Der zweite Teil von Lost Reflection wird dann auch Teil dieser Alben sein?

Ja. Ich denke auf Coccooflower, aber ich kann es noch nicht sicher sagen.

Gibt es denn schon konkrete Pläne, wann die Alben erscheinen sollen?

Noch nicht. Es kommt auf viele unterschiedliche Dinge an…

Du wurdest ja auch von Lucca Turilli von RHAPSODY kontaktiert, um mit ihm gemeinsam ein Projekt aufzuziehen. Gibt es diese Pläne noch?

Eigentlich ging es dabei um Alex und mich. Wir haben darüber gesprochen. Alex hat mich gefragt, ob ich auf seinem Soloprojekt mitwirken möchte. Er ist einfach klasse. Lucca aber genau so! Wir haben darüber gesprochen, aber jeder von uns hatte gerade sein Ding am Laufen. Es könnte sein, dass wir es noch machen, aber ich weiß es noch nicht. Es ist aber gut möglich, denn es würde in mein Leben nicht zu sehr eingreifen. Es wäre mehr ein Projekt und keine Band.

Ganz generelle Frage: was macht für dich einen guten Song aus?

Emotionen. Er muss die Leute etwas fühlen lassen. Wenn ich bei einem Song nichts fühle, schalte ich ihn ab.

Du hast ja nun auch gesagt, dass ihr live auftreten werdet. Kannst du mir schon etwas zu eurer Show sagen? Wie wird das aussehen?

Es wird total verrückt (lacht). Miss Katie werde ich in einem Schaukelstuhl sitzend singen, während ich mit meiner linken Hand auf eine Trommel schlage. Solche Dinge – es wird sehr theatralisch.

Gibt es bereits Pläne, ob ihr auch bei uns auf Tour gehen werdet?

Noch nicht, aber ihr könnt auf jeden Fall erwarten, dass wir kommen.

Welche Person würdest du in deinem Leben gerne treffen und warum?

Ich denke, ich hätte Jesus gerne mal getroffen, einfach um zu wissen, was wirklich passiert ist. Einfach mit ihm abhängen und ein Glas Wein trinken.

Was war das Lustigste, das dir je auf der Bühne passiert ist?

Midnight
Theatralische Bühnenshow mit MIDNIGHT genauso wie früher bei CRIMSON GLORY.

Als meine Tochter geboren wurde. Es ist eine lange Geschichte, aber ich versuch sie kurz zu fassen. Ich bin am 12.12. um Mitternacht geboren. Meine Tochter wurde ebenfalls am 12.12. geboren, allerdings um 11 Uhr 30. Ich war zu diesem Zeitpunkt bei einer Show in LA. Das machte mich total verrückt, ich war in LA und meine Tochter wurde gerade geboren. Ich hatte also viel zu viel getrunken. Meine Frau war am Telefon und meinte Ich hab ein Baby, und ich sagte nur: Nein, du musst noch eine halbe Stunde warten! (lacht). Sie konnte natürlich nicht warten, aber ich war definitiv viel zu betrunken. Ich wurde da etwas davon getragen. Ich habe versucht von einer Plattform zu springen und bin voll auf den Arsch geknallt. Das war da natürlich nicht lustig, aber heute schon. Eine andere Sache: Ich glaube, ich habe bei den SCORPIONS mal gesehen, wie der Gitarrist den Sänger auf den Schultern trägt. Ich wollte das bei einer Show auch mal versuchen. Ich bin ziemlich ausgeflippt und habe versucht Ben auf meine Schultern zu nehmen. Ich hätte nicht erwartet, dass er so schwer ist (lacht). Es hat also nicht funktioniert. Das war vermutlich das Lustigste….einfach schrecklich.

Die letzte Frage brauche ich eigentlich gar nicht stellen, da du dir ja keine CDs kaufst…

Nein, ich glaube ich habe in meinem ganzen Leben drei Alben gekauft. PINK FLOYD, LED ZEPPELIN und NEIL YOUNG.

Wir haben leider keine Zeit mehr, aber ich würde dir gerne noch die Geschichte zum Titel Sakada erzählen.

Ich habe irgendwann ein Interview gegeben und mein Gesprächspartner meinte, dass es jetzt 15 Jahre wären, seitdem ich weg gewesen wäre. An diesem Abend machte ich gerade was im Haushalt und hörte im Fernseher: Die Sakadas sind zurück. Es sind 15 Jahre vergangen, dass sie unter der Erde waren, nun sind sie wieder da. Ich dachte mir nur: Was zur Hölle ist eine Sakada? Ich musste es einfach wissen. Es sind Insekten, eine Heuschreckenart. Sie leben unter der Erde und kommen nur alle 15 Jahre an die Oberfläche. Das war für mich einfach perfekt. Es geht aber noch weiter. Wenn sie an die Oberfläche kommen, machen sie diese lauten Geräusche. Es ist eine Art summende Musik. Einige Leute finden es sehr schön und faszinierend. Etwas, was sie noch nie im Leben gehört haben. Andere hassen das Geräusch einfach. Perfekter hätte das nicht sein können.

Gleichzeitig muss ich aber auch erwähnen, dass ich eines Tages mit Ronny und seinem Parter Gerd von QUASIMODO (ich hoffe, ich hab das richtig verstanden – der Verf.) zusammen jammte. Sie meinten: Hör dir mal diesen Song an, wir hatten dich irgendwie im Hinterkopf, als wir ihn schrieben. Diese Melodie war einfach so wunderschön. Ich sagte: Ihr müsst mir das zuschicken, wenn es okay für euch ist! Bitte lasst mich das verwenden. Ohne sie würde es den Song Sakada nicht geben, deshalb ist es mir wichtig, sie zu erwähnen.

Das dürfte sie ziemlich stolz machen…

Sie sollten es sein, es ist eine wunderschöne Melodie! Wir haben noch einen Text dazu gemacht und ein paar weitere Teile. Es kam alles sehr gut zusammen.

Fierce
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